Schächentaler Windgällen - Westkante und Nordwestgrat (2764 m)

Mit Holmger                                                                                23/06/19

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Da geht's hoch!

Nach einem regnerischen Samstag, den wir wie so oft im Klettergarten Lungern verbringen, beginnt am Sonntag endlich ein stabiles Hoch. Wir ziehen in Betracht, nochmals eine letzte Skitour zu unternehmen, verwerfen den Plan aber, da am frühen Morgen noch Wolken und möglicherweise auch Regenschauer prognostiziert sind. Ausserdem ist es Zeit, für die kommende Hochtourensaisn das Klettern mit Bergschuhen zu trainieren. So fällt die Wahl auf die Schächentaler Windgällen über den Westgrat integrale, also inklusiver der Westkante, welche sich  imposant und scharf wie eine Haifischflosse vom Alpler Tor auftürmt.

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Das Alplertor mit dem Alpler Torstock (links) und der Westkante, die den Beginn des Nordwesgrates auf die Schächentaler Windgällen markiert (rechts).
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Der Weg zum Alplertor ist über die Steilstufe aufs untere Band noch schneebedeckt.

Der Anfahrt über Urigen und Mettenen Richtung Mettener Butzli dauert etwas länger als geplant, da wir den Bauernhof, bei welchem man die Fahrbewilligung kaufen kann, nicht auf Anhieb finden; später müssen auch noch Kühe von der Strasse  vertrieben werden. In der letzten Rechtskurve bevor der Kiesweg flach wird, versperrt uns ein Schneefeld den Weiterweg, aber weit ist es ja eh nicht, so stellen wir das Auto dort ab und machen wir uns kurz vor 9 auf den Weg Richtung Alpler Tor. Dank gutem Trittfirn ab ca. 2200 m erreichen wir dieses trotz gemütlichem Tempo in etwas mehr als einer Stunde.

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Holmger in der 2. Seillänge.

Nach einer ausgiebigen Rast beim Alpler Tor seilen wir uns an und klettern kurz vor halb 11 los. Da der Fels insbesondere am Anfang sehr brüchig ist, sind wir um die klettergartenmässige Absicherung dankbar - Cams und Keile könnte man hier zwar problemlos versenken, bei einem Sturz würden diese aber höchstens den Fels sprengen...

Wir klettern überschlagend mit Standplatzsicherung und einem 30m Seil, was sich hier als ideal herausstellt. An den perfekten Kettenständen könnte man im Notfall sogar abseilen, dann bräuchte man aber mindestens ein 40m Seil.

Nach 2 Seillängen im geschätzten 4. Grad folgen 2 etwas schwierigere um 5b (für mich immer schwierig einzustufen, wenn ich mit Bergschuhen klettere), dann geht es wieder einfacher weiter und wir gelangen auf den Grat.

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Leichte aber unterhaltsame Kletterei am exponierten Grat (Foto: Holmger Ulllrich)

Hier verstauen wir das Seil vorübergehend und geniessen die teils exponierte Gehpassage über den Grat. Auch den ersten Teil des folgenden Aufschwungs steigen wir noch seilfrei, danach klettern wir am gestreckten Seil simultan weiter bis zur ersten Schlüsselstelle des eigentlichen Norwestgrates. Im Vorstieg getraue ich mich nicht, mit dem Bergschuhen auf die Reibung in den glatten Platten zu vertrauen und ziehe mich an der dafür vorgesehenen Schlinge hoch. Frei geklettert kommt uns das eher schwerer vor als 5b. Auch die 2. Schlüsselstelle klettern wir mit Standplatzsicherung, diesmal aber frei. Dann folgt leichtere, anregende und teils recht steile Kletterei am gestreckten Seil, über Türmchen und darum herum.

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Gehgelände zum Gipfel in schöner Umgebung

Anschliessend wird der Grat flach und einfach, wir verstauen das Seil und kommen um 13:30 zum Gipfel, wo wir eine fast einstündige Pause machen und die Aussicht geniessen. Die meisten umliegenden Berge habe ich schon bestiegen, und es ist interessant, sie mal aus eine für mich neuen Perspektive zu sehen. 

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Schnee im Abstieg über die Ostflanke (Foto: Holmger Ulllrich)

Der Abstieg über die Ostflanke ist gut markiert und mit Ketten entschärft. Kurz vor dem Sattel in Richtung Läged Windgällen liegt Schnee, so dass wir den Pickel brauchen. Die Steigeisen können wir aber im Rucksack lassen.

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Schnee bedeckt einen grossen Teil des Weges auf dem unteren Band, so weichen wir in das darunter liegende Geröllfeld aus

Auch ein grosser Teil des Weges über das untere Band ist schneebedeckt. Der Firn ist zwar weich, aber das Gelände ist steil und abschüssig, weshalb uns das Traversieren etwas Zeit kostet, deshalb queren wir zeitweise deutlich unterhalb der eigentlichen Route durchs Geröll, um dann anschliessend wieder auf den Weg aufzusteigen. Später können wir dann  auf dem hinter dem Bergschrund versteckten Weg gehen, und nach ein paar unfreiwilligen Duschen und Überklettern des Lawinenkegels gelangen wir wieder auf den Auftiegsweg. Nun geht es gemütlich hinunter zum Auto. Gemütlich drauf sind nun auch die Kühe - sie machen bereitwillig Platz, so können wir uns schon bald in der Gelateria in Altdorf die beste Gelati der Schweiz gönnen und die Beine in der Hollywoodschaukel baumeln lassen!

 

Gipfel:            Schächentaler Windgällen
Route: Westgrat integrale/Westkante und Nordwestgrat
Ausgangspunkt:  Mettener Butzli
Höhe: 2764 m
Schwierigkeit: ca. 5b

Material:

 

 

6-8 Expressen, Schlingen zum Verlängern, 30 m Seil, Helm; im Frühjahr/bei Schnee Pickel und oder Steigeisen