Schlossberg Südwand (3133 m)

Mit Armin                                                                                                                                                                                25/06/20

Schlossberg, Südwand, Engelberg, Hochtour, Spannorthütte, Schlossberglücke
Der Schlossberg - ein gewaltiges Gemäuer! Die Route über die Südwand befindet sich gleich hinter der mit dem Pfeil markierten Kante.

Ein gewitterhaftes Wochenende steht bevor, doch glücklicherweise kann ich mir den vorausgehenden Donnerstag von der Arbeit freischaufeln und finde in meinem Vater einen motivierten Tourenpartner. Wir beide wünschen uns zur Vorbereitung für die Hochtourensaison eine Bergschuhklettertour, allerdings liegt oberhalb von 2800 m einiges an Neuschnee und für nur einen Tag wollen wir nicht allzu weit anreisen. So fällt die Wahl auf die Schlossberg Südwand. Kurz nach 6:30 gehen wir beim Parkplatz Fürenalp in Engelberg los. Die Berge sind wolkenverhangen - die 100%-Sonnenprognose gilt scheinbar nur fürs Flachland... Vorerst stört und dies aber nicht, die Temperaturen sind für den steilen Zustieg ganz angenehm so.

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Ankunft bei der sympatischen Spannorthütte. Der Weiterweg zur Schlossberglücke ist praktisch schneefrei (Foto A. Bürgler).

Nach gut 2h Marsch erreichen wir die Spannorthütte, wo wir etwas trinken und essen. Anschliessend geht es steil aber auf gutem Pfad weiter, wobei wir über die unzähligen Schafe staunen, die hier in der scheinbar vegetationslosen Landschaft noch was zu fressen suchen. Über ein harmloses Schneefeld und Schutt erreichen wir um 10:15 die Schlossberglücke. Den ersten Felszacken südlich, den zweiten nördlich umgehend finden wir - auch dank gut sichtbarem Bohrhaken und Eisenstange - leicht den Einstieg in die Kletterei. Leider sind wir immer noch mitten in den Wolken, die uns die eindrückliche Sicht aufs Spannort verwehren.

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Blick in die Schlossberg Südwestwand (links) und Südwand (rechts), durch welche unsere Route durchführt
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Eine neblige Sache... die Traverse vor der ersten 4b Seillänge

Die ersten 5 Seillängen (bis maximal 3b) klettern wir simultan am verkürzten 50 m Seil. Die Kletterei ist  anregend und gutmütig bewertet - die Tritte sind auch mit Bergschuhspitzen gut zu nehmen. Neben neuen Bohrhaken und Irnigerständen befinden sich hier auch immer wieder mal Eisenstangen für Zwischensicherungen ud zur Orientierung. Auch der Fels ist nicht so brüchig, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht, es liegt aber überall sehr viel loses Gestein, so dass doch Vorsicht geboten ist und wir froh sind, allein in der Wand zu sein.

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Steile und richtig gute Kletterei in den 4b Seillängen

Nun wechseln wir auf Standplatzsicherung, wobei wir die beiden kurzen 4b Seillängen gleich zusammenhängen. Auch hier fällt die Bewertung gutmütig aus und die Absicherung mit Bohrhaken ist sehr gut - genau richtig, um wieder Vertrauen in die Bergschuhe zu gewinnen. Trotz Steilheit ist die Kletterei dank guten Tritten und Verspreizmöglichkeiten wenig anstrengend, dafür technisch und sehr vielseitig. So findet man hier nicht nur einen (leider mit Kieseln verstopften) Handklemmriss, sondern sogar einen Ganzkörperkamin!

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Neben neustem Hakenmaterial ist auch solches älteren Datums zu finden (Foto A. Bürgler).
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In der 7. Seillänge (4a) ist Spreizen angesagt!

Weiter geht es mit einer ebenfalls recht steilen Länge (4a), die allerdings mit Eisenstiften entschärft ist. Hier kann man zudem richtig schön verspreizen. Die letzte richtige Seillänge beinhaltet dann nur noch eine kurze Einzelstelle (3c), wir klettern sie aber wegen dem vielen losen Geröll mit Standplatzsicherung und gehen dann simultan weiter bis zum Steinmann auf dem Gipfelplateau.

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Die letzte richtige Seillänge (3c) beinhaltet einen kurzen Aufschwung und sehr viel loses Geröll.
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Schneefelder und Nebel erschweren die Routenfindung über das Gipfelplateau zum Gipfel.

Hier deponieren wir Seil und Metall und machen uns auf die Suche nach dem Weg zum Gipfel, welche durch Nebel und Schneefeld deutlich erschwert wird. Instinktiv finden wir dann aber die Route ohne allzu grosse Umwege, auch wenn es uns wegen dem tiefen Schnee und den steilen, rutschigen Geröllfeldern mehr Kraft und Zeit kostet, als wenn wir auf dem "richtigen" Weg gehen könnten. Um 13:30 erreichen wir schliesslich zufrieden den Gipfel, halten uns aber wegen dem garstigen Wetter nicht allzu lang hier auf - viel Aussicht zu geniessen gibt es heute leider nicht... Unseren Aufstiegsspuren folgend gelangen wir dann ohne Probleme zur Südwand zurück.

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Abseilen zurück zum Einstieg (Foto: A. Bürgler)

Das achtmalige Abseilen gestaltet sich trotz viel losem Gestein und Felszacken überraschend problemlos und so stehen wir um 15:30 wieder unten am Einstieg. Zügig geht es bergab zur Spannorthütte, wo wir ausgiebig Pause machen und unsere Flüssigkeitsspeicher auffüllen. Gestärkt lässt sich dann der weiter Abstieg gut bewältigen, auch wenn die Füsse in den harten Bergschuhen auf den letzten Metern zurück zum Auto langsam zu schmerzen  beginnen. Aber wir sind uns einig: trotz nicht optimalem Wetter war das eine lässige, vielseitige und sehr ergiebige Tagestour!


Gipfel:            Schossberg/Hinter Schloss
Route: Südwand
Ausgangspunkt:  Engelberg Parkplatz Fürenalp, alternativ Spannorthütte
Höhe: 3133 m
Schwierigkeit: 4b

Material:

 

8-9 Expressen (auch lange), 50 m Seil, Helm; bei Schnee Pickel und/oder Steigeisen