Eiger - Heckmair (3970 m)

Vorbereitungen

Als erstes musste ich natürlich einen Bergführer finden der die Tour mit mir gehen wollte. Da ich niemanden kannte habe ich auf einen Tipp meines Vaters Rolf Zurbrügg von der Alpinschule Adelboden angefragt, und ich hätte es nicht besser treffen können.

 

Dann habe ich mich gefragt "was braucht es, um durch die Wand zu steigen" und darauf folgend "wie erreiche das". Hier meine Überlegungen:

 

"Was brauchts":

 

1) Physisch:  A) Ausdauer/Kondition/gut trainiertes Herz/Kreislauf System um 1700

                       Höhenmeter zügig zu überwinden und eine sehr lange Tour durch zu

                       stehen

                    B) Kraft in Armen, Beinen und Rumpf fürs Klettern und Hangeln an Fix-

                        seilen mit schwerem Rucksack

 

2) Technisch: Klettern mit Steigeisen und Eisgeräten im Fels und Eis, sicheres Gehen

                      in Firn und gemischtem Gelände

 

3) Mental: Durchhalten bei Kälte und Ermüdung, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

                 bei ungewohnten Anforderungen

 

4) Taktisch: A) Ausrüstung, Verpflegung, Kleidung, Übernachtung (alles Notwendige

                        in möglichst kleinem, leichtem Rucksack)

                    B) Effizienz bei den für mich z.T. neuen Abläufen um Zeit und Energie zu

                        sparen

 

"Was erreiche ich das":

 

1) A) Für mich der einfachste Teil, da Ausdauersport schon immer zu meinem Leben

        gehörte: Laufen, Skigang (mit Stöcken zügig den Berg hinauf gehen), Bergtouren,

        Zustiege zu Mehrseillängenrouten mit schwerem Rucksack im Sommer, Ski-

        touren und Langlauf im Winter. Am Wochenende meist lang im Ausdauertempo,

        unter der Woche als Intervalltraining zu Fuss.

    B) Auch hier nicht viel anders als sonst: Oberkörperkraft durch Klettern

       (Sportklettern und Bouldern drinnen und draussen, alpines Klettern, Klettern

       mit Bergschuhen) und Training mit Schlingen und Klimmzugstange, Beinkraft

       durch auf- und absteigen mit schwerem Rucksack auf Hochtouren und im Zustieg

       zu Mehrseillängentouren, Berglauf- oder Treppen-Intervalltraining.

       Spezifisch für den Eiger bin ich aber Eisklettern gegangen und habe eine Teil

       der Klimmzüge an Eisgeräten statt an der Klimmzugstange gemacht. Ausserdem

       bin regelmässig indoor Drytoolen gegangen (an dafür ausgerüstetenBoulder-

       wänden). Das half, die spezifische Kraft, die es braucht um ein Eisgerät zu halten,

       aufzubauen.

 

 Hier ein link für mehr Details zu meinem Training

Beim indoor Drytooling im 6a+ in Winterthur

2) Dass mein Felskletterniveau mehr als ausreicht hat mir Bergführer Rolf bestä-tigt

    Meine Erfahrungen im steilen Eis und im Mixedgelände waren  aber  gering. Am Eiger

   wechseln sich Fels und Eis alle paar Meter ab, da kann man nicht jedesmal die Eis-

   geräte weglegen und mit den Händen im Fels klettern, sondern muss oft mit dem

     Eisgeräten drytoolen. 

    Auch wenn die Eisfelder am Eiger nicht so steil sind wie Eisfälle, so hat mit das Klet-

    tern in Eisfällen nicht nur bezüglich Kraft, sondern auch bezüglich Technik viel ge-

    bracht (Schlagtechnik, Steigeisentechnik wenn es steil ist, Rhythmus). 

    Das indoor Drytooling hat ebenfalls geholfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie die

    Eisgeräte belasten werden müssen damit sie auch halten. Im Weiteren habe ich

    anspruchsvolle Hochtouren unternommen, bei denen ich mich beim Klettern mit

    Steigeisen und im brüchigen Kalk üben konnte, z.B. am Rotbrättgrat auf die Jungfrau

    oder dem Vrenelisgärtli übers Chalttäli. Die Touren am Chli Krönten oder der Dent  

    d'Hérens bei sehr winterlichen Bedingungen waren ebenfalls eine gute Vorbereitung.

    Mit Rolf habe ich auch zwei Vorbereitungstouren unternommen; eine davon war die       Lauperroute am Mönch, die andere war eine Mehrseillängen-Kletterroute mit Steig-

    eisen und durch die Gälliwand und anschliessend über den Üschenengrat.

 

3) Bei Skithochtouren, winterlichen Hochtourenund beim Eisklettern habe ich mich an

    die Kälte gewöhnt, habe im Sommer und Winter lange Touren gemacht, und im

    Voraus die Heckmair Route genau studiert, um mich mental "von Schritt zu Schritt"

    denken zu können und zu wissen, was mich erwartet. Bei den relevanten Vorbe-

    reitungstouren und beim Eisklettern habe ich Ausrüstung und Verpflegung getestet

    um böse Überraschungen zu vermeiden. Die gründliche technische und physi-

    sche Vorbereitung, sowie das Eisklettern, die Lauperroute am Mönch und klettern

    mit Steigeisen und Eisgeräten an der Gälliwand haben wichtiges Selbstvertrauen

   gegeben.

 

4) Zentral war hier ein gründliches Austesten von Material, Kleidung, Verpflegung

    und gewissen Abläufen: Schuhe einlaufen, Steigeisen, Eisgeräte, neue Stirnlampe

    erproben, effizientes Entfernen und Sichern der Eisschrauben, schnelles vorüber-

    gehendes Befestigen der Eisgeräte,...