Nissedal

Südwand des Hægefjell-Domes Nissedal
Südwand des Hægefjell-Domes

Das in der Telemark gelegene Nissedal ist landschaftlich geprägt durch imposante, von Gletschern geschaffene Granitdome. Der wohl beliebteste Dome ist Hægefjell. An seiner relativ flachen Ostflanke befindet sich die leichte Route "Via Lara" (3+ Trad), während die steilere Südflanke schwerere Routen aufweist. In der Regel sind die Routen, die über Platten führen, mit Bohrhacken ausgerüstet, währen diejenigen, die Risssystemen folgen, selber abgesichert werden müssen. 

Zeltplatz am Fuss des Hægefjell, Nissedal
Zeltplatz am Fuss des Hægefjell

Die Zustiege zu den Routen am Hægefjell sind relativ kurz, nimmt man den Parkplatz am Ende der Zufahrtsstrasse zum Ausgangspunkt. Idyllisch an einem Flüsschen gelegen befindet sich dort auch ein "wilder" Campingplatz - mit einem WC und einigen Feuerstellen als einzige Infrastruktur, aber mit einer riesigen Auswahl an Zeltstellenplätzen - viele mit Aussicht auf die gekletterte oder geplante Route. Beste Zeit sind Frühling und Herbst, im Mittsommer kann es in der Wand sehr heiss werden, ausserdem sind die Mücken eine grosse Plage. Der Führer "Nissedal Select MiniGuide" von Rockfax (rockfax.com) gibt detailliert Auskunft über Anreise und Ausrüstung und beschreibt 11 Routen am Hægefjell und Baremlandsfjellet. Die dort beschriebenen Routen sind 5 bis 10 Seillängen lang und in den norwegischen Graden 3+ bis 8- (frz. 4a - 7b). Für eine umfassendere Übersicht bietet sich der Führer "Gå Telemark" vom Götz Wiechmann an (zweisprachig deutsch und norwegisch).

"Hægar", Hægefjell (9-12 SL, norw. 6+, frz. 6b)

Hægar, Hægefjell, Nissedal, Norwegen, klettern, Mehrseillängen, Trad
Die ersten Höhenmeter im herrlichen Granitgestein des "Hægar" können noch seilfrei begannen werden

Hægar ist eine weitere exzellente Route am imposanten Hægefjell und kommt ohne einen einzigen Bohrhaken aus. Sie ist physisch nicht besonders schwer, bietet aber schon in der ersten Seillänge technisch schwierige Züge und sehr lange, plattige Passagen, die sich nicht absichern lassen. Wie schon bei "Mot Zola" sieht man die Linie von weitem und der Routenverlauf ist logisch. Je nach Topo werden 9-12 Seillängen geklettert - es gibt fast überall gute Standplatzmöglichkeiten.

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Die erste Seillänge (6b) ist die psychisch anspruchsvollste - delikate Kletterei weit über der letzten Sicherungsmöglichkeit

Wir gehen auf dem Weg bis unterhalb der Route, wo ein Steinmännchen die Abzweigung in den Wald markiert. Auf guten Wegspuren gelangen wir zum Wandfuss. Seilfrei aber mit Kletterfinken erklimmen wir die Granitplatte, bis wir nach ca. 80 Metern auf ein langes Band kommen. Hier seilen wir an und klettern dann simultan mit ein paar Zwischensicherungen nochmals ca. 70 Meter bis wir zu grossen Schuppen kommen. Hier wird es steiler und schwieriger und wir machen Stand.

Die erste Seillänge (6b) beginnt relativ leicht an guten Schuppen. Dann wird es schwere und ein paar Meter nach dem letzten guten Placement kommt die Crux: ein Aufsteher an einem Seitengriff. Nun geht es etwas leichter (ca. 6a) aber ohne weiter Sicherungsmöglichkeiten in einem Linksbogen zum Standplatz beim Riss am Ende der Rampe.

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Die 4. Seillänge (ca. 6a) bietet schöne Piazkletterei in einem perfekt absicherbaren Riss

Die 2. Seillänge folgt dem schönen Riss in klassischer Piazkletterei und ist dank  guten Tritten und griffigem Riss nicht all zu schwer (ca. 5c). Die 3. Seillänge - weiter dem Riss entlang - ist ähnlich. Hier fehlen aber ab und zu die Fusstritte und der Riss ist glatter - hier wird es dann doch etwas anstrengender und schwieriger - diese Stellen sind aber nie sehr lang. Am Schluss der Seillänge geht es spektakulär aber nicht all zu schwierig um ein kleines Dach herum, wo wir Stand machen. In der 5. Seillänge wir der Riss flacher aber breiter. Oft off-width kann man aber doch immer wiedermal was legen. Die Kletterei ist mal mühsam, mal amüsant und von der Schwierigkeit  ca. 5b-5c

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In der 2. Hälfte der 6. Seillänge findet man genussvolle Riss- und Wandkletterei

Es folgt eine leichte Kraxelei im 3. Grad und wir machen Standplatz, bevor der Riss steiler und weiter wird. Nun kommt die 6. Seilänge, erste etwas unangenehm da der off-width kaum absicherbar ist, dann wird der Riss aber steiler und griffig. Für einige Züge wechselt man in die rechte Wand - einfach super Kletterei! Die 7. Seillänge ist leichter (ca. 4), aber die Sicherungspunkte sind eher spärlich und die Orientierung nicht ganz leicht. Schliesslich geht es dann noch in einer letzten leichten Seillänge über Platten und Grasbänder hinauf zu Wegspuren, die auf den breiten Rücken des Hægefjelles führen. In 1-1.5h steigt man nun erst über Granitplatten, den einen steilen aber guten Weg wieder hinunter ins Tal. Mit etwas Glück findet man hier auch reife Multebeeren; Heidelbeeren gibt es sowieso so viel das Herz begehrt.

"Mot Sola" (7 Seillängen, norw. 6-/frz. 6a)

Mit Ole                                                                                    09/06/2013

Die Route "Mot Sola" Nissedal, Tradclimbing
Die Route "Mot Sola" folgt dem Risssystem in der Bildmitte

Die Route " Mot Sola" gilt als eine der schönsten in Nissedal, dem entsprechend gibt es hier oft Stau. Früh aufstehen lohnt sich, spät einsteigen hilft hingegen weniger - bei unserem ersten Anlauf hätten wir nachmittags um 5 Uhr beim 2. Stand noch 2h warten müssen...). Die Route muss selbst abgesichert werden, bei allen Standplätzen findet man aber einen Bohrhaken. Man sieht die Route sehr gut vom Parkplatz aus, was es leicht macht den Einstieg zu finden. Nach der Barriere folgt man dem Strässchen, bis ca. 200 bevor man unterhalb der Route ist ein gut erkennbarer Pfad abzweigt. Diesem folgt man ein paar hundert Meter steil aufwärts und gelangt an zur Wand. Hier geht man über leichte Platten bis zum Einstieg (gute Schuhe notwendig!). 

Plattentraverse, 5. Seillänge, Mot Sola, Nissedal
Plattentraverse am Ende der 5. Seillänge

Die erste Seillänge ist leicht und führt durch eine (z.T. etwas verwachsene) Rinne auf ein kleines Podestchen zum Stand. Die nächste Länge fordert dann schon mehr und bietet schöne Piazkletterei. Trotz einer (in Norwegen eher seltenen) Trockenperiode ist der Riss - wie auch der grössere Teil der übrigen Route - bei unseres Begehung nass, was die Kletterei etwas erschwert. Der 2. Standplatz befindet sich auf einem mehrere Quadratmeter grossem Podest. Hier befinden sich 2 Bohrhaken, somit bietet sich hier (zum einzigen Mal) die Möglichkeit, abzuseilen (mit 60 Meter Halbseilen erreicht man den Einstieg, mit 50 Meter Halbseilen muss man etwas abklettern). Die dritte Seilläng folgt zuerst einem schönen Riss, bevor man dann etwas athletisch in einen parallelen Riss wechselt und diesem bis zum Standplatz folgt. Die vierte Seillänge weist hauptsächlich leichtes Terrain auf, bevor dann anfangs fünfte die Schlüsselstelle folgt: Es gilt einen (für kleine Leute etwa schulterhohen) Absatz zu erklettern, wobei nicht nur Kraft, sondern vor allem auch Technik gefragt ist. Die Stelle lässt sich aber gut absichern. Weiter gehts durch einen eher leichten Riss, und schliesslich traviersierend über eine (in unserem Fall unangenehm nasse) Platte zum Stand. 

Ausstieg aufs Grasband, Mot Sola, Nissedal
Die letzten Meter vor dem Ausstieg aufs Grasband

Die sechste Seillänge ist kurz, aber technisch anspruchsvoll für den Grad (und wiederum ziemlich nass...). Schliesslich folgt eine lange, schöne Kletterei inklusive offwith-Riss, bis man zu einem bewaldeten (oder besser geagt "bebuschten") Grasband kommt. Diesem folgt man über einen Pfad ein paar hundert Meter und gelangt auf den flachen Felsrücken des Hægefjell, von wo man eine ausgezeichnete Aussicht hat. Der durch unzählige Steinmännchen markierte Abstieg dauert knapp anderthalb Stunden und erfolgt zuerst über den Steinrücken, dann etwas steiler entlang eines schmalen Pfades, bis man schliesslich auf die Kiesstrasse kommt, die zum Parkplatz führt. Alles in allem eine imposante und schöne Kletterroute, die leicht zugänglich ist, aber doch etwas Erfahrung in Absichern, Standplatz bauen und Routenfindung erfordert.