Rätikon - Schwarzer Diamant (7a+)

                                                                                                                      09.07.18

Rätikon, Mehrseillängen, Schwarzer Diamant, Klettern, Schweiz, Ostschweiz
Bei diesem Anblick frage ich mich, weshalb ich den Rätikon schon so lange nicht mehr besucht habe...

Über acht Jahre sind verstrichen, seit ich zum letzten Mal im Rätikon geklettert bin - es ist also höchste Zeit für einen Besuch! Um 5:30 fahren wir in Zürich los und kommen zügig nach Schiers. Die Fahrt auf dem schmalen und teils holprigen Strässchen zum Grüscher Älpli zieht sich dann aber wegen Baustellen und Kreuzverkehr in die Länge. Um 8 Uhr geht es schliesslich los, und in frischen aber sonnigen Wetter wandern wir zum Einstieg an der Drusenflue. Dieser ist dank den Fotos und Topos von Walter Hölzer von weitem leicht ersichtlich und so stehen wir etwa um  halb 10 beim grossen, roten Haken bereit.

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Die erste Seillänge (7a+) bietet äusserst abwechslungsreiche Kletterei aber erfordert eine gewisse Vorsteigermoral

Die erste Seillänge (7a(+)) hat es gleich in sich: ein rätikontypischer, plattiger Start, der erste Bohrhaken etwa in 10 Meter Höhe. Bevor man ihn klippen kann, muss ein nicht ganz trivialer Plattenmove gemacht werden. Danach ist die Absicherung enger, die Kletterei ist sehr cool und abwechslungsreich an grossen filigranen Schuppen. Es folgt die Crux, bei der man sich nach einer plattigen Traverse an kleinen Griffen und Tritten nach oben arbeitet und anschliessend in eine Mulde mantled. Dann geht es etwas einfacher aber dafür physischer weiter. Eine super Länge! Nun folgt eine bohrhakenlose 4-er Seillänge auf ein Band, bevor es mit einer mit 3 Haken gesicherten 5c+ weiter geht - beides angenehme Kletterei in guten Fels ohne besondere Schwierigkeiten. Dann steige ich in die 4. Seillänge (6b) ein, die deutlich besser abgesichert ist. -gefährliche Stürze gibt es hier kaum. Trotzdem sieht man den nächsten Haken nicht immer, was gewisse Ansprüche an die Wegfindung stellt, es gibt hier nämlich oft mehrere möglich scheinende Varianten. Nach athletischem Überwinden eines kleinen Bauches folgt eine plattige Traverse, dann geht es in schöner Piazkletterei hinauf (nicht nach rechts!), bevor man wieder nach rechts zum Stand traversiert.

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Lässige Henkelkletterei in der 8. Seillänge (6a+) (Foto: P.P.)

Es folgen eine abwechslungsreiche  6a+ Seillänge, eine kurze Passage im 3er Gelände und eine 6a Länge an fantastischen Wasserrillen, die man piazen und pinchen kann; nie anstrengend, nur technisch. Die Hakenabstände sind hier weit, in den Wasserrillen lassen sich bei Bedarf aber gut 1er und 2er Cams setzen. Nun klettert man eine etwas steilere Länge (6a) mit lässigen Moves an riesigen Briefkästen - super! Wiederum nur 3 Bohrhaken auf 35 m hier, aber genau an den richtigen Stellen; und dank der "saven" Kletterei an grossen Griffen finde ich hier mobile Absicherung überflüssig, wäre aber gut möglich.

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Zunehmender Tiefblick in der 500 m hohen Wand (Foto: P.P.)

Nun will es die Route aber nochmals wissen: Die 9. Seillänge (6c+) erfordert viel Fingerkraft und Ausdauer, ist aber sehr gut abgesichert. Auch in der folgenden Seillänge (7a+) sind keine weiten Stürzte möglich, die technisch nicht leicht zu lesende, kleingriffige und pumpige Crux muss aber zwingend zwischen den Haken geklettert werden. Es folgt eine 6c+ Länge, die ich etwas leichter empfinde als die vorhergehende, dafür ist die Wegfindung wegen den grösseren Abständen nicht ganz einfach und ich mache mir das Leben etwas unnötig schwer, weil ich zu weit rechts über von unten gut aussehende, in Wirklichkeit aber kleine Griffe klettere. Am Schluss braucht es auch nochmals etwas mentale Energie, als ich mit meinen 156 cm den guten Griff nicht erreiche und - schon deutlich über dem Haken - grifflos hoch anstehen muss. Alles in allem aber drei super coole Längen in äusserst kompaktem Fels mit scharfen Tropflöchern!

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Die 11. Seillänge bietet schöne Kletterei an scharfen Tropflöchern

Die 12. Seillänge (7a+) ist dann deutlich steiler und athletischer als die vorhergehenden. Gewiss sind wir auch schon müde, aber wir hätten sie eher mit 7b bewertet. Zum Glück sind hier die Hakenabstände kurz, so dass man sich darüber mogeln kann - zum freiklettern reichte die Kraft nicht mehr. Es folgt eine nette 5b Seillänge - das Schwierigste hier ist, den Stand zu finden, der sich mehr rechts befindet, als das Topo vermuten lässt. Die letzte Seillänge (5a) führt dann in fast ausschliesslicher Wasserillenkletterei (!) direkt auf dem Gipfel. Auf 50 m kommt hier ein Bohrhaken, der aber genau an der richtigen Stelle ist, die mir deutlich schwerer als 5a vorkommt. Die restlichen Meter sind nicht aber schwer und können bei Bedarf gut in den Wasserrillen abgesichert werden - dazu wären dann allerdings mehrere 1er und 2er Cams nötig.

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Die 11. Seillänge bietet schöne Klettere and scharfen Tropflöchern

Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns an den mit Steinmännchen gut markierten Abstieg, wobei wir unterwegs auf unserer Kollegen treffen, die eine Route im linken Wandteil geklettert sind. Gemeinsam steigen wir zum Schweizertor ab, wobei ein paar Kletterstellen im 2. oder knapp 3. Grad und ein paar Schneefelder überwunden werden müssen. Um 21:00 Uhr kommen wir dann schliesslich müde aber zufrieden beim Auto an. Bis zu meinem nächsten Rätikonbesuch werden  werden nicht wieder 8 Jahre verstreichen!

Charakter:

 

 

Grossartige Route in bestem Kalk; mit Ausnahme der 12. Seillänge eher  technische als physische Kletterei über Platten, an Schuppen, Tropflöchern und Wasserrillen.

Absicherung:

 

 

 

Abgesehen von der erste SL, wo der 1. Haken sehr hoch steckt, empfanden wir die Route als sehr sinnvoll abgesichert.  Ab 6b sind keine gefährlichen Stürze zu erwarten und die Bohrhaken stecken and den richtigen Stellen.

Ausgangspunkt: 

Grüscher Älpli

Material:

 

 

Verlängerte Expressen sind oft von Vorteil. Wer 6a+ sturzfrei Klettern kann, braucht kein zusätzliche Material, die leichteren Seillängen können mit Cams (0.3-2) sicherer gestaltet werden.

Infos:

Walter Hölzler

Topo Schwarzer Diamant
Topo-Drusenfluh-Schwarzer-Diamant.pdf
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