Salbit Südgrat

                                                                                                                      10/10/15

Salbit Südgrat, Tagestour
Der Salbit Südgrat

Mit einem "Bling" kündigt unser Auto das Erreichen der 4 °C Grenze an, als wir um halb sechs durch Göschenen Richtung Göschener Alp fahren. Kurz darauf parkieren wir unser Auto beim Parkplatz Ulmi und marschieren fröstelnd los. Die mondlose Nacht beschert uns einen eindrücklichen Sternenhimmel -  Stirnlampen sind heute unabkömmlich. Auf dem bequemen Hüttenweg kommen wir gut voran und erreichen um 7:00 Uhr die Salbithütte. Unterdessen ist es hell geworden, mit der zunehmenden Höhe aber auch noch kälter. Nach eine Schluck Wasser gehen wir weiter auf dem gefroren Weg durch die schöne Spätherbstlandschaft zum Einstieg der Takala, den wir kurz vor acht Uhr erreichen. Nun hat es die Sonne zwar über den Horizont geschafft, ist aber noch hinter einer dünnen Wolkenschicht versteckt und schafft es nicht, uns zu wärmen.

Salbit Südgrat, Tagestour
Eine leichte Seillänge führt auf den "Zahn", dahinter sieht man den weiteren Weg über den Südgrat

Mit Daunenjacke und Handschuhen klettern wir los. Auf den ersten zwei Seillängen - nur mit 4c gradiert - tu' ich mich schwer. Die Finger sind so steif, dass ich keine Griffe halten kann, und die Füsse vor Kälte taub, so dass mir jegliches Vertrauen in die Fusstritte fehlt. Dann kommt die Sonne und es wird schlagartig besser. Ausserdem ist die Kletterei wirklich sehr schön. Bei der vierten Seillänge ist das Klettergefühl wieder zurück, ich geniesse den Fels, alles geht locker und fühlt sich leicht an. Ich kann auch die angegebene A0-Stelle nicht finden. Danach geht es auf Wegspuren über ein Band zum eigentlichen Beginn des Südgrates. Nach einer anfänglich etwas abgegriffenen Seillänge folgt dann die meiner Meinung nach schönste Länge der Route. In Piaz- und Verschneidungskletterei geht es für den Grad recht steil hinauf. Ich bin so begeistert, dass ich beinahe an den Bohrhaken vorbei klettere - fantastisch! Es schliesst sich noch eine 5a Seilllänge an, dann gelangt man über eine leichte Traverse mit steilem Aufschwung auf den Zahn.

Salbit Südgrat, Tagestour, Schlüsselseillänge
Die Schlüsselseillänge ist tatsächlich nicht ganz geschenkt.

Nach Abseilen in die Scharte folgt eine Seillänge im dritten Grad mit einer recht spektakulären Hangeltraverse. Die nächste Seillänge fällt wieder mir zu, ebenfalls ein Leckerbissen mit Piazkletterei an guten Schuppen und eine Zug um die Kante, wo ich fast mit dem Rucksack stecken bleibe... Hier lege ich auch einen Cam. Im Allgemeinen ist die Route aber sehr gut abgesichert und wir legen nur wenig zusätzliches Material, obwohl es an vielen Stellen möglich wäre. In dieser Seillänge überholen uns zwei Jungs, die alles simultan, also ohne Standplatz klettern - unglaublich, wie schnell sie sind - Respekt! Es folgen zwei schöne, leichte Seillängen, dann kommt die schwierigste Länge. Eine glatte Kante und ein Riss ohne gute Griffe und Tritte - die 5c+ ist tatsächlich nicht geschenkt.

Salbit Südgrat, Tagestour
Eine lange Seillänge führt hinauf auf den Zwilingsturm

Nach drei weiteren Längen stehen wir auf dem Plattenturm. Wind und Wolken bringen uns dazu, wieder die Daunenjacken anzuziehen, aber da es erst 13:00 ist und wir schnell vorwärts kommen, wollen wir trotzen bis zum Gipfel weiter klettern. Nach einer Verpflegungsrast seilen wir in die Scharte ab und klettern in einer langen Seillänge auf den Zwillingsturm. Wir sind gerade dabei, erneut abzuseilen, um danach die letzten drei Seillänge zum Gipfel in Angriff zu nehmem, da kommt von der Seilschaft auf dem Gipfel die Warnung, dass der Abstieg vom Gipfel voll Schnee sei. Da man vom Gipfel nicht abseilen kann, entschliessen sie sich über den Ostgrat abzuklettern. Der ist zwar leicht, aber zieht sich doch sehr in die Länge, so beschliessen wir etwas wehmütig, auf den Gipfel zu verzichten, und hier abzuseilen, wo es noch möglich ist.

Salbit Südgrat, Tagestour
Der Hochnebel liegt heute wirklich hoch...

Das siebenmalige Abseilen im Schatten und bei kaltem Wind dauert etwas, verläuft aber ohne Verhauer oder granittypischen Seilverklemmer - die Abseilpiste ist wirklich gut eingerichtet. Kurz nach drei Uhr sind wir unten, wo wir an der Sonne Brot und Salami essen. Unterdessen ist der Hochnebel angestiegen und verschluckt ab- und zu sogar die Salbithütte - dies macht aber die Stimmung nur noch schöner. Auf der Hütte gönnen wir uns eine längere Pause mit Bier und Suppe. Nach dem Abstieg ins Tal essen wir im weissen Rössli in Göschenen Znacht und fahren dann wieder nach Baden.

Der Salbit Südgrat ist zurecht sehr beliebt. Wohl selten findet man in dem tiefen Schwierigkeitsgrad so fantastische und spektakuläre Kletterei an guten Schuppen mit viel Reibung in durchwegs stabilen Fels. Die Route ist ausserdem gut abgesichert und dadurch auch leicht zu finden. Im Spätherbst ist das Gebiet auch nicht überlaufen. Wir waren zwei Seilschaften am Südgrat, am Ostgrat und am Westgrat waren je eine Seilschaft unterwegs.

Charakter:

 

 

 

 

 

Zurecht ein Klassiker und deshalb im Sommer oft überlaufen. Im Spätherbst, insbesondere wenn man ihn als Tagestour unternimmt, ist man eher allein. Die Kletterei ist spektakulär und sehr abwechslungsreich. Wegen der Länge und den vielen Traversen sollten Vorsteiger und Nachsteiger 5a locker klettern, um die Tour geniessen zu können.

Ausrüstung:

 

 

 

Die Route ist gut abgesichert, die schwierigen Stellen sogar sehr gut. Es empfiehlt sich aber, für die leichteren Passagen ein paar Cams (0.3-2) und Schlingen dabeizuhaben. An vielen Orten lässt sich zusätzlichen Material leicht platzieren.

Ausgangspunkt:

Salbithütte oder Parkplatz Ilmi im Göschenertal

Führer: Pläsir Ost oder Salbit erleben