Schlossberg - Rittergold (7b)

                                                                                                                      30/07/16

Klettern Schlossberg, Rittergold, Hinterschloss, Hinter Schloss, Spannorthütte, Engelberg
Der Schlossberg - die Route befindet sich im linken Wandteil. Rechts das Spannort.

Schon seit längerem hatten wir geplant, für ein paar Tage in der schönen Spannorthütte zu logieren und von dort aus Mehrseillängen am Schlossberg zu klettern. Da die Wand bis nach dem Mittag im Schatten liegt, bietet sich das heisse, verlängerte 1. August-Wochenende geradezu dafür an. So fahren wir am Samstag um 6:00 in Baden los nach Engelberg, wo wir um 7:15 bei der Talstation der Führenalpbahn losmarschieren (hier könnte man gebührenpflichtig noch etwas weiter fahren und etwa 20 Minuten Zustieg einsparen). Bequem und nur leicht ansteigend geht es auf einem Kiessträsschen Richtung Surenenpass. An einem heissen Tag wie heute sind wir froh, dass der gesamte Weg im Schatten liegt. Nach etwa 40 Minuten erreichen wir die Alp Stäfeli. Hier zweigt der Weg zu Spannorthütte ab und schlängelt sich steil aber angenehm und erstaunlich kompakt den Hang hoch. Kurz vor der Hütte führt der Weg dann durch ein Bachbett und über eine mit Eisenbügel versehen Felsstufe. So erreichen trotz gemütlichem Tempo um 9:15 die Hütte. Wir laden Ersatzkleider und Proviant für die nächsten Tage ab und steigen über Wegspuren, Geröll und Grasbänder hinauf zur Wand, wo wir den Einstieg der Route schnell finden. Hier ist es mit leichtem Wind doch recht frisch und wir ziehen ein Schicht mehr an.

Klettern Schlossberg, Rittergold, Hinterschloss, Hinter Schloss, Spannorthütte, Engelberg
Die zweite Seillänge (6b+) - noch ist es schattig und frisch

Ich beginne mit der ersten Seillänge (5b). Nebst Gehgelände bietet sie ein paar überraschend schöne Kletterstellen. Allerdings muss jeder Griff und Tritt dreimal auf Festigkeit geprüft werden, denn das Gestein ist ziemlich brüchig und wegen der Hakenabständen muss jeder Zug sitzen. Zwischen den brüchigen Stellen finde ich aber auch einen perfekten Riss für eine Camplatzierung. Nun übernimmt Matthias den Vorstieg (6b+). Leicht nach rechts traversierend weist die Länge abwechslungsreiche Kletterei auf, die vor allem Rumpfstabilität verlangt - mal feingriffig, dann wieder eher athletisch an Piazschuppen. Die dritte Seillänge (6c+) gefällt mir dann super. In kompaktem Kalk führt sie ziemlich geradlinig nach oben, wobei technisch spannend mal kleine Schüppchen, mal Kanten und Seitengriffe gehalten werden müssen. Die vierte Seillänge (7a+) beginnt leicht, mit den Füssen vorsichtig auf viel losen Gestein tretend. Dann aber folgt fantastische feingriffige Kletterei - für den Grad nicht allzu schwierig, aber super schön. Unterdessen ist die Sonne gekommen und die Temperaturen sind perfekt. 

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In der schönen vierten Seillänge (7a+)

Die fünfte Seillänge (7b) empfinde ich als die schwerste. Nach einer feingriffigen Verschneidung folgt schon bald die (gut abgesicherte) Crux: ein weiter Zug nach rechts an eine stumpfe Kante, gefolgt von ein paar kraftvollen Zügen (hier sind wohl einige froh um den fixen Keil...). Dann wird es leichter, bleibt aber schön. Auch das kleine Dächlein ist dank guten Griffen und der Möglichkeit, die Beine zu verspreizen leichter als es erst scheint. Danach folgt aber ein ziemlicher Runout über eine gar nicht so leichte Platte mit etwas versteckten Griffen. Die sechste Seillänge (7b) traversiert stark nach links, ist etwas leichter und ziemlich homogen von der Schwierigkeit. Hier merkt man aber, das die Route eher selten geklettert wird, denn die feinen Spitzen der Tropflöcher brechen oft unter den Füssen und Händen ab (so kenne ich das von den Wenden oder der Roten Fluh nicht). Halten tuts meist trotzdem. Nun folgt eine ziemlich brüchige Seillänge (7a). Danach folgen wir fälschlicherweise der Route Espio und klettern auf deren letzte Seillänge zum "Gipfel" - eine schöne, für den Grad recht harte Kletterei in total kompaktem Fels.

Klettern Schlossberg, Rittergold, Hinterschloss, Hinter Schloss, Spannorthütte, Engelberg
Gewitterstimmung auf der Spannorthütte

Obwohl die Wetterprognose Gewitter erst am späteren Abend vorausgesagt hatte, sind jetzt, kurz nach 3 Uhr schon ziemlich schwarze Wolken am Himmel aufgezogen. So machen wir uns gleich ans Abseilen, während die Front über den Titlis schwappt. Nach dreimal Abseilen erreicht uns dann der Regen - gleichzeitig passiert es: das Seil knotet sich beim Abziehen um den Ring! Und wir hatten uns schon bei Bier gesehen - stattdessen sitzen wir im Gewitter in der Wand. Da über uns noch eine Seilschaft auf der selben Route ist, können wir immerhin auf Hilfe von oben zählen. Weil wir aber keine Lust haben zu warten und uns das Gewitter nur gestreift hat, klettert Matthias am anderen Seil gesichert nochmals hoch um das Seil zu lösen. Der Rest verläuft  reibungslos und wir erreichen um 16:15 die Hütte, wo wir uns Bier und Kuchen gönnen.

Nach dem feinen Nachtessen in guter Gesellschaft auf der schönen uns super geführten Hütte folgt eine ruhige Nacht mit ungewohntem Ausschlafen bis 7:00. Leider sagen die Wetterprognosen wenig stabiles Wetter voraus, so entscheiden wir uns nach reichlichen Frühstück abzusteigen und verbringen den Rest des Tages im Klettergarten Schlängen bei Engelberg. Fazit: Sowohl der Fels am Schlossberg sowie die Spannorthütte ist ein Besuch wert - wir kommen wieder!

Charakter:

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine sehr schöne Route mehrheitlich in scharfen Tropflochkalk, die eher technisch als physisch fordert - die Schwierigkeitsbewertung empfanden wir als gutmütig. Die Absicherung ist gut, es muss aber in jeder Seillänge zusätzliches Material gelegt werden (was auch immer gut möglich ist). Ausser der ersten und siebten Seillänge ist der Fels recht solid, es gibt aber überall brüchige Passagen und lose Steine - Vorsicht ist geboten, gerade wenn mehrere Seilschaften unterwegs sind (was wohl eher selten vorkommt).

Wegen der Höhe und der Exposition eher für warme Sommertage geeignet.

Führer:

Extrem Ost von Filidor, SAC Führer Zentralschweizer Alpen Ost

Material:

1 Set Keile, ein Set Cams bis BD C4 Nr 1