Teufelstalwand - Wilde 13 (7b)

                                                                                                           09/07/16

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Der Zustieg erfordert dreimaliges Abseilen - ein Rückzug ist deshalb nicht möglich

Ein Samstag mit stabilem Wetter ist vorhergesagt - perfekt für eine Mehrseillänge bei der man zwingend zu Ende klettern muss. Da wir vor unseren Ferien in Chamonix noch etwas Granit unter den Händen und Füssen spüren wollen und uns die Route "Alpentraum" an der gleichen Wand sehr gut gefallen hat, entscheiden wir uns für die Wilde 13 an der Teufelstalwand. Wegen Ferienbeginn und daraus folgendem Gotthardstau fahren wir über die alte Gotthardstrasse, was etwas länger dauert, aber in 1 h 45 von Baden erreichen wir den Parkplatz bei Rätschen oberhalb Andermatt. Dort machen sich bereits zwei andere Seilschaften auf den Weg und wir gehen zügig los - so haben wir auch keine Zeit, auf den Schildern am Wegrand zu lesen, welche Pflanzen da wachsen.  Die schönen Bergsommerwiesen saugen wir aber trotzdem in uns auf. Wir kommen an einer weiteren Seilschaft vorbei und auch bei der Abseilstelle ist schon ein Team. So hoffen wir, dass die meisten Kletterer in die sehr beliebte und gut abgesicherte Route "Zeichen der Freundschaft" einsteigen werden, was sich dann auch erfüllt. Während es auf dieser Route an schönen Wochenenden oft Stau gibt, sind wir den ganzen Tag allein in der "Wilden 13".

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In der schönen 2. Seillänge (7a+)

Nach Überquerung des Baches (geht bei mir wiedermal nicht ohne nassen Füsse - aber was macht das schon bei dieser Wärme) kraxeln wir etwas abenteuerlich mit Hilfe eines Fixseiles (hoffentlich hält es!) ziemlich steil über Gras und Felsen zum Einstieg. Die erste Seillänge (6b+) beginnt mit schöner Piaz- und Verschneiungskletterei endet  dann aber sehr botanisch und geht in (unübertrieben!) überhängende Grasbüschel- und Wachholderkletterei über. Wir tun uns hier etwas schwer mit der Umgewöhnung auf Granit, die Seillänge finde ich aber auch im Nachhinein im Vergleich mit den später folgenden relativ hart für den Grad. Sie ist aber super abgesichert, selber legen muss man hier noch nichts. Nun folgt eine sehr schöne, ebenfalls super abgesicherte 7a+ Seillänge, die ich eher soft fand. Hier ist vor allem gutes Stehen und Verspreizen gefragt, man findet aber auch im Fingerriss immermal wieder gute Griffe - die Crux liegt in der Rechtstraverse am Ende der Seillänge.

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Der perfekte Handjam-Riss in der 5. Seillänge (6c) ist selbst abzusichern

Die nächste Seillänge (6b) sieht von unten nicht besonders imposant aus, wartet aber mit technisch lässigen Zügen ohne besondere Schwierigkeiten auf. Hier stecken weniger Bohrhaken, es muss/darf selber gelegt werden. Die  kompakten Stellen sind aber gut gesichert. Die vierte Seillänge (6b+) beginnt mit einem bohrhakengesicherten, relativ steilen Piazriss gefolgt von etwas leichterer, selber abzusichernden Kletterei an guten Schuppen. In der fünften Seillänge (6c) muss man zum ersten Mal richtig Rissklettern. Der perfekte Handjamriss ist selbst abzusichern, was aber super geht. In der zweiten, kompakteren Hälfte der Seillänge stecken dann Bohrhaken, hier warten ein paar technisch sehr coole Züge auf die Kletterer. Die letzten Züge zum Stand sind für kleine Leute recht hart. Eine super Länge! Nun folgt die Cruxlänge (7b), die aber super absichert ist. Der Anfang ist physisch hart an seichten Fingerrissen und Seitengriffen mit spärlichen Fusstritten. Oben wird's dann etwas weniger anstrengend, aber technisch spannend und fordernd.

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Im Dach der 8. Seillänge (6c) kann sehr gut ein BD 2er Cam versenkt werden

Die nächste Seillänge (6a) ist schön, allerdings sehr kurz - mehr als einen Cam und evtl. zum Spass eine Sanduhrschlinge kann  man hier wegen der Kürze nicht legen. Nun geht es weiter über ein  kleines Dach (6c) - dank Verspannen mit den Füsse an der Gegenwand lässt sich diese Stelle gut lösen. Der Rest der Seillänge ist leichter, an zwei plattigen Stellen stecken Bohrhaken. Nun folgt noch die letzte Seillänge, die spannender und fordernder ist, als es im ersten Moment den Anschein macht. Die plattigen Stellen sind sehr gut mit Bohrhaken absichert. Beim Fingerrisspiaz lege ich aber gerne 2 Cams, und muss auch auf diese vertrauen, da ich den (für kleine Personen etwas hohen Bohrhaken) aus der Piazstellung gar nicht klippen kann  - auch gut, das wiedermal zu üben :-) Oben am Ausstieg packen wir zusammen, plaudern etwas mit Seilschaften aus der benachbarten "Zeichen der Freundschaft" und machen uns dann auf den Abstieg, der allerdings erst einmal mit einem Aufstieg - zum Teil an Fixseilen - beginnt. Am höchsten Punkt geniessen wir Brot, Salami in der Sonne und steigen und wandern hinunter zum Parkplatz. Leider hat das Restaurant Nätschen geschlossen, somit müssen wir auf den eingeplanten Kuchen verzichten - dafür freuen wir uns umso mehr auf die Wasserbüffelwürste, die zu Hause darauf warten, auf den Grill gelegt zu werden.

 

Charakter:

 

 

 

 

 

 

 

 

Schöne, abwechslungsreiche Granitkletterei  meist in Verschneidungen und an Piazrissen/-Schuppen, einmal kurz ein Handriss. Die Kletterei ist im Vergleich zur "Alpentraum" eher technisch und nicht allzu anstrengend. Im Gegensatz zu den anderen Routen an dieser Wand muss hier stellenweise wirklich selber abgesichert werden, allerdings ist das recht entspannt. Alle kompakten oder sonst etwas schwierigeren Stellen sind klettergartenmässig abgesichert, und die 7a+ und 7b Seillänge sind komplett gebohrt. Die angegebenen 6c obligatorisch passen gut, die Bewertung empfand ich als nicht besonders hart im Vergleich zu anderen Granitgebieten.

Material:

 

12 Expressen, ein komplettes Set Cams bis BD C4 Nr 2, Keile können gelegt werden, braucht es aber nicht zusätzlich zu den Cams.

 Führer: Extrem Ost