Mont Collon (3636 m) – SE-Sporn (Voie du Soleil Levant)

Mit Holmger                                                                                                                                                04/08/19

Mont Collon, SE-Sporn, Südostsporn, Eperon sudest, Arolla, Refuge des Bouquetins
Prominenter Wächter des Tal: Der Mont Collon. Die Felskuppe in der Mitte des Gletscherplateaus ist die Spitze des Südostsporns und gleichzeitig der Hauptgipfel.

Gewitterfreies Wetter an einem Sonntag ruft nach einer langen einsamen Bergtour, und eine solche finden wir beim Blättern im "Best of Keep!wildclimbs" im SE-Sporn auf den Mont Collon, genauer gesagt in der "Voie du Soleil Levant". Bereits im Vorjahr bei unserer Tour auf L' Eveque haben wir einen Blick auf die wilde Südseite des Mont Collon geworfen (ohne zu wissen, dass es dort Routen rauf gibt), und auch das Refuge des Bouquetins ist uns in guter Erinnerung. Bei strahlendem Sonnenschein aber angenehmen Temperaturen gehen wir kurz nach 12 in Arolla los und geniessen den schönen Zustieg und den Tag in den Bergen.

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Schöner Zustieg zum Refuge des Bouquetins
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Vom Refuge des Bouquetins lässt sich der Einstieg zum Pfeiler gut studieren. (Foto: Holmger Ullrich)

Kurz vor vier kommen wir beim Refuge an, kochen erst Suppe und später Rösti und prägen uns den Einstieg zum Pfeiler ein. Zwei Tourengänger die ebenfalls auf dem Refuge übernachten, kommen gerade von dieser Tour zurück und können uns weitere Infos geben. Zu sechst kommen wir auf dem Biwak gut aneinander vorbei und legen uns früh zu Bett. Kurz vor elf poltern allerdings zwei weitere Tourengängern ins Biwak und leuchten uns beim Kochen und Essen stets mit ihren Lampen ins Gesicht. Somit wird die Nacht  für mich schlaftechnisch eher bescheiden...

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In der ersten schwierigen Seillänge (5a)

Nach einem kaffeelosen Frühstück (es gibt hier keine Thermoskannen um Wasser warm zu halten) machen wir uns kurz vor 5 auf den Weg hinunter zum Gletscher, weiter zur Moräne und über diese und glatte Steinplatten zur Geröllhalde, die uns direkt zum richtigen Pfeiler führt. Über ein kleines Firnfeld und eine geröllige Rampe kommen wir dann zum Einstieg der eigentlichen Kletterei. Kurz vor sieben klettern wir am verkürzten gestreckten Seil los. Die Routenführung ist nicht ganz offensichtlich, es sind mehrere Varianten möglich, aber wir finden leicht zum Beginn der ersten schwierigeren Seillänge (5a). Anhand von ein paar Bohrhaken, die  hier im Zuge einer Rettungsaktion gesetzt wurden, erkennen wir, dass wir richtig sind. Ansonsten gibt es auf der Route ausser ein paar wenigen Schlaghaken kein fixes Sicherungsmaterial.

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Die Sonne erreicht den Pfeiler früh (nomen es omen!). Auch das Refuge des Bouquetins (roter Kreis) bekommt Morgensonne.

Die Seillänge ist lang und abwechslungsreich und gut mit Bergschuhen zu klettern. Anschliessend wird die Kletterei wieder leichter, in einem Mix aus Standplatzsicherung und simultanem Klettern steigen wir weiter, wobei wir es gemütlich nehmen, dann das Wetter ist schön, warm und stabil und wir haben keine Eile. Die Wegfindung ist allerdings nicht immer einfach. Die Route wird eher selten begannen und es fehlen die typischen "Benutzungsspuren". Wir haben verschiedene Routenbeschriebe dabei, die sich teilweise widersprechen, was das Ganze auch nicht leichter macht. Vor einer Stelle, die uns deutlich schwerer vorkommt als die angebenen IV und mit zwei Schlaghaken versehen ist, die laut Topo nicht da sein sollen, klettern wir mehrmals hin- und her, denn wir wollen nicht in einer Sackgasse landen. Schliesslich umgehen wir den Turm rechts in relativ einfacher Kletterei und kommen so zu einer karakteristischen Platte - die unverkennbare Schlüsselseillänge der Route. Back on track!

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Die plattige Schlüsselseillänge hat es - mit Bergschuhen geklettert - ziemlich in sich.

Die Stelle - nur mit 4c bewertet - hat es mit Bergschuhen geklettert ganz schön in sich, insbesondere der Einstieg. Nach 5 Metern kann man einen Schlaghaken klippen, ein weiterer folgt gegen Ende der 50 m langen Seillänge. Vernünftige Zwischensicherungen anbringen kann man in der Platte kaum und ich bin froh, dass Holmger vorsteigt. Für den Routenverlauf dieser Länge inklusive gut versteckter Schlaghaken hat uns das entsprechende Bild von Camp-to-Camp sehr geholfen.

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In der Gipfelbastion wird die Kletterei steiler, aber nicht schwieriger. (Foto: Holmger Ullrich)

Von hier an bietet uns die Routenwahl keine Schwierigkeiten mehr und die Kletterei übersteigt auch nie mehr den vierten Grad. Allerdings muss man - wie schon auf der ganzen Route - die Griffe und Tritte stets genau prüfen. Es gibt zwar durchaus einige kompakte Passagen, aber vielerorts ist der Fels auch sehr brüchig und wenig abgeklettert. Kurz vor 15:00 Uhr erreichen wir den Gipfel. Das hätte man sicher einiges schneller machen können, aber darum gings heute nicht.

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Tiefblick in der steilen Gipfelbastion
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"Je höher man steigt, desto weiter der Blick".

Über den Abstieg über den Normalweg (Westgrat) haben wir nichts Gutes gehört und gelesen, und mit der entsprechenden "Vorfreude" machen wir uns nach ausgiebiger Mittagsrast auf den Weg, wobei wir uns für den Gletscher auf dem Gipfelplateau anseilen, da sich hier under dem Schnee ordentliche Spalten abzeichnen. 

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Blick zurück zum Gipfel und ein paar Viertausendern (ich zähle sieben). Auf dem Gletscherplateau verbergen sich heimtückische Spalten.
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Blick von der Cabane des Vignettes zurück zum Abstieg über den Westgrat

Viermaliges Abseilen an Bohrhaken-ständen und zwei weitere Abseilmanöver an Schlingenständen ersparen uns einige Höhenmeter abklettern im brüchigen Zweiergelände - danach müssen wir halt in den saueren Apfel beissen. Nach einer weiteren Abseilfahrt am Schluss des Westgrates stehen wir kurz vor sechs auf dem Glacier du Mont Collon. Einige Spalten umgehend traversieren wir den Gletscher und machen uns an die Gegensteigung zum Col des Vignettes. Auch wenn es schon 19:00 ist lassen wir uns eine ausgiebige Getränkepause auf der Cabane des Vignettes nicht nehmen. Leicht beschwippst vom halben Liter Bier fällt mir dann die restliche Wanderung nach Arolla auch erstaunlich leicht....

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Beschwi...ngt auf dem Abstieg nach Arolla. (Foto: Holmger Ullrich)

Gipfel: Mont Collon
Route: SE-Sporn/Voie du Soleil Levant
Ausgangspunkt: Refuge des Bouquetins
Höhe: 3636 m
Schwierigkeit: SS, 5a

Material:

50 m Seil, kleines Set Keile und Cams bis 2, viele Schlingen, Gletscherausrüstung

Karte/Führer:

 

 

Best of Keep!wildclimbs (Silbernagel/Blum), SAC und Camp-to-Camp beschreiben leicht verschiedene Routenverläufe. Am besten, man hat alle Topos dabei und wählt die Variante, die einem am besten scheint.