Corn da Camp (3232 m)

Mit Armin

Corn da Camp, SE-Grat, Südostgrat, Saoseo, Gratkletterei
Unser Tagesziel: Das Corn da Camp mit dem langen Südostgrat

Aufgrund kurzfristiger Planänderung ist eine Eintagestour vom Engadin aus gefragt - ein Gebiet in dem wir schon vieles kennen. Die Wahl fällt auf das Corn da Camp südlich des Berninapasses. Da die erste Busverbindung zur Saoseohütte erst um 9 fährt, beschliessen wir, von Sfazu zu Fuss zu gehen. Zügig marschieren wir im prächtigsten Spätsommerwetter das Kiessträsschen hinauf, am Rifugio vorbei zur Alp Camp. Hier geht es über einen steilen, mit Kuhtrampelpfaden durchzogenen Grashang hinauf - erst in lichtem Wald, dann über der Baumgrenze. Es ist warm und wir sind froh, dass die Sonne noch nicht in das enge Tal scheint.

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Luftige Kletterei am SE-Grat des Corn da Camp

Der Hang wird steiler und mehr und mehr mit Felsen durchsetzt. Bei der Holzstange auf ca. 2700 m seilen wir an. Mal auf dem Grat, mal in der Flanke gehen wir meist simultan am halblangen Seil. Nach etwa 2 Stunden wird der Grat messerscharf. Wir geniessen die leichte aber spannende Kletterei entlang der Gratkante in bestem Granit. Anschliessend müssen wir ca. 5 Meter in eine Scharte abklettern (3a), dann geht es wieder aufwärts. Hier ist die Wegfindung nicht ganz einfach. Wir bleiben erst in der schuttigen Flanke, kommen dann kurz auf den Grat und klettern schliesslich in gutem Fels die Flanke empor, bis wir nach ca. 40 Höhenmetern unter dem Ostgipfel den Grat erreichen. Vom Ostgipfel  gelangen wir in 20 Minuten zum Hauptgipfel.

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Genusskletterei im Mittelteil des SE-Grates

Nach einem Mittagsrast hätte nun ein leichter Abstieg über den Nordostgrat folgen sollen. Wir steigen zurück zum Ostgipfel und klettern den mit WS gradierten Nordstgrat ab. Nach ein paar Meter wird das Gelände schwierig. Wir finden zum Abseilen zurückgelassene Schlingen und sichern uns daran für den weiteren Abstieg. Es geht schwierig weiter, zu schwierig für ein WS. Immer wieder finden wir altes Material, woran wir uns sichern können und lassen selbst Material zurück. Aber wie weiter? Der Grat wird wird extrem brüchig, ist eigentlich nur noch eine Schutthalde. Wir traversieren in die Flanke, wo wir oberhalb eines Überhanges einen Schlaghaken ausmachen können.

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Blick vom Gipfel auf die Alp Camp

Unter uns befindet sich ein Firnfeld, von dort aus könnte man auf den Gletscher gelangen. Aber wenn wir hier über den Überhang abseilen, gibt es kein Zurück mehr. Wir entschliessen uns dazu und finden glücklicherweise immer wieder Blöcke, die knapp schwer genug sind um sie  zum Abseilen nutzen zu können. Nach heiklem Queren der brüchigen Schuttflanke und erneutem Abseilen an unserem letzten Material stehen wir endlich auf dem Gletscher - welche Erleichterung! Nun geht es angenehm über den griffigen Gletscher, dann über Felsplatten und schliesslich auf dem Wanderweg zur Saoseohütte. Während wir beim Aufstieg die Richtzeit des Führers locker unterbieten konnten, hat der Abstieg viel mehr Zeit beansprucht. So verpassen wir das letzte Postauto auch deutlich. Glücklicherweise nimmt uns ein Bauer aus Posciavo mit nach Sfazu - nochmals vielen Dank! Vorher hören wir beim Bier auf der Saoseohütte vom Hüttenwart noch, dass der Abstieg über den Nordostgrat vor paar Jahren wegen Felsausbruch einige Tote gefordert hat und seither nicht mehr empfohlen wird, der aktuell gebräuchlichste Abstieg sei durch die Südflanke (ZS, 2). Wiedereinmal haben wir also eindrücklich demonstriert bekommen, wie sich Verhältnisse  wegen Gletscherschwundes innerhalb weniger Jahre drastisch verändern können - ebenso wie die Tatsache, dass die Tour erst unten zu Ende ist. So freuen wir uns darüber, dass die Tour ein gutes Ende genommen hat und behalten sie dank dem wunderschönen Aufstieg in guter Erinnerung.

Gipfel:            Corn da Camp
Route: SE-Grat
Ausgangspunkt:  Sfazu/Rifgio Saoseo
Höhe: 3232 m
Schwierigkeit: ZS-, 3a, 40°
Karte/Führer: La Rösa 1278/Hochtouren Topoführer Bünder Alpen