Lenzspitze (4294 m) - Nadelhorn (4327 m) Traverse

Mit Armin                                                                                                       16/07/16

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Zustieg zur Domhütte

Nach zwei wichtigen Meetings steige ich um 11:00 Uhr direkt nach der Arbeit in Zürich in den Zug nach Visp, in dem auch schon mein Vater Armin sitzt. Bequem reisen wir nach Randa und machen uns um 14:00 auf auf den Weg zur Domhütte. Die Temperaturen sind sehr angenehm, der Hüttenweg schön und abwechslungsreich und die Zeitangabe von 4 h 30 äusserst gutmütig. Gemütlich kommen wir nach 3 h 15 zur Hütte. Hier sind einige Domaspiranten oder -besteiger so vom eigenen Tun absorbiert, dass sie es nicht mehr schaffen, sich an ein paar einfache Hüttenregeln zu halten, aber wir haben Glück und sitzen beim Abendessen mit interessanten Menschen am Tisch und tauschen uns über erlebte und geplante Touren aus. Auch das Essen ist super: Suppe mit Pasta, Salatteller mit Blätterteigdekoration, Spätzli mit Fleischsauce und zum Dessert Mérengues mit Rahm. Da die Hütte überbelegt ist müssen wir mit zwei sehr schmalen Notbetten vorlieb nehmen, was bei meiner Körpergrösse von 156 kein grosses Problem ist - und die Nacht ist ja eh kurz.

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Im Festijoch - Blick auf das Weisshorn im Morgenlicht

Um 3:30 wird geweckt. Die befürchtete Hektik bei Morgenessen bleibt aus, es kommen aber natürlich trotzdem schon einige Bergsteiger mit Klettergurt inklusive daran baumelnden Eisschrauben und anderem (meist noch ungebrauchtem) Material zum Frühstück. Um 3:20 starten wir, über einen felsigen aber recht angenehmen Weg geht es erst aufwärts, dann steil hinunter zum Gletscher, wo wir anseilen. Nun steigen wir mal flacher, mal steiler auf angenehmem Firn auf, während es heller wird. Die vielen Seilschaften verteilen sich gut, so kommen wir auch an der Kletterstelle zum Festijocht nicht wie befürchtet in den Stau sondern holen die Seilschaftenkurz vor den Joch ein. Beim Abstieg müssen wir ein paar Minuten warten, den eine blanke Steilstufe fordert etwas Aufmerksamkeit. Danach folgen wir der Spur des Normalwegs zum Dom. Es geht ein starker Wind bei tiefen Temperaturen, und da wir relativ langsam gehen, friere ich trotz sechs Schichten inklusive Daunenjacke sehr. Vor dem Lenzjoch zweigen wir dann ab und ich bin direkt froh, etwas Spurarbeit leisten zu müssen. 

Lenzspitze, Dom, Lenzjoch
Im Aufstieg zum Lenzjoch, im Hintergrund der Dom

Der Bergschrund ist problemlos zu überwinden und im steilen Firnhang liegt zuerst perfekter Trittfirn. Dann treffen wir aber doch auf blanke Stellen und ich setze zwei Eisschrauben. Um halb neun erreichen wir das Lenzjoch, hier kommen wir in die Sonne und der Wind ist deutlich weniger stark. Endlich wird mir wieder warm. Während unzählige Seilschaften Richtung Dom aufsteigen, sind wir heute die einzigen, die über den Südgrat zur Lenzspitze wollen. Auf dem Grat herrschen winterliche Verhältnisse, was zum Teil ganz angenehm ist, so kann man die Türme auf Schnee statt in brüchigem Fels umgehen. Gegen Ende allerdings erschweren Eis und Schnee auf den Felsen die Kletterei zum Gipfel. Hier bin ich froh, ein paar Cams und Schlingen dabei zu haben - für den Verbindungsgrat zum Nadelhorn brauche ich sie dann nicht mehr. Im Allgemeinen ist der Grat auf die Lenzspitze sonst nie schwierig, es gibt aber auch kaum Gehgelände, weshalb der Aufstieg recht zeitintensiv ist. 

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Auf dem Gipfel der Lenzspitze

Um halb eins erreichen wir den exponierten Gipfel der Lenzspitze mit der eindrücklichen Nordwand. Von hier hat man eine fantastische Aussicht, insbesondere auf Dom und Weisshorn, aber auch ins Berner Oberland. Nun machen wir uns auf den Weiterweg zum Nadelhorn. Im Abstieg zum Nadeljoch liegt noch viel Schnee, was dank guten Spuren Zeit spart. So können wir anstatt abseilen oder abklettern einfach von den kleinen Grattürmen hinuntersteigen. Im Aufstieg zur Lenzspitze sind die Kletterstellen alle schneefrei. Hier ist der Fels im Gegensatz zum Südgrat auf die Lenzspitze einfach perfekt: schöner griffiger Gneis mit gutem Halt für die Steigeisen. Bei zwei Türmen lassen wir uns im Abstieg gegenseitig runter, den Rest des Grates klettern wir alles am gestreckten Seil. Bei Bedingungen wie heute ist der Anstieg auf die Lenzspitze über den Südgrat definitiv anspruchsvoller als der Verbindungsgrat zum Nadelhorn.

Lenzspitze, Nadelhorn, Traverse, Nadelgrat
Auf dem grossen Turm kurz vor dem Gipfel - Blick zurück zur Lenzspitze

Kurz vor vier erreichen wir den Gipfel des Nadelhorns. Hier sind wir schon nach der Nadelgrat- Überschreitung ziemlich müde gesessen! Nach ein paar Schluck Cola machen wir uns auf den Abstieg. Auch hier herrschen wieder perfekte Bedingungen mit kompaktem Pulverschnee und einer guten Spur. So kommen wir ins Windjoch und auf den Hohbalmgletscher, wo wir ein paar Schichten ausziehen, den nun ist es richtig warm. 

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Blick zurück auf Lenzsspitze und Nadelhorn

Bequem geht es weiter in Richtung Mischabelhütten. Ein wenig oberhalb der Hütte verstauen wir Steigeisen und Seil und machen uns an den Abstieg nach Saas Fee. Dieser zieht sich dahin, denn ein Grossteil davon geht über felsiges mit Drahtseilen und Eisenbügeln ausgerüstetes Gelände, was ein zügiges Vorankommen verhindert. Die angegebenen 3-4 h Hüttenzustieg scheinen mir recht ambitioniert, wir brauchen (allerdings gemütlich gehend) im Abstieg schon gut 3h. Kurz nach 9 kommen wir endlich im Dorf an. Beim ersten Hotel an dem unser Weg vorbei führt - dem Hotel Jägerhof - fragen wir nach einem Zimmer. Ein Glückstreffer! Wir bekommen nicht nur ein Zimmer, nein, der zuvorkommende Wirt kann uns auch sagen, wo wir noch etwas zu essen bekommen und ruft auch gleich dort (im da Rasso) an um zu sagen, dass noch zwei Gäste kommen. Auch das Essen schmeckt sehr gut, danach fallen wir in tiefen Schlaf.

Gipfel:           Lenzspitze, Nadelhorn
Route: Südgrat und Überschreitung
Ausgangspunkt:  Domhütte
Höhe: 4294 m, 4327 m
Schwierigkeit: ZS, III
Karte/Führer: Hochtouren Topoführer Walliser Alpen