Dent Blanche (4356 m)

Mit Armin                                                                             27/07/2012

 

Aufstieg zur Cabanne de la Dent Blanche
Am Ende des langen Hüttenaufstiegs, im Hintergrund die Dent Blanche

Nach nur einem Ruhetag nach der anstrengenden Nadel-

grat-Tour fühle ich mich noch nicht vollständig erholt, und so gehen wir den langen Aufstieg zur Cabanne de la Dent Blanche sehr gemütlich an. Vom Parkplatz in Ferpecle führt der Weg erst coupiert durch leichte Wälder und über schöne Magerwiesen, dann steigt er steil an. Mit zunehmender Höhe nimmt die Hitze ab. Auf einer steilen Moräne machen wir kurz Mittagsrast und steigen dann über glatte Platten und Felsblöcke weiter auf. Am Schluss warten noch ein Gletscherrücken auf uns, das Eis ist aber so griffig, dass wir auf Steigeisen verzichten können. Die Hütte erblicken wir erst kurz bevor wir dort sind; der grössere Teil der totalen Höhenmeter auf die Dent Blache ist nun geschafft! 

Abendstimmung auf der Dent Blanchehütte, Cabanne de la Dent Blance
Abendstimmung auf der Dent Blanchehütte

Wir richten uns auf der kleinen, aber gemütlichen Hütte ein und geniessen den fantastischen Ausblick mit einen Bier in der Sonne. Später bekommen wir ein ausgezeichnetes Nachtessen serviert (Schweinebraten mit Kartoffelstock), gekocht vom nepalesischen Hüttengehilfen. Das Gespräch am Tisch wird multilingual: schweizerdeutsch mit Armin, norwegisch mit dem norwegischen Ehepaar, das zufällig am selben Tisch sitzt, ein paar Brocken italienisch/französisch mit den italienischen Führern beziehungsweise dem französischen Hüttenteam, und englisch, wenn es alle verstehen sollen...

Dent Blanche
Im Aufstieg zu Dent Blanche

Es folgt eine typische Hüttennacht mit eher wenig Schlaf. Ausnahmsweise schnarcht niemand, ich wundere mich aber, wie oft die Leute in einer kurzen Nacht aufs WC müssen. Um vier gibt es ein gutes Frühstück mit Müsli, Brot und sogar einen kleinen Becher Orangensaft. Es ist aber schwierig, sich nicht von der allgemeinen Hektik anstecken zu lassen. Gleich bei der Hütte geht es los mit leichter Kraxelei in abschüssigen Gelände. Später auf dem Gletscher seilen wir an, montieren die Steigeisen und steigen auf guten Firn Richtung Felsgrat. Nun wieder ohne Eisen geht die Kraxelei immer mehr oder weniger auf dem Grat weiter über Felsblöcke und Schutt, bis wir wider zu einem Firnfeld kommen. Nun geht die Sonne auf und beleuchtet Matterhorn, Dent d'Herens und weitere hohe Berge. Was für ein Ausblick! 

Dent Blanche, Wallis
Sonnenaufgang
Auf dem Gipfel der Dent Blanche
Auf dem Gipfel

Der kalte Wind lässt uns aber schnell weiterziehen. In gemischtem Gelände umgehen wir den grossen Gendarmen. Hier gibt es Eisenstangen als Zwischensicherungen, worum ich froh bin, denn die Kletterei über Eis und teilweise festgefrorenes Geröll ist nicht leicht und kaum selbst abzusichern. Wieder auf dem Grat wird der Fels schöner und fester. Bald folgt die erste richtige Kletterstelle. Weil ich das Seil etwas zu sehr verkürzt habe, reicht es mir nicht ganz zum nächste Bohrhaken, aber ich kann aus anstrengender Position eine Sanduhrschlinge legen. Mit längerem Seil und ohne Steigeisen geht es danach wieder deutlich besser weiter und wir kommen ohne Probleme durch die weiteren Kletterstellen. Der Grat wird leichter und über einen Firngrat kommen wir zum Gipfel, wo wir einen erstaunlich windgeschützten Platz finden. 

Abstieg, Dent Blanche, Wallis
Der Abstieg verlangt nochmals viel Konzentration

Nach einer kurzen Rast mit Tee und Schokolade machen wir uns bald wieder an den Abstieg, den gerade bei diesem Gipfel gilt: die Tour ist zu Ende, wenn man wieder unten ist. Schliesslich sind die Kletterstellen im Abstieg ja nicht gerade leichter als im Aufstieg. Effizient aber ohne zu hasten klettern wir meist parallel, manchmal auch mit Standplatzsicherung über den Grat ab. Das letzte Stück im schuttigen Fels kurz vor dem Gletscher ist viel länger, als ich es vom Aufstieg in Erinnerung habe; schliesslich kommen wir aber über Firn und leichte Felsen zur Hütte. Dort gönnen wir uns eine gute Pause mit Landjägern, Brot und Bier. Gestärkt steigen wir dann nach Ferpecle ab. Zwischendurch donnert und regnets es kurz, dann wird es wieder richtig warm. Müde aber sehr zufrieden erreichen wir das Auto und gönnen unseren schmerzenden Füssen frische Luft.

Vielen Dank an Armin für die schöne Tour und fürs lange "am Steuer sitzen" auf der anschliessenden Fahrt nach Winterthur.

Gipfel:           Dent Blanche
Route: S- oder Wandfluegrat (Normalroute)
Ausgangspunkt: Cabanne de la Dent Blanche
Höhe: 4356 m
Schwierigkeit: ZS, 3a

Karte/Führer:

 

Zermatt Gornergrat/ SAC Führer Walliser Alpen Matterhorn, Dent Blanche, Weisshorn