Weissmies Nordgrat (4017 m)

Mit Philipp                                                                                          22/07/17

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Der morgige Gipfel (ganz rechts) und fast die komplette Route im Blick (Foto Philipp Kohler)

Zum Glück können mein Tourenpartner Philipp und ich am Freitag Mittag von der Arbeit los - das reicht locker, um bequem mit Zug und Bergbahnen zum Bergrestaurant Hohsaas anzureisen. Die angesagten abendlichen Regen- und Schneefälle bleiben nicht aus, und wir sind gespannt, wie stark dies die Verhältnisse auf dem Weissmies Nordgrat erschweren würde. Versuchen wollen wir es aber. Die plattige Schlüsselstelle, die wegen der Nordexposition davon am meisten betroffen sein würde, kommt relativ früh - dort könnte man immer noch umdrehen, falls Eis und Schnee eine Begehung zu schwierig machen würden.

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Auf dem Weg ins Lagginjoch

Um vier Uhr gibt es Frühstück, um viertel vor 5 steigen wir über erst über den Weg, dann über  Geröll sehr direkt zum spalten- losen Hohlaubgletscher auf, wo wir Steigeisen montieren. Über perfekten Trittfirn gelangen wir zum Lagginjoch, während es langsam hell wird.  Der Bergschrund zum Lagginjoch ist problemlos zu überwinden, wir seilen uns aber sicherheitshalber vorher an. Bis auf eine geführte finnisch-/schwedische Seilschaft, die auf dem Weg zum Lagginhorn sind, ist es ruhig am Berg. Später stiegen noch zwei weitere Seilschaften zum Joch auf, von wo sie aber nach einer längeren Pause wieder absteigen.

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Das erste Stück des Nordgrates auf das Weissmies
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Vorerst noch leichte Kletterei - im Hintergrund das Lagginhorn mit seinem Südgrat

Auf dem Grat geht ein zügiger Wind, so ziehen wir ein paar Schichten mehr an und gehen gleich weiter. Bald kommt allerdings die Sonne, der Wind legt sich und für den Rest der Tour herrschen perfekte Temperaturen vor. Der Grat beginnt einfach - Gehpassagen wechseln sich mit problemloser, aber schon recht exponierter Kletterei ab. Der Neuschnee stört hier kaum, man muss einfach vorsichtig prüfen, ob sich darunter nicht eine abschüssige Felsplatte verbirgt. Es ist deshalb auch einfacher, ohne Steigeisen zu klettern. Um eisigen Stelle auszuweichen, halten wir uns wo möglich auf der trockenen Südseite. Über den Hahnenkamm muss dann schon ordentlich geklettert werden, der Fels ist aber gut und weniger glatt als ich es mir vorgestellt hatte. Wir kommen gut voran und geniessen es, hier zu sein.

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Vereiste Felsen erschweren heute die IV-er Stelle am "plattigen Turm".

Dann erreichen wir die Schlüsselstelle beim plattigen Turm, und sie sieht leider genau so aus, wie befürchtet -nämlich mit Schnee und Eis überzogen. Ich möchte aber unbedingt hinauf auf den Berg und starte einen Versuch. Die Risse sind vereist und sich mit den Füssen gegen die Platten zu stemmen geht überhaupt nicht. Mich an einem verklemmten Cam festhaltend arbeite ich mich Schritt für Schritt hoch, auch die Eisenstange benutze ich fleissig und schäme mich keineswegs dafür. Schliesslich ist die Stelle geschafft - das hat Zeit und etwas Nerven gekostet, aber jetzt sind wir zuversichtlich, dass auch der Rest des Grates bei diesen Bedingungen machbar ist. 

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Exponierte Stellen auch im einfacheren Teil des Grates

Nun wird es wieder einfacher, allerdings auch etwas brüchiger. Der Fels wird dann aber nach dem Punkt 3722  wieder super stabil. Wir überklettern alle Türme, abseilen ist nirgends notwendig - wer auf den Turm hochkommt, für den ist auch das Abklettern kein Problem. Es warten aber ein paar knackige Stellen auf uns. Insbesondere eine schwer abzusichernde Platte mit nassen Flechten und ein Offwithriss bleiben mir in Erinnerung. Bei letzterem hätte man vielleicht einen 4er Cam einsetzen können - solche Gerätschaften schleppe ich aber nicht auf Berge. Immerhin kann man hier die Füsse gut verklemmen, was mit den Bergschuhen nicht mal schmerzhaft ist. Trotz (oder gerade wegen) dem Engagement, die die Stellen verlangen, sind diese aber klettertechnisch spannend: Die Platte mit drei Rissen kann man piazen, während ich dann den grossen Felsblock eher unelegant alpin "umrobbe". Auch das Ross ist nicht trivial - hier stecken zum Glück ein paar Bohrhaken, denn mit mobilen Geräten abzusichern ist auf der plattigen Rücken unmöglich.

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Die Schwierigkeiten sind geschafft! Das verbleibende Stück des Grates (nicht alles im Bild) sieht immer noch recht weit aus, ist aber zum Glück wirklich einfach. (Foto Philipp Kohler)
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Bald ist es geschafft!

Nach dem Ross erreichen wir den Punkt 3830. Von hier sieht der weitere Felsgrat immer noch recht weit aus, er ist aber wirklich einfach und so kommen wir recht zügig zum Beginn des Firngrates, wo wir kurz etwas essen und die Eisen montieren. Der Firn ist perfekt griffig - einzig vor der riesigen Wechte und versteckten Randspalten müssen wir uns in Acht nehmen. Ab und zu liegt auch etwas rutschiger Neuschnee, ansonsten kommen wir bequem zu grossen Spalte am Gipfelaufschwung. Diese überqueren wir über eine breite Brücke; wegen dem tiefen Neuschnee, der sich hier abgelagert hat, ist es allerdings schwierig einzuschätzen, wie gut tragend sie ist. Nach dem etwas steileren Aufschwung flacht das Gelände ab, die Autobahn des Normalwegs kommt ins Sichtfeld, und nach einer haben Stunde ab Ende Felsgrat erreichen wir stolz und zufrieden den Gipfel. 

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Auf dem Firn gehts zügig voran - nur vor Wechten und der Spalte am Gipfelaufschwung muss man sich in Acht nehmen. (Foto Philipp Kohler)
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Eine der unzähligen scheulosen Gämsen der Region schaut uns beim bequemem Abstieg über den SSE-Grat zu. (Foto Phlipp Kohler)

Den Abstieg über den Südsüdostgrat kennen wir beide schon von früheren Touren (bei mir ist es auf den Tag 5 Jahre her :-)). So wissen wir, dass die Tour nun eigentlich geschafft ist und ein entspannter und eher kurzer Abstieg auf uns wartet. Wir versorgen das Seil (danke fürs Tragen Philipp!) und steigen nach Fotos schiessen und kurzer Verpflegung über die gut ausgetretene Spur auf dem Grat ab. Weiter geht es über den breiten Blockrücken und ein paar Felsstufen hinunter zum Firnfeld, das uns den Abstieg erleichtert. Nach einer etwas ausgiebigeren Pause wandern wir dann auf gutem Weg zur Almagellerhütte. Da wir von hier aus am nächsten Tag zu einer weiteren Tour starten wollen, können wir den Rest des Nachmittags beim Bier und netter Gesellschaft auf der Terrasse der Hütte geniessen und zufrieden auf eine gelungene Tour zurückblicken.

Gipfel:            Weissmies
Route: Aufstieg Nordgrat, Abstieg Südsüdostgrat
Ausgangspunkt: Bergrestaurant Hohsaas
Höhe: 4017 m
Schwierigkeit: ZS+, 4a

Karte/Führer:

Hochtouren Topoführer Walliser Alpen

Unser Felsmaterial:

 

2-3 Schlingen, 5 Expressen, 4 Cams (0.3-1), 40m Seil. War optimal, 30m Seil hätte auch gereicht.