Gletschhorn - Südgrat (3303 m)

Mit Holmger                                                                                                                                                                          23/05/2020

Gletschhorn, Südgrat, Furka, Realp, Tiefenbach, Albert-Heim, Graue Wand, Klettern, Alpin klettern, Granit
Das Gletschhorn mit seinem schönen Südgrat (links), rechts im Bild die Graue Wand, die sehr schöne, alpine Mehrseillängen bietet.

Nach zwei Tagen intensivem Sportklettern wollen wir den dritten Auffahrtstag etwas gemütlicher angehen und zur Abwechslung mal Beine und Kreislauf betätigen. So starten wir nach gemütlichem Frühstück um 8:15 beim Parkplatz Tiefenbach und wandern auf dem meist schon aperen Weg in Richtung Albert-Heim-Hütte. Ab einer Höhe von etwa 2400 m treffen wir dann auf eine geschlossene Schneedecke. Wir hatten im Vorfeld noch überlegt, ob sich ein Zustieg mit Ski lohnen würde, hatten uns aber wegen der langen Tragepassage dagegen entschieden und sind nun auch froh darüber, denn auf dem harten Trittschnee lässt es sich perfekt gehen, so dass wir locker an Skitourengängern vorbeiziehen.

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Durch die Firnflanke direkt auf den Südgrat zu

Leider habe wir uns im Vorfeld etwas schlampig über den Zustieg informiert und müssen deshalb einen etwa 45 minütigen Umweg in Kauf nehmen (jaja, man sollte auch einfache Touren nicht unterschätzen...) Bald sind wir aber wieder back on track. Dank dem vielen Schnee jetzt im Frühjahr können wir vom Tiefengletscher auf der Höhe von 2900 geradlinig durch die steile Flanke zum Grat aufsteigen. Der Firn ist hart, aber gerade noch weich genug, um auf Steigeisen verzichten zu können. Auch hier wären wir mit Ski deutlich langsamer gewesen. So kommen wir um 11:00 Uhr zum Einstieg des Grates.

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Immer schön der Gratschneide entlang...

Hier machen wir erst mal ausgiebig Pause, denn weiter oben am Grat hat sich ein Unfall ereignet (eine luxierte Schulter, wie wir später erfahren). Es macht ja keinen Sinn, wenn wir uns auch noch zu den sechs auf dem Grat wartenden Kletterern gesellen, bevor die Helikopterrettung abgeschlossen ist. Zum Glück ist es hier schön warm, und die Regarettung mit der Longline verläuft wie erwartet äusserst speditiv, so klettern wir schliesslich etwa um viertel vor 12 los. Der Fels ist fantastisch - grossgriffig, rau und bombenstabil! Viele Bohrhaken weisen den Weg, zur zusätzlichen Sicherung können Zackenschlingen und Cams en masse angebracht werden.

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Kletterer begeben sich in die Schlüsselstelle.

Wir klettern simultan am verkürzten Seil bis zur Schlüsselstelle (4b), wo wir am Stand mit den beiden vorhergehenden Dreierseilschaften nett plaudern und warten, bis wir an der Reihe sind. Anschliessend ziehen wir dann an ihnen vorbei, was praktisch überall gut möglich ist, wenn man gegenseitig Rücksicht nimmt. Trotzdem bin ich froh, nicht in der "Hauptsaison" hier unterwegs zu sein. Die Felsqualität gepaart mit der pläsirmässigen Absicherung und dem kurzen Zustieg zieht viele Tourengänger an, wobei einige die Tour auch unterschätzen. Die 4b Stelle ist dann - mit Bergschuhen frei geklettert - wirklich nicht ganz trivial, denn gute Griffe fehlen. Die Bohrhaken aber stehen dicht, zusätzlich könnten ein paar grössere Cams als Hilfsmittel versenkt werden - sogar ein Holzkeil stände als Tritt zur Verfügung ;-).

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Genussreiche Kletterei im mittleren Teil des Grates

Simultan kletternd geniessen wir anschliessend die vielen schönen und vielseitigen Kletterpassagen und tauschen jeweils den "Vorstieg", wenn uns das Sicherungsmaterial ausgeht (was leider immer viel zu schnell passiert :-D). Nach einem etwas breiteren Mittelstück wird der Grat gegen Ende exponierter, bleibt aber einfach. So erreichen wir um 14:00 den Gipfel und geniessen die Aussicht auf die umliegenden Berge, von denen wir viele schon bestiegen haben.

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Gegen Ende wird der Grat exponierter; links der Gipfel.
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Kletterer auf den letzten Metern zum Gipfel.
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Im Abstieg durch die Südwestflanke, die Seilschaft oben befindet sich in der ersten Abseilfahrt vom Gipfel.

Vom Gipfel seilen wir 15 m ab und beschliessen dann, noch ein weiteres Mal abzuseilen, anstatt durch die steile Flanke abzusteigen, da der tiefe Schnee schon sehr weich und somit etwas heikel geworden war. Hier befindet sich zwar keine eingerichtete Abseilstelle, aber eine Schlinge um einen soliden Steinblock, welche allerdings schon Schmelzspuren aufweist und deshalb ersetzt werden sollte. Bitte NIE das Seil zum Abseilen direkt durch die Schlinge fädeln! Was kostet schon ein Maillon oder auch ein Karabiner... Gerade auf solchen Touren, wo auch Leute unterwegs sind, die weniger geübt darin sind, fixes Material zu überprüfen, sollte man sich soldarisch verhalten, statt die nachfolgenden Seilschaften in Gefahr zu bringen. 

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Beschwingter Abstieg dank perfektem "Rutschsulz"

Nach dem Abstieg über Schneefelder und leichte Felsen sowie zwei- (respektive vier-) maligem Abseilen entlang der Abseilpiste holen wir Stöcke und Pickel, die wir beim Grateinstieg  deponiert haben und surfen runter zum Tiefengletscher. Auch wenn die Skispuren im Sulz ein bisschen Wehmut hervorrufen,  sind wir absolut zufrieden mit unserer Entscheidung, die Ski zu Hause zu lassen, denn auch so kommen wir bequem, zügig und beschwingt bergab.

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Ohne Worte ;-)

Kurz vor 17:00 erreichen wir die Passstrasse, wechseln auf Shorts und FlipFlops, kühlen die Füsse im nahen Bach und schliessen die Tour standesgemäss auf der Terrasse des Hotel Tiefenbach mit Most und feinem Kuchen ab. Eine Einkehr (oder auch eine Übernachtung) lohnt sich hier wegen dem feinen Essen immer.  Schön war das, wiedermal gemütlich und genussreich in den Bergen zu sein!


 

Gipfel:            Gletschhorn
Route: Südgrat-Grat
Ausgangspunkt: Tiefenbach, alternativ Albert-Heim-Hütte
Höhe: 3303 m
Schwierigkeit: WS+, 4b

Material:

 

 

Steigeisen, Pickel, evtl. Gletscherausrüstung, 6-8 Exen, auch lange (wird viel simultan geklettert sogar eher mehr), viele Zackenschlingen, ein paar Cams (brauchen tut es wenige, gelegt werden können viele!)
Führer Topoführer Urner Alpen (Silbernagel)