Pointe de Tsalion - Westwand Hüttenroute (3510 m)

Mit Philipp                                                                                                                                                                                    03/07/21

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Abendstimmung bei der gemütlichen Cabane de la Tza, von welcher der Routenverlauf (rot) gut einsehbar ist.

Wiedermal ein Wochenende mit mässigem Wetter - der Samstag verspricht immerhin ein Fenster bis zum frühen Nachmittag. Wir suchen also eine nicht allzu lange und nicht allzu hoch gelegene Tour, die zudem in unserem Komfortbereich liegt, um das Risiko für Abweichungen vom Zeitplan zu minimieren. Da wir Lust auf Bergschuhkraxelei haben, fällt die Wahl auf die Hüttenroute oder "Voie de la cabane" durch die Westwand der Pointe de Tsalion. Ich verschiebe die Arbeit von Freitag auf Sonntag, und nach einer langen aber reibungslosen ÖV-Reise nach Arolla und einem gemütlichen, gut anderthalbstündigen Zustieg zur Cabane de la Tza (auch Tsa) geniessen wir den Rest des Nachmittags in den Liegestühlen an der Sonne. Ausser uns sind nur noch zwei Bergführer mit Ihren Gästen zur Matterhornvorbereitung hier, und die Stimmung ist (trotz Viertelfinal Niederlage der Schweizer Fussballer) entspannt. Nach feinem Linsencurry und Crèpes mit Confi gehen wir früh ins Bett und ich schlafe wirklich gut.

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Und hopp! Im keep!wild Führer ist der Zustieg mit T2 angegeben... (Foto: P. Kohler)

Aufgrund der auf 13:00 vorhergesagten Regenfront machen wir uns nach einem guten Frühstück schon kurz vor 5:00 Uhr auf den Weg. Erst der Wasserleitung und Steinmännchen folgend über Geröll, Wegspuren und eine schwach ausgeprägte Moräne, dann etwas mühsamer den Hang querend erreichen wir nach etwas mehr als einer Stunde den Einstieg. Für die letzten Meter Aufstieg über das harte Firnfeld zur Wand sind wir froh um unsere Pickel, die Leichtsteigeisen können aber im Rucksack bleiben.

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Die Aiguilles Rouges im Morgenrot
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Nach ein paar grasdurchzogenen, brüchig-sandigen Längen...

Dank dem auf der Hütte aufliegenden Fototopo finden wir den Einstieg auf Anhieb, und auch der Übergang vom Firnfeld auf den Fels ist problemlos. Erst tun wir uns mit kalten Fingern auf dem sandigen, grasdurchzogenen und ungewohnt geschlossenen Gneiss etwas schwer, aber nach den ersten 3-4 Seillängen wird der Fels besser und wir finden unseren Flow. Überschlagend kletternd kommen wir zügig voran, die Kletterei liegt überwiegend im II. und III. Grad, die meisten Seillängen weisen 1-2 IV-er Stellen auf. 

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...folgt abwechlsungsreiche Kletterei in hervorragendem Fels.

Der Routenverlauf ist nicht eindeutig gegeben, die Groborientierung aber relativ klar - man folgt einer erst schwach, dann stärker ausgeprägten Rippe. Möglichkeiten für Standplätze gibt es genügend, gerade im mittleren Abschnitt sind aber nicht allzu viele Felszacken vorhanden, weshalb wir froh sind, einige Cams zum Standplatzbau dabei zu haben.

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Flechtige Plattenstellen wechseln sich mit steiler Kletterei in gutgriffigem, rauhem Fels ab (Foto: P. Kohler).
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Die 8. und vermeintlich letzte richtige Seillänge führt uns auf den Grat - wo es allerdings 6-7 sehr schöne Seillängen in ähnlicher Schwierigkeit weitergeht...

Da wir sicher sind, auf der Route zu sein, staunen wir nicht schlecht, als nach der 8. Seillänge nicht wie im Topo eingezeichnet Gehgelände auf uns wartet, sondern im Gegenteil, wohl eine schwersten Stellen der ganzen Route - ein plattiger Aufsteher an einem Riss. Nun ja, es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter zu klettern und zu hoffen, dass sich nicht irgendwo ein unlösbares Problem auftut. Tut sich aber nicht - im Gegenteil, es wartet supercoole Kletterei in Verschneidungen und an Schuppen und Handrissen! Nach zwei Seillängen auf dem Grat wechseln wir in eine Rissverschneidung auf dessen rechter Seite, welche uns nach einer weiteren Seillänge wieder zurück zur Gratkante führt. Hier finden wir sogar einen Schlaghaken - den ersten auf der ganzen Route (und eher überflüssig). Nach zwei weiteren schönen Längen wird das Gelände dann einfacher, und schliesslich können wir das Seil verstauen.

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Eine Rissverschneidung führt zurück auf den Grat.
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Diese Länge gefällt mir besonders gut - auch wenn ich erst etwas darüber jammere, dass die "richtigen" Cams am Standplatz verbaut sind... (Foto: P. Kohler).
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Auch im Abstieg muss immer mal wieder etwas gekraxelt werden.

Über Blockgelände und Schutt steigen wir also leicht zum Gipfel, wo wir etwa um 11:00 Uhr ankommen.  Leider sind die höchsten Berge in den Wolken, aber wir geniessen trotzdem die Aussicht, essen und trinken etwas und steigen dann ab. Der Abstieg ist - zumindest im oberen Teil - sehr gut mit rot-weissen Punkten markiert und leicht zu finden. Die teilweise steilen Schneefelder fordern aufgrund des weichen Schnees (wir sinken oftmals bis zum Bauch ein) aber doch Vorsicht. Auch im unteren Teil muss immer mal wieder etwas abgeklettert werden. Schliesslich queren wir den Hang unterhalb der Westwand und steigen zunehmend bequemer zur Hütte ab, wo wir kurz vor 13:00 Uhr ankommen. Obwohl es zwischenzeitlich düster ausgesehen hat, können wir nach dem Zusammenpacken der hier deponierten Sachen und einem netten Schwatz mit der Hüttenwartin den Abstieg nach Arolla noch trocken hinter uns bringen. Als es dann kurz nach 14:00 Uhr endgültig zu regnen beginnt, warten wir im Trockenen auf den Bus, der sich bei der Fahrt nach Sion zunehmend füllt. Im Speisewagen nach Bern gibt es dann auch das langersehnte Bier und ein Nachtessen, und wir stossen zufrieden darauf an, das Wetterfenster so gut ausgekostet zu haben.

 

Weitere Bilder von Philipp hier


Gipfel:            Pointe de Tsalion
Route: Westwand Hüttenroute (Voie de la cabane)
Ausgangspunkt:  Cabane de la Tza
Höhe: 3510 m
Schwierigkeit: 4b

Material:

 

50 m Seil, Zackenschlingen,  6-8 lange Exen, Cams (0.3-2), evtl. Keile/Ballnuts, Leichtpickel/Leichtsteigeisen

Führer:

 

 

 

 

Best of keepwild!climbs (Silbernagel/Blum); Achtung: das Topo darin suggeriert, dass nach 8 Seillängen nur noch Gehgelände folgt. Dem ist aber nicht so, es sind nochmals 6-7 mit IVer-Stellen gespickte Seillängen zu klettern. Dies ist im Zeitplan miteinzuberechnen, ein Topo braucht es aber für die Routenfindung nicht.