Poncione Rosso - Westrampe (2505 m)

13/08/17

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Der Zustieg von Lavertezzo zur Capanna Cornavósa führt an idyllischen Alpen vorbei

Ergiebiger Schneefall in tiefe Lagen im Wallis und in der Nordschweiz verhindern an diesem Wochenende anspruchvolle Hochtouren. Da das Wetter ausserdem im Süden vielversprechender aussieht, beschliessen wir, das uns bisher eigentlich nur vom Sportklettern bekannte Tessin besser zu erkunden. Mit Zug und Bus reisen wir also ins Val Verzasca nach Lavertezzo und steigen gemütlich in etwas mehr als 3h zur Capanna Cornavósa auf. Anfangs geht es dabei eher monoton und ohne Aussicht durch den Wald, dann aber wird der Weg abwechslungsreich, und die unzähligen Wasserfälle, Flussbecken und idyllischen Alpen laden zum Verweilen ein. Auch das morgige Ziel, den Poncione Rosso, können wir ab und zu ausmachen - er erinnert von dieser Seite her etwas an das Bietschhorn.

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Erster Blick auf das morgige Ziel: der Poncione Rosso mit der gut sichtbaren Westrampe
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Sehr empfehlenswert: die auf der "Via alta della Verzasca" liegende Capanna Cornavósa

Die Selbstversorgerhütte Capanna Cornavósa, die zur Via alta della Verzasca gehört, begeistert uns mit ihrer Lage, ihrem Komfort (sogar eine warme Dusche gibt es) und ihrer Bauweise. Wie erwartet sind wir nicht die einzigen hier, wir kommen aber gut aneinander vorbei beim Kochen. Davor und danach geniessen wir trotz teilweise frischem Wind Bier und Sonne vor der Hütte. Nach einer anstrengenden Arbeitswoche gehe ich früh ins Bett und schlafe gut bis um halb 6.

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Abendstimmung auf der Capanna Cornavósa
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Zustieg (rot) und ungefährer Routenverlauf (orange) - im unteren Teil haben wir es wohl nicht ganz ideal erwischt, oben haben wir es gut getroffen.

Nach Frühstück mit Müesli und guten Kaffee aus der Mokka gehen wir um sieben Uhr los und folgen dem leicht abwärts verlaufenden Weg um die Cima di Precastello herum Richtung Alpe Fümègna. Auf ca. 1900 m folgen wir dann  Wegspuren, die oberhalb des über der Alp liegenden Felsriegels hindurchführen und steigen am südlichen Rand der Geröllrinne über Gras und gut verfestigte Felsblöcke bequem zum Einstieg der Rampe. Hier montieren wir Helm und Klettergurt - das Seil bleibt noch im Rucksack. 

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Plattiges III-er Gelände im unteren Teil der Rampe

Über Platten und Gras geht es kurz nach 8:00 weiter. Bei ein paar steileren Aufschwüngen ist nicht immer klar, wo der leichteste Durchschlupf ist, oft sind die Stellen schwieriger als sie von unten aussehen, da der Fels plattig und abwärts geschichtet ist und wenig Griffe bietet. So seilen wir  an und legen ab und zu eine Zwischensicherung, klettern aber meist simultan. Die erste 5b-Stelle haben wir nicht gefunden und sind sie offenbar umgangen. In der 2. Hälfte der Route stimmt dann der Eindruck gut mit unserem "Topo" überrein, es folgen ein paar technisch sehr schöne Kletterstellen im oberen 4-er Bereich.

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Matthias studiert die sehr schöne Kletterstelle (ca. 4b) kurz nach Wandmitte.
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Die luftige Passage an der Kante ist sehr genussreich und - bis auf einen Zug - einfach.

Auch die plattige Schlüsselstelle (5b) finden wir. An einer leider sehr losen Schuppe (wir versuchen, sie nach nur innen zu belasten) muss gemantled werden. Dann quert man hinüber in einen guten Handriss (danke fürs Putzen!), in dem auch sehr sichere Placements gelegt werden können. Mit den Füssen auf (für Bergschuhe) ganz schön kleinen Tritten und Grasmutten gehts dann per Handjam und Seitengriff nach oben - wirklich cool! Endlich sind wir nun auch in der Sonne, trotz gutem Wetter war es bis jetzt im Schatten eher frisch gewesen. Nach wenigen Metern entspannter Kletterei kommen wir schliesslich zum Grat, wo wir einen ganz neuen Schlaghaken vorfinden - den einzigen auf der Route und hier eigentlich absolut unnötig. Kurz nach elf auf dem Gipfel geniessen wir einen ausgiebigen Zmittagsrast und die Aussicht bis ins Monterosagebiet.

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Die plattige 5b-Schlüsselstelle fordert feines Antreten mit Bergschuhen
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Aufstieg (Westrampe) und Abstieg (Südwand); kaum zu glauben, dass durch die Plattenflucht der Südwand ein markierten "Weg" führt (T5, Stellen II)!

Der Abstieg über den Normalweg - im Führer mit T5 gradiert - ist dann gar nicht so ohne, man muss ab und zu sogar rückwärts runter klettern. In der Forcola di Lodrino angekommen wechseln wir auf kurze Hosen und machen uns an den langen Abstieg nach Lodrino. Erst geht es zügig und direkt hinunter. Dann aber müssen zahlreiche Gegensteigungen und viel Horizontaldistanz überwunden werden, bis es dann endlich zur Alpe d'Alva runter geht. Die Landschaft ist aber sehr schön und abwechslungsreich und der Weg zwar stufenreich aber gut und leicht zu finden. Wie schon ein Teil des Hüttenzustiegs führt auch der Abstieg über die Strecke des Skyraces "Lodrino-Lavertezzo" -  Respekt für die Läufer dieses Rennens! Kurz nach vier kommen wir in Lodrino an. Per Bus gehts nach Bellinzona, wo wir uns mit Pizza, Bier, Kuchen und Aprikosen eindecken und per Zug zurück in den Norden reisen. Fazit: Auch wenn es kompakterenFels gibt, ist die Tour doch sehr lohnenswert, da wild und einsam und in einer super schönen Umgebung. Bei Regen im Norden definitv ein empfehlenswertes Ausweichziel!

Gipfel:            Poncione Rosso
Route: Aufstieg Westrampe, Abstieg Südflanke
Ausgangspunkt:  Capanna Cornavósa, alternativ Capanna Fümènga
Höhe: 2505 m
Schwierigkeit: 5b

Material:

 

5 Cams (0.3-1) und ein kleines Keilset; Kletterfinken sind nicht notwendig, würden aber die Schlüsselstelle deutlich erleichtern

Führer:

Best of keepwild!climbs, Silbernagel/Blum, Panico Verlag