Dent d'Hérens (4174 m)

Mit Dennis                                                                                                  09/10/2016

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Schöner Hüttenweg zum Rifugio Aosta - der Parkplatz am Staussee liegt schon weit zurück

Von Dennis kommt der Vorschlag, eine Tour auf die Dent d'Hérens zu unternehmen. Weil jetzt im Oktober schon Neuschnee liegt, die Tage recht kurz sind und wir noch nie zusammen unterwegs waren finde ich das eine gute Idee, da wir beide in diesem Schwierigkeitsgrad noch Reserven haben. Als dann für das Wallis zwar kaltes, aber stabiles und windstilles Wetter prognostiziert wird, steht der Plan fest. So fahre ich am Samstag mit dem Zug nach Bern wo es mit per Auto über den Grand St-Bernhard und das kleine Örtchen Gignod (danke google maps!) zum Lac des Places de Moulins geht. Kurz nach 12 Uhr gehen wir los und geniessen das schöne Herbstwetter im idyllischen Tal. Der Hüttenweg ist sehr bequem - nur am Schluss geht's auf etwas rutschigem Geröll steil bergauf, bevor man nochmals kurz bergab und dann wieder aufsteigen muss. So kommen wir trotz Pause in 3:30 zum ausserordentlich schön gelegenen Rifugio Aosta.

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Bald da: das Rifugio Aosta, dahinter der Haut Glacier de Tsa de Tsan

In fünf Gehminuten Richtung Haut Glacier de Tsa de Tsan finden wir Wasser zum kochen und für den Marschtee. Danach können wir noch kurz die Sonne geniessen, bevor sie hinter den Bouquetins verschwinden und es schlagartig kalt wird. Der Winterraum des Rifugio Aosta hat zwar weder Ofen noch Koch-gelegenheit, ist aber sonst sehr schön und grosszügig mit 14 Betten und einem abgetrennten Essraum. 

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Der schöne Winterraum des Rifugio Aosta befindet sich im oberen Stock der Hütte (Foto: Dennis Schulz)

Wir trinken viel Tee, kochen etwas Suppe zur Vorspeise und essen dann unsere Tütenmahlzeiten. Kurz vor neun gehen wir ins Bett und glauben uns schon alleine, als dann doch noch drei Katalanen ankommen. Dass es etwas unruhig wird stört mich nicht gross, es ist ja noch früh. Weniger Verständnis habe ich, als sie dann von 2:30 an alle 5 Minuten deWecker klingeln lassen, aber erst um 3:15 wirklich aufstehen... Wir haben es wegen weniger eilig - schliesslich ist es noch bis 7:00 dunkel und bei den tiefen Temperaturen spielt es keine Rolle, wenn wir etwas später unterwegs sind. So stehen wir um 4:00 auf, frühstücken gemütlich (nächstes Mal darf ich mein Müesli nicht mehr auf dem Tisch stehen lassen, sonst ist die Hälfte weg...) und gehen dann um 5:00 los.

Hochtour, Dent d'Hérens, Glacier des Grand Murailles
Im steilen Teil des Glacier des Grandes Murailles müssen ein paar Spalten überwunden werden

Über den steilen aber guten und sehr direkten Weg und zum Schluss etwas unwegsam über Geröll kommen wir zügig voran und erreichen nach einer guten Stunde den Glacier des Grandes Murailles, wo wir auch wieder auf die anderen Tourengänger treffen. Wir seilen an und steigen über den bald ziemlich steil werdenden Gletscher auf. Dennis findet trotz Dunkelheit einen guten Weg durch die Spalten von denen eine in einer kurzen Eisklettereinlage überwunden werden muss. Schliesslich wird der Gletscher flacher; der gepresste, kalte Schnee ist angenehm zu gehen und deckt die Spalten gut.

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Morgenstimmung über dem Glacier des Grandes Murailles; die katalanische Seilschaft im Aufstieg
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Am Ende des mit Ketten versehenen Couloirs; auf dem Westgrat herrschen winterliche Verhältnisse (Foto: Dennis Schulz)

Nun, um sieben Uhr wird es langsam hell, so können wir auch den roten Gendarmen am Westgrat und die Ketten die durch das brüchige Couloir dort hinaufführen gut erkennen. Wir verkürzen das Seil und hangeln uns hinauf - mühsam, aber bei dieser Schutthalde ist es keine Option über die Felsen zu klettern. Zudem kann man die Ketten mit den Skihandschuhen ganz gut festhalten und weit ist es nicht. Oben auf dem Grat werden wir mit einer fantastischen Sicht auf Dent Blanche, Weisshorn, Obergabelhorn etc. belohnt. Obwohl fast windstill ist es kalt und ich ziehe eine zweite Daunenjacke an - nun bin ich also mit sechs langen Schichten unterwegs...

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Blick auf den Südgrat der Dent Blanche, links der Ferpècle-Grat, rechts der Viereselsgrau
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Am Ende des Westgrates, Blick auf die Westflanke und den Gipfel

Wir verlängern das Seil wieder etwas und kraxeln mit Steigeisen über den mit Pulverschnee bedeckten Grat. Das erste Stück in rötlichem Gneis ist leicht. Gehgelände wechselt sich hier mit II-er Gelände ab. Dann, nach etwa zwei Dritteln kommt ein Gendarm, der - insbesondere mit dicken Handschuhen - gar nicht so einfach ist. Der Fels wechselt hier auch Farbe und Struktur, er ist plattiger, geschlossener und bietet weniger Zacken, um mal eine Schlinge als Sicherung zu legen. Wir kommen trotzdem zügig über die Stelle und erreichen um etwa halb zehn die Fernflanke. Nun sind wir auch endlich in der Sonne.

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Anstrengende Spurarbeit in der Flanke

Nach einer Rast machen wir uns an den Aufstieg. Ist uns der Felsgrat recht kurz vorgekommen, so zieht sich der Weiterweg ungemein in die Länge. Dies liegt vor allem an den heutigen Schneeverhältnissen: hat man mit dem Fuss die erste, gepresste Schicht durchbrochen, sinkt man im pulverigen Schnee oft bodenlos ein. So wird das Ganze ein ziemliche Kraftprobe, insbesondere für Dennis, der noch einiges tiefer einsinkt als ich. Die Verhältnisse haben aber auch eine positive Seite: es gibt es keine wegen Blankeis heiklen Stellen - nur an wenigen Orten muss man etwas aufpassen, weil unter der Schneeschicht Eis und Felsen versteckt sind. Zudem spielt es bei den kalten Verhältnissen keine Rolle, wenn wir etwas länger unterwegs sind. 

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Die letzten Meter zum Gipfel :-) (Foto: Dennis Schulz)

Endlich erreichen wir den Gipfelgrat. Hier warten noch ein paar dank des vielen Neuschnees interessante Passagen auf uns. Der Grat ist zwar nicht schwierig, aber doch recht luftig. Was für ein Gefühl, die letzten Meter über den unverspurten Grat auf das Gipfelkreuz zu zu stapfen! Wenn es anstrengend war schmeckt das Erreichen des Gipfels eben doppelt so gut. Auch die Sicht - insbesondere aufs Matterhorn - ist überwältigend. Wegen der Kälte halten wir uns aber nicht lange auf und steigen nach ein paar Bissen und Schlucken aus der Thermoskanne wieder ab.

Hochtour, Dent d'Hérens, Gipfelgrat
Im Abstieg über den Gipfelgrat (Foto: Dennis Schulz)

Der Abstieg gestaltet sich dann sehr angenehm. Wie schon im Aufstieg können wir auf die Benutzung der Sicherungsbügel verzichten. Und abwärts macht es auch nicht viel aus, dass wir tief einsinken, hier wirkt die Schwerkraft in die richtige Richtung. Unten beim Felsgrat treffen wir auf die katalanische Seilschaft. Sie habe auf dem Grat alles gesichert und sind entsprechend spät dran. So entscheiden sie sich klugerweise für eine Umkehr. Dabei seilen sie sich über die Abseilpiste in der Wand am oberen Ende des Westgrates auf den Gletscher ab. Diese wird im Führer als brüchig beschrieben. Die Katalanen, die wir später wieder treffen, meinen aber es sei problemlos gewesen. Gerade für langsam kletternde Seilschaften scheint dies also im Abstieg durchaus eine Alternative zum Grat zu sein.

Hochtour Dent d'Hérens, Glacier des Grandes Murailles
Wieder auf dem Glacier des Grandes Murailles; Blick zurück zum Gipfel (Foto: Dennis Schulz)

Wir klettern zügig in knapp anderthalb Stunden über den Grat zurück und bringen auch die Kettenrinne gut hinter uns. Dann geht es bequem über den Gletscher hinunter und anschliessend über Geröll und den Moränenweg zurück zur Hütte. Den kleinen Umweg dorthin müssen wir auf uns nehmen, da wir bei der Hütte ein paar Sachen deponiert haben. Etwas müde packen wir unsere Rucksäcke und steigen ins Tal ab. Der Weg entlang des Stausees zieht sich ziemlich in die Länge. Da der grösste Teil des Hüttenwegs flach ist, sind wir kaum schneller als beim Aufstieg. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kommen wir dann müde und zufrieden beim Auto an. Dass es leicht schneit passt eigentlich perfekt: Nun ist die Hochtourensaison vorbei. 

FAZIT: Eine sehr schöne Tour die alle Facetten einer Hochtour beinhaltet und für mich ein sehr befriedigender Tourensaisonschluss.

Gipfel:           Dent d'Hérens
Route: Westgrat/Tiefmattengrat 
Ausgangspunkt: Rifugio Aosta
Höhe: 4174 m
Schwierigkeit: ZS, III+

Führer:       

Topoführer Walliser Alpen (Silbernagel)