Fischerhörner-Überschreitung (4049 m und 4025 m)

Mit Armin                                                                                                       03/08/16

Wieder einmal geht es am Mittag direkt von der Arbeit los, diesmal nach Winterthur, wo mich mein Vater Armin am Bahnhof abholt. Mit dem Auto fahren wir nach Lauterbrunnen und von dort mit den Jungfraubahnen zum Joch. Das Wetter ist garstig - stockdicker Nebel und Regen - so gehen wir zügig in 40 min zur Mönchsjochhütte. Bisher habe ich die Mönchsjochhütte vermieden und stattdessen in der Berglihütte übernachtet. So bin ich von der Hütte angenehm überrascht. Alles ist perfekt organisiert, die Bedienung freundlich, das Essen sehr gut und zum Frühstück gibt es feines selbstgemachtes Müesli. Auch dass sich die Gespräche mit den bergerfahrenen, bald 70-jährigen Tischnachbarn beim Abendessen ausnahmsweise mal um Heuschrecken statt um Berge drehen hat einen sehr entspannenden Effekt. Die Nacht verläuft eher unruhig. Zwar schnarcht niemand, aber der Wind der an der Hütte rüttelt macht mir etwas Sorgen.

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Auf dem Walchergrat; Blick auf die erste Steilstufe, Gross Fiescherhorn, Hinter Fischerhorn mit Gendarm, Klein Grünhorn und Gross Grünhorn

Als wir um 3:30 zum Frühstück gehen, hängt noch Nebel, so machen wir uns erst um 4:40 auf den Weg. Eine geführte Seilschaft hat zu diesem Zeitpunkt schon wieder umgedreht, weil  der Schnee angeblich zu weich sei. Tatsächlich sinkt man auf den ersten Meter auch auf der ausgetretenen Spur manchmal knietief ein, das wird aber bald besser. Der Nebel ist verschwunden, man kann den Walchergrat in der Dunkelheit schon erahnen und auch der Wind ist nur noch schwach. Weit vorne sehen wir die Lichter einer Dreierseilschaft, deren gut angelegter Spur wir gerne folgen. Nach einer guten Stunde haben wir den Walchergrat erreicht, es ist hell geworden und uns bietet sich ein fantastisches Panorama. Was für ein Tag! 

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Der erste Gipfel rückt näher - das Gross Fiescherhorn mit seinem steilen Schlussanstieg
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Perfektes Wetter, perfekte Verhältnisse

Bei der ersten Steilstufe haben wir die geführte Seilschaft eingeholt und gehen dankbar in ihren Spuren, denn hier ist der Schnee sehr tief. Dies ist aber natürlich besser als Blankeis. Oben an der Steilstufe wechseln wir ein paar Worte mit der Seilschaft und gehen dann voraus. Kurz vor dem Gipfel wird es nochmals steil. Eine blanke Stelle umgehe ich links. Hier ist das Gelände etwas steiler, aber im griffigen Firn kann man aber gut Tritte schlagenAnschliessend geht luftig aber angenehm weiter - kurz vor dem Gipfel muss noch eine Kletterstelle in gemischtem Gelände überwunden werden, dann sind wir oben. Obwohl wir gemütlich unterwegs waren und uns viel Zeit zum Fotografieren genommen haben sind wir schon um 10 vor 8 auf dem Gipfel.

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Nach dem steilsten Gratstück, kurz vor dem Gipfel
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Auf dem Gipfel des Hinter Fiescherhorns, im Hintergrund das Gross Fiescherhorn und die Eigersüdwand

Nach einer kurzen Rast machen wir uns an den Abstieg zum Fieschersattel. Kurz unterhalb des Gipfels müssen wir eine mit den Steigeisen gar nicht mal so einfache Kletterstelle über-winden, der Rest ist dann meist Gehgelände. Auch den Gendarmen kann man auf der Ostseite einfach umklettern. Um halb neun sind wir im Sattel und machen uns dann nach erneuter Pause (einfach weil es so schönes Wetter ist) an den Aufstieg zum Hinter Fiescherhorn. Erst geht es sehr steil aber dank tiefem Trittschnee völlig problemlos auf den Grat. Hier liegt wieder perfekter Trittfirn - Genuss pur! Über den schön geschwungenen Firngrat und zuletzt über leichte Felsen erreichen wir kurz nach 9 den Gipfel.

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Im Abstieg über die Südwestrippe des Hinter Fiescherhorns müssen einige Randspalten umgangen werden.

Wir folgen dem Grat zur kleinen Grünhornlücke weiter Richtung Süden, teils in leichter Kraxelei, teils sogar auf Wegspuren. Auf ca. 3960 m umgehen wir den grossen Gendarmen in der Südwestflanke. Auch hier liegt wieder perfekter Trittfirn - trotzdem ist in der exponierten Flanke nochmals eine Viertelstunde volle Konzentration gefragt. So erreichen wir die Südwestrippe. Nachdem wir uns von ein paar Schichten Kleider befreit haben, steigen wir auf dem Firngrat der Rippe ab, wobei wir uns scharf an die Gratkante halten, um die Spaltenzone zu vermeiden. Mit der verminderten Höhe beginnt auch der Schnee weich zu werden und immer wieder sinken wir unverhofft hüfttief ein. Im unteren Teil gehen und kraxeln wir über den brüchigen aber einfachen Felsgrat, wechseln aber immer wieder mal auf den Gletscher, sofern das wegen den vielen Randspalten möglich ist. So erreichen wir kurz nach 11:00 das Ewigschneefäld. Wir beobachten eine Seilschaft, die sich soeben vom Fieschersattel auf den Gletscher abgeseilt hat und sich nun ihren Weg durch den spaltenreichen Gletscher suchen muss. Im Sommer ist der Abstieg über die Südwestrippe des Fischerhorns eine elegante und sichere Alternative zum Fischersattel, zudem wird so das Hintere Fischerhorn auch komplett überschritten.

Der Schnee auf dem Gletscher ist erstaunlich fest, so gestaltet sich der Wiederaufstieg zur Mönchsjochhütte angenehmer als im Vorfeld befürchtet. Allerdings sind wir froh um die dünne Wolkenschicht, die unterdessen aufgezogen ist, denn schon so ist es sehr heiss. Im letzten Teilstück zur Mönchsjochhütte wird dann der Schnee doch noch tief, faul und unberechenbar, und die Oberschenkel müssen nochmals ordentlich arbeiten. Im Mönchsjoch verstauen wir Steigeisen und Seil und gehen über die Piste zum Stollenloch. Die 14:30 Bahn verpassen wir zwar knapp, aber nach einer so perfekten Tour macht das überhaupt nichts. Mit Bahn und Auto gehts dann trotz anfänglichem Stau relativ zügig nach Baden, wo wir beim Spanier unsere Energiespeicher wieder füllen. Danke Armin für die schöne Tour!

Gipfel:           Gross Fiescherhorn, Hinter Fiescherhorn
Route: Walchergrat und Überschreitung
Ausgangspunkt:  Mönchsjochhütte/Berglihütte
Höhe: 4049 m, 4025 m
Schwierigkeit: ZS-, 50°
Karte/Führer: Hochtouren Topoführer Berner Alpen
Spalte 2