Fründenhorn SW-Grat (3369 m)

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Route über den Gletscher zum Fründenjoch; im oberen Stück verbergen sich ein paar grosse Spalten

Der Fründenhorn SW-Grat interessiert mich schon länger - als eher kurze Tour genau passend für ein nicht ganz stabiles Wochenende wie dieses. So steigen wir - am grünen Oeschinensee vorbei - gemütlich mit Pausen in 2.5 h zur auf den letzten Platz vollen Fründenhütte auf. Leider lädt das Wetter nicht zum draussen sitzen ein, so vertreiben wir uns die Zeit zum Nachtessen mit Spielen. Nach Suppe, Salat, Pasta mit Ragout und feiner Schoggimousse können wir dann doch noch einen Blick auf die morgige Route erhaschen und den Zustieg über den Gletscher zum Fründenjoch studieren. Ausser uns sind nur noch zwei weitere "Bergsteiger"-Seilschaften auf der Hütte, und wir sind die einzigen mit dem Ziel SW-Grat, somit ist nicht mit Stau oder morgentlicher Hektik zu rechnen. Kurz nach neun gehen wir ins Bett und erstaunlicherweise kehrt auch bei der grösseren Kindergruppe aus dem Wallis bald Ruhe ein.

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Ab jetzt gehts ohne Steigeisen weiter: erst leicht auf Wegspuren, ab dem kleinen Türmchen darf dann geklettert werden

Um 5 gibts Frühstück und um 5:40 verlassen wir die Hütte und gelangen in wenigen Minuten zum Gletscher, wo wir Steigeisen montieren und uns anseilen. Wir steigen zum Teil steil aber ohne grössere Umwege über den blanken Gletscher, und erreichen dann die schneebedeckte Flanke. Erfreulicherweise trägt die Schneedecke sehr gut, es sind hier aber zum Teil riesige Spalten verborgen, was Umsicht in der Routenwahl bedingt. Wie so oft ist dann das letzte, blanke Stück zum Joch deutlich weniger steil als es von weitem in Frontalansicht aussieht, so erreichen wir kurz nach 7:00 den Felsgrat.

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Perfektes Wetter, perfekte Verhältnisse, aufgeräumte Wege

Über griffige Platten und Schutt gelangen wir auf den eigentlichen Grat und auf diesem zum Teil recht exponiert aber weiterhin einfach bis zum markanten Türmchen. Hier könnte man problemlos seilfrei gehen, aber da wir das Seil nachher wieder brauchen, verkürzen wir es einfach. Die Sicht auf die Berner Oberländer und Walliser Berge ist ausgezeichnet; ausserdem ist es windstill und warm und wir sind ganz alleine unterwegs - was will man mehr!

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Blick zum Doldenhorn und dessen anspruchsvollen Routen wie dem Ostgrat oder der "Doldorphin" in der Südwand
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Das erste Stück ist leicht, bedingt aber wegen des nicht ganz stabilen Felsens doch einige Vorsicht und Reserve

Ab dem Gendarm gehen wir simultan am gestreckten 30 m Seil. Die Kletterei ist hier noch einfach (II-III) und die Route dank gutem Topo und einigen Bohr- und Schlaghaken relativ leicht zu finden. Wie üblich folgt sie Schwachstellen, wo sich Schlaghaken setzen lassen. Es muss allerdings wie meist in diesem Gestein auch jeder Griff und Tritt auf Festigkeit geprüft werden, und solide Zwischensicherungen lassen sich kaum legen. Nach einer Traverse in die Flanke steigt man Rissen folgend hoch, quert dann nach rechts und anschliessend wieder hinauf auf den Grat, wo die erste etwas schwerere Kletterstelle folgt.

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Der obere Bereich des Grates besteht aus wenigen Gehpassagen...

Diese bietet schöne und recht steile Piazkletterei. Wie bei allen schwierigeren Passagen auf dem Grat ist die Felsqualität hier recht gut. Nach ein paar etwas einfacheren Metern kommen wir schon an die Schlüsselstelle (5b oder 4a/A0). Früher wurde diese mittels Schulterstand bezwungen, heute hängen Schlingen zur technischen Überwindung. Die Stelle sieht recht schwer aus, wir schaffen es dann aber beide doch, sie frei zu klettern.

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... und ein paar steileren Kletterstellen (Foto Holmger Ullrich)

Nun wartet noch eine schöne, kurze 4a Stelle, der Rest ist leichter. Allerdings bedingen gerade diese einfachen Passagen Vorsicht, denn absichern lässt es sich hier schwer, und  ein Griff- oder Trittausbruch muss unbedingt vermieden werden. Der Grat und die ganze Tour ist aber relativ kurz und wir erreichen trotz einigen (Foto)pausen um 10:30 den Gipfel, wo wir dank warmen Temperaturen ausgiebig rasten.

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Ausgapertes Gipfelfirnfeld und etwas Quellwölkchen im Abstieg über den Normalweg

Der im Prinzip leichte (WS+) Abstieg über den Normalweg stellt sich dann als ziemlich zeitaufwändig heraus. Da das komplette Gipfelgletscherfeld ausgeapert ist, sichern wir ca. zehnmal von Stand zu Stand. Mit einem 50 m Seil (und evtl. ein paar zusätzlichen Eisschrauben als Zwischensicherungen) wäre das natürlich schneller gegangen, aber mit einer kompletten Ausaperung hatte ich nicht gerechnet. Kurz bevor wir die Felspartie erreichen, kommen uns zwei Italiener entgegen, und ich weiss nicht, was mir am meisten Sorgen macht: die seltsame "2-Hand-Pickel" Technik, die Tatsache, dass sie trotz rasch zunehmender Quellbewölkung noch immer im Aufstieg sind, oder dass sie einen Hund unter dem Arm halten (den packen sie dann immerhin in den Rucksack)...

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Im Abstieg über den Normalweg

Nun geht es erst auf gutem Schotterweg  über den Bergrücken abwärts und anschliessend über mit Wasser überlaufene, aber mit Drahtseilen gut  gesicherte  Felsplatten in die Westflanke. Der Weg ist eigentlich dank Markierungen und Steigeisenkratzern nicht schwer zu finden, aber just dort wo die Markierung weniger deutlich ist passen wir nicht auf und steigen zu weit ab, anstatt den Wasserlauf wieder nach rechts zu queren. Der Irrtum ist aber schnell bemerkt und von nun gelangen wir ohne Umwege zur letzten, mit Fixseilen und Drahtbügeln versehenen Steilstufe und über diese hinab zur Hütte. Wegen der zeitaufwendigen Blankeispassage brauchen wir aber insgesamt über 4 h vom Gipfel zur Hütte. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Abstieg über eine vermeintlich leichte Route fast fordernder/aufwendiger wird als der deutlich schwerer bewertet Aufstieg und bestätigt mich darin, auch in Zukunft früh auszubrechen, um genügend Zeitreserve zu haben.

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Im Abstieg von der Fründenhütte: der Oeschinensee lädt (noch) zum baden ein (Foto: Holger Ullrich)

Bei der Hütte fülle ich meine Speicher mit Schorle und feiner Nusstorte, dann wandern wir gemütlich hinunter zum Oeschinensee, während wir neue Pläne für Touren in der Region schmieden. Kurz vor der Waldgrenze erreicht uns dann das Gewitter - bei den warmen Temperaturen und hier unten im Tal stört uns das aber nicht im Geringsten. Kritischer ist, dass wir völlig vergessen hatten, die Bahnfahrzeiten zu checken! Als wir um sechs die Bergstation erreichen, winkt uns das Personal zu, uns zu beeilen - so können wir also dank etwas Glück nun  entspannt ins Tal gondeln, wo wir uns trockene Kleider anziehen und dann im Pöstli währschaft essen, bevor wir dann zufrieden mit der Tour nach Hause fahren.

Gipfel:           Fründenhorn
Route: SW-Grat
Ausgangspunkt: Fründenhütte
Höhe: 3369 m
Schwierigkeit: S-, 4a A0 (5b)

Karte/Führer:

 

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