Grandes Jorasses (4208 m) – Überschreitung

Mit Holmger                                                                                                                                             13&14/07/22

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Die Grandes Jorasses, aufgenommen von den Envers des Aiguilles; in fett die offiziell zur Überschreitung zählenden Viertausender.
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Die Torinohütte, aufgenommen aus der Bahn; hinten in weiss der höchste Punkt der Tour: die Pointe Walker

Gegen Ende unserer Ferien möchten wir nochmal eine richtige Hochtour machen. Da wir von der Grandes Jorasses Überschreitung aus erster Hand von guten Verhältnissen hören und sich zwei windarme Tage abzeichnen, ist die Wahl schnell getroffen und wir dislozieren von der Nord- auf die Südseite des Mont Blanc Massivs. Der ursprüngliche Plan ist, unser Auto schon im Ankunftsort Planpincieux zu abzustellen und dann mit dem Linienbus zur Bergbahn in Entrèves zu fahren. Nachdem der erste Bus nicht hält, da er schon voll ist, und der zweite 40 min später aus uns nicht erklärten Gründen wendet und wieder zurück fährt, müssen wir dann halt doch mit dem Auto nach Entrèves. In der fast leeren Gondel fahren wir mit anderen Grandes Jorasses Aspiranten zur Torinohütte, wo wir diesmal erst mit der zweiten Schicht um 19:30 ein mässiges Abendessen einnehmen können. Anschliessend geht es direkt in die wackligen Kajütenbetten. Aufgrund des insbesondere bei  warmen Temperaturen nicht unheikeln Abstiegs wollen wir morgen bis zur Pointe Whymper durchziehen und dort biwakieren, so dass wir den Abstieg frühmorgens hinter uns bringen könnten – ein langer Tag wartet also.

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Morgenstimmung beim Überqueren des Glacier du Géant (Foto: H. Ullrich)

Das Aufstehen um 4:00 fällt mir ungewohnt schwer und als wir kurz vor 5:00 über den Glacier du Géant gehen, merke ich auch, dass meine Erkältung noch nicht ganz ausgeheilt ist. Zwar geht das Atmen recht gut, ich habe aber ein gestörtes Temperaturempfinden – zudem fühle ich mich mental etwas müde. Ob das wohl eine gute Idee ist, in diesem Zustand eine so lange Tour anzugehen?! 

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Am Fuss des Dent du Géant – nun gehts wieder mit Steigeisen weiter.

Immerhin ist der Gletscher gut gefroren und der Bergschrund leicht zu überwinden. Wir verstauen Seil, Steigeisen und Pickel und kraxeln über Steinstufen und Geröll in Richtung Dent du GéantDie Wegfindung stellt uns vor keine Probleme – dabei hilft, dass wir diesen Abschnitt noch von unserer Tour auf den Dent du Géant kennen. Ich spüre das Gewicht des mit Biwaksachen gefüllten Rucksacks, fühle mich aber allmählich besser, die Lust, mich anzustrengen ist zurück. Holmger dagegen hat einen schwarzen Tag erwischt und trottet ungewohnt langsam hinterher. Als wir kurz nach 6:00 am Fuss des Dent du Géant ankommen, beschliessen wir, erst einmal zur Aiguille de Rochefort weiter zu gehen und dort zu entscheiden, ob wir weiter gehen wollen.

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Der Rochefortgrat zur Aiguille de Rochefort ist zu Recht eine beliebte Tour. Wir profitieren von der gut ausgetreten Spur.
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Vereiste Stelle am Rochefortgrat – danke an die vorausgehende Seilschaft fürs Benützen eures Seils!

Auf gut gefrorener Spur geht es leicht über den Rochefortgrat. Einige kleine Zähne müssen überklettert und einmal in einer vereisten Flanke abgestiegen werden, wobei es etwas Stau gibt. Zwei vorangehende Seilschaften haben trotz Fixseilen etwas Mühe und sichern aufwändig mit Eisschrauben, anstatt schnell abzuseilen. Wir können sie aber bald überholen und erreichen den Schlussaufstieg zur Aiguille de Rochefort, wo uns leichte, anregende Kletterei an guten Griffen in vier Seillängen (Standplätze gebohrt) zum Gipfel (4001 m) führt. 

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Nach Überklettern eines weiteren Turms wartet schöne Kletterei auf die Aiguille de Rochefort.
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Erklettern eines Turms zwischen Aiguille und Dôme de Rochefort – diese Stelle ist gar nicht mal so einfach.

Hier machen wir eine längere Pause. Obwohl ich das Gefühl haben, wir seien unglaublich langsam unterwegs, sind wir doch gut im Zeitplan. So beschliessen wir, weiter zu gehen. Nach einer Firnmulde, in der uns eine Seilschaft joggend überholt, erklettern wir unschwer ein paar Zacken und schliesslich den Dôme de Rochefort (4015 m).

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Blick zurück zur Aiguille de Rochefort

Etwas kniffliger ist das Abketten vom Dôme de Rochefort, anschliessend gelangen wir über einen Firngrat und in leichter Kletterei zur Calotte de Rochefort (3974 m).

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Über Firn und Fels auf die Calotte, mit Blick über den weiteren Routenverlauf zur Pointe Walker. Auch die Abstiegspur ist sichtbar (Foto: H. Ullrich).
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Blick zurück zum Dôme de Rochefort
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Auf der Calotte de Rochefort (Foto: H. Ullrich)

Von der Calotte de Rochefort klettern wir über ein paar kleine Türme, seilen zweimal kurz über den Grat  ab und steigen über einen steilen Firngrat zur Abseilpiste auf, von welcher wir in viermaligem Abseilen und etwas Abklettern zur grossen Gratsenke kommen, wo sich das Bivacco Ettore Canzio befindet (3810 m)

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Nach der Calotte de Rochefort... (Foto: H. Ullrich)
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... klettert man über einige Türme...
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...respektive seilt über diese ab (Foto: H. Ullrich).
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Blick zurück zur eindrücklichen Calotte (Foto: H. Ullrich).
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Über einen Firngrat erreicht man die Abseilpiste,... (Foto: H. Ullrich).
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...und über diese den grossen Grateinschnitt mit dem Biv. Canzio (dieses Jahr mit Pool). Markiert sind die Schlüsselseillängen an der Pointe Young.
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Mittagspause beim Bivacco Ettore Canzio

Um 12:45 erreichen wir das Biwak, welches gemäss den Führern das Ende des Tages bedeutet hätte – wir wollen aber wie erwähnt noch weiter. Ich bin recht erstaunt, dass wir – obwohl viel langsamer unterwegs als gewöhnlich – doch noch deutlich unter der Führerzeit liegen. Holmger legt sich im Biwak erstmal aufs Bett, ich hab dazu – im Wissen, wie weit die Tour noch ist – weniger Ruhe. Nach einer langen Pause machen wir uns schliesslich auf den Weiterweg über die mit bis zu 5a bewerteten Kletterstellen an der Pointe Young.

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Erst plattige, dann strenge Kletterei in der 2. Seillänge

Nach ein paar Meter in gemischten Gelände kommen wir zu einer Plattform, wo wir Steigeisen und Pickel verstauen und uns an die Kletterei machen könnten. Welches genau die 5a-Stelle ist, hat sich mir nicht erschossen, mich dünkten in jeder Seillänge einige Stellen etwas knackig. In der ersten ist es eine abdrängende Traverse, in der zweiten der plattige, kaum absicherbare Start und eine (für mich mit dem Rucksack) anstrengende Rissverschneidungsstelle. Holmger hingegen hüpft leichtfüssig hinauf – die durchaus schöne Kletterei scheint ihn geweckt zu haben. Gegen Ende des Turms wird es dann etwas einfacher, dafür stellenweise brüchig und vereist. Als wir die Pointe Young (3996 m) erreicht haben, bin ich doch etwas müde.

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Blick zurück
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Die letzten Meter zur Pointe Young (Foto: H. Ullrich)
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Dito, mit Tiefblick (Foto: H. Ullrich)
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Nach den schweren Längen an der Pointe Young gehen wir wieder simultan am halblangen Seil (Foto: H. Ullrich).

Gestärkt durch ein paar Schluck Cola geht es einfacher über den Grat weiter zum höchsten Punkt, wo wir abseilen. Intuitiv würde man denken, die Route folge nun weiterhin alles der Gratkante. Nach überklettern eines – für 3c ziemlich knackigen – Turms muss man aber in die Südflanke abseilen bzw. abklettern, und diese über Fels- und Schuttbänder bis zu einem vereisten, sandigen Couloir an der Pointe Marguerite queren. 

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Schöne Kletterei im oberen Abschnitt zur Pointe Marguerite

Von weiten sieht der Wiederaufstieg durch dieses Couloir ziemlich abschreckend aus, geht dann aber – indem wir uns nicht im Couloir sondern auf den Felsen rechts davon bewegen – einfach und problemlos. Nach etwa zwei Dritteln des Aufstiegs zur Pointe Marguerite endet das Couloir auf einem Absatz. Nun folgt nochmals schöne Kletterei durch eine Verschneidung auf den Grat.

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Kurz vor dem Gipfelgrat zur Pointe Marguerite; ein paar Schlaghaken weisen hier den Weg (Foto: H. Ullrich)
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Abklettern von der Pointe Marguerite (Foto: H. Ullrich).

Nun geht es leicht über den Grat zum Gipfel der Pointe Marguerite (4065 m) und von dort auch gleich wieder runter. Die Kletterei ist nie besonders schwer, der Grat aber sehr exponiert, und da wir wieder simultan unterwegs sind, darf niemand stürzen. Jetzt gegen Ende des Tages braucht dies doch nochmals etwas Konzentration.

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Am Fuss der Pointe Hélène (Foto: H. Ullrich)

Nach ein paar Gratzacken erreichen wir den Fuss der Pointe Hélène (4045 m). Auch diese Spitze ist nicht viel höher als diejenigen rund herum, gilt aber als eigenständiger Viertausender. Die schöne, flowige Kletterei und der Gedanke an meine Mutter Helen geben wir wieder etwas Energie und ich freue mich, hier sein zu können.

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Die Pointe Hélène ist schnell bestiegen: während ich noch im Aufstieg bin, klettert Holmger schon wieder runter.
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Auf der Pointe Croz (Foto: H. Ullrich)

Es folgen weitere Gratzacken – so langsam habe ichs gesehen mit diesem Auf- und Ab... Je näher wir der Pointe Croz kommen, desto breiter wird der Grat und desto einfach das Gelände – ab und zu können wir sogar normal gehen, bevor auf den letzten Meter zum Gipfel der Pointe Croz (4110 m) nochmals richtig geklettert werden muss. Eine französische Bergführerin und ihre weibliche Begleitung haben sich hier für die Nacht eingerichtet. Gerne würden wir es ihnen gleich tun, der Platz ist jedoch zu knapp. Zum Trost (ich sehe wohl schon recht müde aus...) drückt sie mir ein paar Stücke schwarze Schokolade in die Hand. Weiter geht's...

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Im Abendlicht auf die Pointe Whymper zu

Der Weiterweg zur Pointe Whymper (4184 m) ist zum Glück leicht und nicht mehr allzu lang. Über einen gemischten Grat und Schutt erreichen wir schliesslich kurz vor halb zehn unser Tagesziel. Zum Glück sind die Tage im Hochsommer so lang!

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Tagesziel erreicht, sechs Viertausender überschritten (Foto: H. Ullrich)

Leider sind die besten Biwakplätze schon besetzt – wir sind nicht die einzigen mit dem Ziel, früh abzusteigen. Nach etwas Suchen finden wir eine Nische, in der wir bequem sitzen können und auch etwas Schnee/Eis zum Schmelzen haben. Das heisse Wasser zum Trinken und das warme Essen tun gut. Es ist zwar verhältnismässig warm und windstill, aber die Müdigkeit lässt uns nicht mehr viel Energie, unsere Körper warm zu halten. 

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Abendstimmung auf der Pointe Whymper – was für ein Erlebnis!

Da die Nische für uns beide zum Schlafen zu klein ist, klettere ich später nochmals etwas höher, um mich dort für die Nacht einzurichten. Hoffentlich kullern wir nachts nicht den Berg runter! Anfänglich friere ich etwas an  Füsse und Beine. Der Schlafsack ist zwar warm genug, aber durch das lange Rumsitzen bin ich ausgekühlt. Hätten wir einen bequemen Platz gehabt, wo wir den in den Schlafsäcken liegend Kochen und Essen hätten können, wärs wohl perfekt gewesen. So ist es nicht ganz Komfort, ich schlafe aber dann doch ganz ordentlich. 

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Aufstehen ist heute nicht so verlockend...

Wir hatten verabredet, um 7:00 aufzustehen und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, schon früher mit Schnee schmelzen zu beginnen, da wir am Abend nur noch für den aktuellen Bedarf Wasser gekocht hatten. Als ich die Augen öffne, bin ich aber im stockdicken Nebel und es geht ein zügiger Wind, so dass ich überhaupt keine Lust habe, mich aus dem Schlafsack zu schälen. Irgendwann überwinde ich mich doch und wir kochen Wasser, Frühstücken und machen uns für den Rest der Tour bereit. 

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Auf der Pointe Walker (Foto: H. Ullrich)

Mit etwas steifen Beinen steigen wir etwa um 9:00 über den Fels- und Firngrat in den Sattel ab und von dort über die Gletscherflanke zur Pointe Walker (4208 m). Die Wolken haben sich verzogenen wir schälen uns aus den Kleider. Vom Gipfel steigen wir nun über den Gletscher zur Felsrippe ab, wobei wir uns kurz  von Spuren in die Irre leiten lassen. Am oberen Ende dieser Rippe gibt es übrigens bequeme Biwakplätze mit Schnee in nächster Nähe. 

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Abklettern über die Felsen unterhalb der Pointe Walker

Wir klettern über leichte aber teilweise lose Felsen ab und erreichen den Firngrat, welcher uns zum Gletscher bringt. Beim Überqueren diese Gletschers zur Whymperrippe muss während etwa 150 m unter einen riesigen Hängegletscher gequert werden. Aktuell sieht dieser nicht besonders absturzbereit aus, trotzdem gehe ich so schnell meine schon etwas müden Beine können. Zum Glück ist der Schnee immer noch gut tragend.

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Bald heisst es Gas geben... (Foto: H. Ullrich)
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Kurz vor der Whymperrippe (Foto: H. Ullrich)

Über eine noch vertrauenswürdige Spaltenbrücke erreichen wir die Whymperrippe, wo wir  Pause machen. Nach etwas abklettern und einmal die Rippe querend abseilen erreichen wir die Abseilpiste, die uns auf den Glacier des Grandes Jorasses bringt. Die Querung dieses Gletscherarms zum Rocher du Reposoir  ist zum Glück einfacher als befürchtet – die vorhandene Spur hilft dabei. Allerdings gibt es auch hier eine gewisse Eis- und Steinschlaggefahr. Für dran sein und zügig gehen ist hier sicher nicht falsch!

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Die Querung des Gletschers zwischen Whymperrippe und Rocher de Reposoir ist dem Eis- und Steinschlag ausgesetzt, der Gletscher of sehr zerklüftet.
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Beim Rocher du Reposoir angekommen
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Am Ende des Rocher du Reposoir erreichen wir den Glacier du Planpincieux.

Wir klettern über den Rocher du Reposoir ab. Der Fels ist hier solide und meist leicht zu klettern, jedoch ich spüre meine Müdigkeit, und wir sind nicht mehr schnell. Dies ist jetzt aber auch nicht mehr wichtig. Nach mehrmaligem Abseilen an neuen Kettenständen erreichen wir schliesslich den Glacier du Planpincieux. Nun kommen wir dank einer gut angelegten Spur, welche die teilweise riesigen Spalten sicher umkurvt, gut voran. Links und rechts ist der Gletscher so zerrissen, wie ich es kaum je gesehen habe! 

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Fixseilpassage gleich oberhalb des (geschlossenen) Rifugio Boccalatte

Als wir auf ca. 3000 m die Felszunge erreichen, wissen wir: Es ist geschafft! Die Gefahren sind vorbei und wir können uns Zeit lassen. So machen wir eine gut stündige Pause, in der wir nochmals Schnee schmelzen und uns eine warme Malzeit kochen. Das tut gut und gibt uns Zeit, die eindrückliche Gletscherwelt in uns aufzusaugen und die Eindrücke zu verarbeiten. Schliesslich nehmen wir den zweiten Teil der insgesamt 2700 Höhenmeter Abstieg unter die Füsse. Teilweise geht es über einen guten Weg, oft aber auch über Geröll, Felsstufen, Leitern oder an Fixseilen in Richtung Val Ferret

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Blick zurück zum Rifugio Boccalatte (eingekreist)

Auch nach dem Rifugio Boccalatte ist der Weg aufgrund der Fixseilhangelei und grossen Tritten für meinen müden Körper anstrengend, dafür kommen wir zügig voran. Je weiter wir runterkommen, desto heisser wird es – einmal flüchten wir uns für eine kurze Pause in den Schatten nahe eines stiebenden Wasserfalls – herrlich! 

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Allmählich rückt die Grandes Jorasses in die Ferne...

Schliesslich wird der Weg immer besser, und kurz bevor die Hitze unaushaltbar wird, erreichen wir den lichten Bergwald. Etwa nach 18:00 kommen wir schliesslich in Planpincieux an. Zwar verpassen wir ganz knapp den Bus, haben dafür noch Zeit für eine Cola, bis der nächste fährt. Wir holen unser Auto in Entrèves ab und fahren wieder zurück nach Planpincieux wo wir uns im sehr gemütlichen Camping Grandes Jorasses einquartieren und bei Bier und Pizza auf die Tour anstossen. Dass wir am nächsten Morgen im Zelt liegend zur Pointe Whymper und Walker sehen können, ist das Tüpfli auf dem i!


Gipfel:           Aiguille de Rochefort, Dôme de Rochefort, Pointe Marguerite, Pointe Hélène, Pointe Croz, Pointe Whymper, Pointe Walker
Route: Überschreitung West – Ost
Ausgangspunkt:  Torinohütte
Höhe: 4001 m, 4015 m, 4065 m, 4045 m, 4110 m, 4184 m, 4208 m
Schwierigkeit: S, 5a

Führer:

Hochtouren Westalpen Band 2 (Rother Verlag) oder Chamonix (Rockfax) 

Material:

 

Gletscherausrüstung, viele Zackenschlingen, 6-8 (lange) Expressen, Cams 0.4-2, 50 m Seil, je nach Strategie Biwakausrüstung