Gwächtenhorn SSW-Grat (3404 m)

                                                                                                   

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Der Gwächtenhorn SSW-Grat mit seinen unzähligen Türmen und Türmchen

"Der Gwächtenhorn SSW-Grat hat wohl in den letzten 20 Jahren kaum mehr als eine Begehung pro Jahr gesehen..." kann man im Internet lesen, wenn man die Tour googlet. Klingt gut, finden wir, und wandern am Samstag Nachmittag auf dem schönen Hüttenweg gemütlich in 2:30 h von der Göscheneralp zur noch geschlossenen Chelenalphütte. Dabei haben wir genug Zeit, unseren Blick auf das morgige Ziel zu werfen und den Zustieg zu planen. Im Winterraum werden wir von einem üppigen Getränkevorrat überrascht und geniessen noch die Sonne auf der schönen Terrasse, bevor es dann nach dem Nachtessen bald ins Bett geht.

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Morgenstimmung über dem Göscheneralpsee

Um 3:30 klingeln die Wecker und nach einem kalorienreichen aber raschen Frühstück gehts Punkt vier Uhr los. Auf gut markiertem Weg steigen wir abwärts zur Moräne und auf dieser wieder leicht aufwärts, bis wir dann etwas mühsam den Geröllhang zum Chelengletscher runter rutschen und Richtung Einstieg aufsteigen. Dank den reichlichen Schneemengen in diesen Frühsommer können wir bis zum Einstiegscouloir  praktisch alles auf Firn aufsteigen. Steil und anstrengend, aber unproblematisch.

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Die plattige Querung zum Grat

Unproblematisch ist auch der Übergang auf den Fels. Nun geht es durch feuchte, brüchige Rinnen und plattige Stufen aufwärts. Die im Führer beschriebene, leicht abwärts führende Linksquerung (Bänder, leicht absteigend) finden wir auf Anhieb. Es folgt typisches III-er Gelände über Platten - nicht schwierig, aber exponiert und nicht absicherbar, weshalb wir noch seilfrei gehen. Wir queren unter dem gelben Turm hindurch wieder nach rechts und seilen uns dort für die erste 4c Seillänge an.

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In der Querung zum Grat
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Der Schein trügt - der Fels ist hier äusserst brüchig, und selbst solide scheinende Zacken können ausbrechen

Diese beginnt schön - steil und gutgriffig und in recht kompaktem Fels. Danach wird dieser leider sehr lose und brüchig, selbst solide aussehende Zacken und Leisten brechen unerwartet aus, was auch die Sicherungs-möglichkeiten sehr beschränkt. Die genaue Wegfindung ist hier nicht ganz einfach - verschiedene Varianten sind möglich. Im Grossen und Ganzen befinden wir uns wir aber gut auf der Route und finden auch die eingezeichneten Schlaghaken am zweiten 4c-Turm. Dieser ist jedoch im oberen Bereich auch in den schweren Stellen extrem brüchig - wirklich heikel... Hier weicht man am besten nach rechts in den weissen, plattigen Fels aus.

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Am 50 m-Turm (5a) findet man schön kompakten Granit (Bild: Muri Fischer)

Zum Glück wird es nun besser, durch leichtes Gelände erreichen wir den 50 m-Turm. Hier ist der Fels verhältnismässig solide, teilweise sogar super schön kompakt und lässig zu klettern. Die 5a-Schlüsselstelle ist steil, an stets etwas falsch orientierten Zacken. Danach wird es etwas einfacher, aber ohne viele Möglichkeiten, Sicherungsmittel zu platzieren. Es stecken hier dafür ein paar ältere und neuere Normalhaken. Zeit für Drohnenbilder!

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Weiter geht es auf oder leicht neben dem Grat

Die darauf folgende, im Führer mit "steil und brüchig" bezeichnete Rinne empfinden wir dann gar nicht mehr so brüchig. Auf dem kommenden Abschnitt weichen wir wohl etwas stärker links in die Flanke aus als im Führer beschrieben. Hier ist das Gelände wieder brüchig, aber relativ leicht. Nachdem wir in einer plattigen und für den Vorsteiger psychisch anspruchsvollen Seillänge wieder auf den Grat gelangen, sind wir jedenfalls schon bei der Abseilstelle in die Breite Rinne. In dieser angekommen, verstauen wir das Seil für den Rest des Tages auf dem Rucksack und steigen die Rinne auf zum Drachenkopf, wobei wir ganz am Schluss nochmals etwas zupacken müssen.

Nun folgt klassische Gratkletterei im dritten Grad, auf und ab über unzählige Türmchen; teilweise sehr exponiert aber meist gutgriffig und in solidem Fels. So macht das Spass! Fast schon unerwartet plötzlich stehen wir auf dem Vorgipfel. Nach einem kurzen Abstieg und einer Pause wandern wir im nassen aber zum Glück nicht allzu tiefen Schnee auf den Gipfel, den wir kurz vor halb eins erreichen.

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Abstieg vom Gipfel Richtung Sustenlimi - nur mit den Ski wäre es noch bequemer...

Der Abstieg zum Sustenlimi ist dann auch recht angenehm, wenngleich etwas langweilig. Das Beste aber folgt danach: Dank perfektem Rutschschnee bis ca. 200 Höhenmeter oberhalb der Chelenalphütte erreichen wir diese äusserst bequem - so sollte es immer sein! Bei der Hütte warten Bier und Chips, und gestärkt kann uns auch die Gegensteigung beim Abstieg zur Göscheneralp nicht mehr beeindrucken. Kurz vor 5 dort angekommen gönnen wir uns noch eine Cola bevor es auf die Heimreise geht.

 

FAZIT: Wer Einsamkeit und Wildnis sucht, dem sei die Tour empfohlen, wer stabilen Fels sucht, dem eher nicht. Definitiv mehr Abendteuer als Genusstour.

Gipfel:           Gwächtenhorn
Route: SSW-Grat
Ausgangspunkt:  Chelenalphütte
Höhe: 3404 m
Schwierigkeit: S+, 5a
Karte/Führer: Hochtouren Topoführer Urner, Glarner, Tessiner Alpen
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