Lagginhorn Südgrat (4010 m)

Mit Manuela                                                                                                   08/08/16

Lagginhorn Südgrat, Lagginjoch
Das Lagginjoch, links der Südgrat, rechts der Anfang des Weissmies-Nordgrats

Manuela lerne ich in der Boulderhalle Lenzburg kennen, und es kommt die Idee auf, einmal zusammen eine Hochtour zu unternehmen. Für unsere erste gemeinsame Tour suchen wir etwas, das locker in unserem Komfortbereich liegt, so fällt die Wahl schliesslich auf den Lagginhorn Südgrat. Bequem (oder faul...) reisen wir per Zug und Bergbahn zum Bergrestaurant Hohsaas, wo wir noch den sommerlich warmen Nachmittag geniessen und dann nach dem Nachtessen im angenehmen 6-er Zimmer zu ein paar Stunden Schlaf kommen.

Lagginhorn Südgrat, Lagginjoch
Beim Erreichen des Lagginjochs wird es hell - Blick nach Süden

Beim Frühstück um 4:00 drücke ich ein grosses Müesli und 5 Scheiben Brot runter und um 4:40 marschieren wir los. Über Wegspuren und Geröll steigen wir südlich der Gratkuppe, die zum Punkt 3329 m hinaufführt auf, während andere Seilschaften diese nördlich umgehen. So kommen dank einer Mischung aus Spürsinn und Glück sehr direkt zum Hohlaubgletscher. Hier seilen wir an und gehen mit Steigeisen über den knusprig-griffigen Firn zum Lagginjoch, welches wir um 5:50 erreichen. Gleichzeitig wird es hell - ein perfektes Timing! Vor uns sind noch vier weitere Seilschaften zum Joch gestiegen, zwei davon nehmen aber den Nordgrat zum Weissmies in Angriff. Wir verstauen die Steigeisen, fotografieren ausführlich die herrliche Morgenstimmung und trinken etwas - schauen aber auch, dass wir noch vor der uns langsam erscheinenden Dreierseilschaft losklettern können (überholen wäre allerdings auf dem gesamten Grat überhaupt kein Problem gewesen).

Lagginhorn Südgrat, Lagginjoch
Im Lagginjoch, Blick Richtung Süden (Foto Manuela Wiedmer, bzw. ihr Handy R.I.P)
Lagginhorn Südgrat, Lagginjoch
Schöne Gratkletterei in stabilem, griffigem Fels

Wir klettern los. Der Fels ist trocken, fast immer äusserst stabil und schön strukturiert, die Kletterei bewegt sich meist zwischen Gehgelände und Kraxelei im 2. Grat, beinhaltet aber ein paar schöne 3er Stellen. Das gegenseitige Vertrauen ist sofort da, so klettern wir praktisch immer simultan am auf ca. 10 m verkürzten Seil. Wir haben zwar ein paar Cams und Abseilsachen dabei, brauchen aber nichts davon, sondern legen höchstens mal das Seil um einen Felszacken und klettern alle Türme ab. Beim ersten Gendarm müssen wir kurz über etwas vereiste und verschneite Felsen in die windige und schattige Westflanke absteigen, was kurz für kalte Finger sorgt, dann sind wir aber wieder zurück auf dem sonnigen Grat. So kommen wir gut voran und das zügige Kraxeln und Klettern macht unglaublich Spass! Obwohl wir uns viel Zeit zum Fotografieren, Herumschauen und Essen/Trinken nehmen, erreichen wir um 9:10 den Gipfel, also in 4.5 h von der Hütte.

Lagginhorn Südgrat
Einer der schönen 3er Stellen auf dem Südgrat

Nach einer ausgiebigen aber wegen dem frischen Wind auch nicht allzu langen Gipfelrast machen wir uns an den Abstieg. Das Gipfelfirnfeld ist schon etwas blank, dank guter Spur und geringer Steilheit aber problemlos. Danach verstauen wir die Steigeisen endgültig und steigen über die sehr losen und teilweise etwas vereisten Felsen ab, dabei kreuzen wir zahlreiche Seilschaften. Eine davon (sie ist noch weit unten und gerade dabei, sich wegen einer einfachen Felsstufe anzuseilen) macht Anstalten, uns beim Abstieg zu helfen und lobt uns dann, als wir die Hilfe nicht brauchen mit "bravo!". Wenn ich mit einem männlichen Partner unterwegs bin, wird oft angenommen, dieser sei mein Bergführer - mit einer Frau bekommt man also ein "bravo", selbst auf einer leichten Tour... Es scheint für viele grosse, starke Männer schwer vorstellbar zu sein, dass eine 1.56 m grosse Frau besser sein könnte als sie.

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Grossartige Aussicht vom Gipfel auf schon bestiegene Berge und neue Ziele

Beim Abstieg mache ich mir noch Gedanken, warum wir bei dieser Tour die Führerzeiten so leicht unterbieten konnten, während wir (bei gefühlt fast gleichem Tempo) für die Tour von der Domhütte auf die Lenzspitze deutlich länger gebraucht hatten. Vermutlich, weil der Lagginhorn Südgrat viel öfters und auch von wenig erfahrenen Berg-steigern begangen wird.

Über den spaltenfreien Lagginhorngletscher und anschliessend auf gutem Weg erreichen wir die Weissmieshütte, wo wir bei einem Bier auf die gelungene Tour anstossen, bevor wir dann wieder mit Hilfe der Bergbahnen und per Zug nach Hause reisen. 

Danke Manuela für die tolle Tour, es hat unglaublich Spass gemacht!

Gipfel:           Lagginhorn
Route: Südgrat, Abstieg Normalweg (Westgrat)
Ausgangspunkt:  Bergasthof Hohsaas
Höhe: 4010 m
Schwierigkeit: ZS-, III
Karte/Führer: Hochtouren Topoführer Walliser Alpen