Matterhorn Hörnligrat (4478 m)

Mit Philipp                                                                                                     29/09/18

Matterhorn, Horu, Hörnligrat, Bersteigen, Zermatt, Schweiz
Wieviele solche Fotos existieren wohl?

"Ah, du gehst Bergsteigen - dann warst du sicher auch schon auf dem Matterhorn?!" Mein bisheriges Verneinen erntete jedesmal Unverständnis: wie kann man auf fast allen 4000er der Schweiz gewesen sein, aber nicht auf dem Matterhorn? Bei den Routen über den Hörnli- und Liongrat habe mich bisher die vielen (oft überforderten) Leute abgeschreckt, sowie die Tatsache, dass man ohne Bergführer hinten anstehen muss; für anspruchsvollerer Routen wie den Zmuttgrat oder die Nordwand haben entweder die Verhältnisse nicht gepasst oder es hat ein geeigneter Tourenpartner gefehlt. So fiel irgendwann die Entscheidung, das "Horu" nach Saisonschluss der Hörnlihütte über den Hörnligrat anzugehen.

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Herrlich warmes Herbstwanderwetter (Foto: Philipp Kohler)

Nach Einreichen eines Forschungsgesuches reise ich am Freitag Vormittag per Zug nach Bern, wo Philipp zu mir stösst. Gemeinsam fahren wir weiter nach Zermatt und von da aus mit der Gondel zum Schwarzsee. Den Blick stets auf das morgige Zeil gerichtet, steigen wir gemütlich zur Hörnlihütte auf und besetzen uns im "Notraum", der jetzt um vier Uhr schon zur Hälfte belegt ist, ein Bett. Auch wenn hier Kochmöglichkeiten und Decken fehlen und der Essraum sehr klein ist, so ist der Raum sauberer und gemütlicher als sein Ruf.

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Abendessen vor der Hütte. Im Notraum ist Kochen verboten, der Raum bietet auch nur wenigen Leuten Platz zum Essen.

Nach einem kleinen Imbiss setzten wir den Helm auf und machen uns ohne Gepäck auf eine kleine Rekognosziertour. Bei Tageslicht empfinden wir die Routenfindung als relativ einfach. Ein, zwei Stellen wo die Route scharf abbiegt und über die Felsen hinaufführt statt (falschen) Wegspuren folgt, wären aber im Dunkeln leicht zu verpassen gewesen, somit sind wir froh, diese Abzweigungen jetzt schon zu kennen. Nach ca. 40 Minuten kehren wir um - zuversichtlich und voll Vorfreude. Die Verhältnisse könnten nicht besser sein, das bestätigen uns auch vom Gipfel zurückkehrende Bergsteiger. Wir kochen auf der grossen Terrasse unser Essen mit dem mitgebrachten Wasser und plaudern mit anderen Gipfelaspiraten, von denen sich unterdessen etwa 30 um die Hütte versammelt haben. Alleine würden wir morgen nicht sein!

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Nach dem ersten Stück in der Ostflanke klettert man teilweise exponiert auf dem Grat, bevor man wieder in die Flanke zurück muss. (Foto: Philipp Kohler)

Wir setzen den Start auf sechs Uhr - länger als eine Stunde im Dunkeln klettern mögen wir nicht, auch wenn es dank fast vollem Mond durchaus möglich gewesen wäre. Kurz nach vier Uhr beginnen die ersten Bergsteiger, sich bereit zu machen. Das nervt mich  einerseits wegen der Unruhe etwas, andererseits bin ich froh, dass nicht alle gleichzeitig losgehen und Stau verursachen. Als wir uns um 5:40 auf den Weg machen, sind wir fast die letzten. Die wenigen Minuten Gehweg von der Hütte zum Einstieg reichen gerade, um eine langsame Dreierseilschaft zu überholen. Dank Routenkenntnissen kommen wir gut voran und wir gelangen problemlos auf den Grat, wo die Wegfindung offensichtlich und die Kletterei an kompaktem, grossgriffigem und abgegriffenem Fels sehr schön ist. Erst später, als die Route in die Flanke quert, müssen wir etwas überlegen und kurz zurückgehen. Hier gibt es aber auch mehrere Möglichkeiten.

 

Sonennaufgan, Moterose, Dufourspitze, Nordend, Lyskamm, Breithorn, Rimpfischhorn, Allalinhorn, Strahlhorn
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Morgenstimmung um 8:15 beim Solvaybiwak

Um 7:40 geht die Sonne auf und wir gönnen uns eine kurze Trink- und Esspause. Hier holen wir etwa 4 Seilschaften ein, aber Überholen geht problemlos. Wir gehen weiterhin seilfrei bis zur unteren Moseleyplatte, wo wir in einer 25m langen Seil-länge zum Solvaybiwak  klettern. 

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Schöne Kletterei in kompaktem Fels oberhalb des Solvaybiwaks

Nach einem Blick ins Solvaybiwak klettern wir nochmals mit Standplatz-sicherung über die obere Moseleyplatte und verstauen dann das Seil wieder. In leichter aber schöner Kraxelei in kompaktem Fels geht es weiter zur Schulter.

 

 

 

 

Hier beginnt das mit Fixseilen ausgerüstete Dach. Aufgrund der Fixseilen verzichten wir vorerst noch auf Steigeisen, obwohl die Felsen ab hier mehrheitlich mit Eis und Firn überzogen sind. Ich versuche so viel wie möglich im Fels zu klettern, denn das Hangeln an den dicken Tauen ist wegen der Steilheit recht anstrengend. Zum Glück kommt uns hier nur eine Seilschaft entgegen -  viel Gegenverkehr wäre hier mühsam gewesen.

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Guter Trittschnee und Tiefblick unterhalb des Gipfels
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Der St. Bernhard ist der Schutzheilige der Bergsteiger. Ihn zu umarmen kann also nicht schaden ;-) (Foto Philipp Kohler)

Am Ende der Fixseile ziehen wir dann die Steigeisen an und gehen in gutem Trittfirn  zum Schweizer Gipfel - natürlich nicht ohne den St. Bernhard zu umarmen! Über einen schön geschwungenen und schon etwas dünnen Firngrat gelangen wir erreichen wir anschliessend Punkt 10 Uhr Italiener Gipfel. Was für eine Aussicht von diesem wegen seinem Mythos doch irgendwie speziellen Berg!

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Schöner Gipfelgrat zum Italiener Gipfel (Foto: Philipp Kohler)
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Abklettern in gutem Fels

Es ist hier etwas windig und nach ca. 20 Minuten Gipfelrast beginnen wir mit dem Abstieg - im Wissen, dass dieser wohl etwa gleich viel Zeit und Konzentration beanspruchen würde wie der Aufstieg. Wiederum haben wir Glück mit dem Gegenverkehr - drei Seilschaften kreuzen wir im Gipfelfirnfeld gerade noch vor den Fixseilen, die nächste Partie erst wieder danach. Abwärts hilft die Schwerkraft etwas beim Tau-Hangeln und man kann dank Handschuhen etwas an den Seilen "runterschleifen", auch wenn man natürlich aufpassen muss, nicht abzurutschen. Unten bei der Schulter verstauen wir die Steigeisen und kommen - warmen Fels unter den Fingern geniessend - zügig zum Solvaybiwak.

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Die kurze Wartezeit bei der unteren Moseleyplatte schafft Gelegenheit für eine kleine Trinkpause und ist bei dem Prachtswetter direkt willkommen.

Über die Moseleyplatten sichern wir wieder - hier gibt es sogar kurz "Stau". Heute sind aber praktisch nur sehr schnelle und geübte Bergsteiger unterwegs - und kaum haben wir die Trinkflasche ausgepackt ist der Weg auch schon wieder frei. Was für ein Luxus bei diesen perfekten Bedingungen und dem Prachtswetter!

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Steinschlag, der sich hinter uns über die ganze Flanke zieht, erinnert uns daran, dass man hier besser nicht allzu lange und nicht mit allzu vielen Leuten unterwegs ist. (Foto: Philipp Kohler)

Der weitere Abstieg zieht sich dann recht in die Länge. Man kann kaum mal mehr als drei-vier Schritte normal gehen und das Abklettern ist zwar nie schwer, braucht aber Zeit. Wir nehmen es gemütlich, da sich allmählich eine gewisse Müdigkeit (vor allem im Kopf) bemerkbar macht. Aufgrund der Tatsache, dass man sich abgesehen von den ersten und letzen 5 Minuten stets im Absturzgelände befindet, darf man die Tour - obwohl nur mit ZS+ klassiert - nicht unterschätzen.

Langsam aber sicher kommt die Hütte näher, das letzte Wegstück kennen wir unterdessen richtig gut, und um 20 vor 3 erreichen wir - schon fast wieder vergnügt - die Hütte. Nach dem Zusammenpacken des hier deponierten Materials wandern wir zum Schwarzsee hinunter, wobei wir glücklicherweise keine Angst haben müssen, die letzte Bahn um 16:45 zu verpassen. In Zermatt gibt es dann ein wohlverdientes Bier und um 17:37 steigen wir in den Zug heimwärts.

 

"Ah, dann warst du sicher auch schon auf dem Matterhorn?" "Ja, natürlich!"

 

Gipfel: Matterhorn
Route: Hörnligrat
Ausgangspunkt: Hörnlihütte 
Höhe: 4478 m
Schwierigkeit: ZS+, 3b
Karte/Führer: Hochtouren Topoführer Walliser Alpen