Gross Grünhorn (4044 m) - Grünegghorn (3860 m)

Skihochtour Gross Grünhorn, Grünegghorn, Berglihütte
Bei der Mönchsjochhütte - Blick Richtung unners Mönchsjoch

26/05/16: Zustieg Berglihütte

Die Anreise aufs Jungfraujoch ist wie immer lang und von touristischer Hektik geprägt. Immerhin haben wir diesmal die Gelegenheit, in der Jungfraubahn direkt neben der Führerkabine zu sitzen und von Führer interessante Details zu erfahren. So wissen wir nun, dass die Bahn 2 Tempi hat (14 km/h und 27 km/h), dass aber bald neue, schnellere Züge eingesetzt werden sollen und die Kapazität damit deutlich erhöht werden kann. Um halb zwei starten wir beim Stollenloch. Die Sonne brennt heiss, während wir gemütlich auf der Piste Richtung Mönchsjochhütte ziehen. 

Skihochtour, Gross Grünhorn, Berglihütte
Abfahrt zum Skidepot oberhalb der Berglihütte

Dort angekommen fellen wir ab und fahren in völlig durchnässtem Schnee aufs Ewigschneefeld hinunter, bevor wir dann zum unneren Mönchsjoch aufsteigen. Der Aufstieg ist kurz aber steil, der Schnee jedoch perfekt zu spuren. Nun folgt die Abfahrt in gepresstem, aber noch pulvrigen Schnee. Nachdem beim Zustieg zur Berglihütte bis jetzt jedesmal Nebel hatten, haben wir diesmal endlich gute Sicht - somit finden wir auch erstmals auf Anhieb den richtigen Weg. Auch die Bedingungen auf den Grat nach dem Skidepot sind super - der Grat ist gut eingeschneit und wir haben kaum Felskontakt. Im Nachhinein hätte man wohl statt über den Grat zu steigen auch direkt zur Hütte fahren können.

Skihochtour, Gross Grünhorn, Berglihütte
Abstieg zur Hütte - man sieht sie erst kurz bevor man dort ist

So sind wir um drei Uhr schon bei der Hütte und vertreiben die Zeit mit Holz hacken, anfeuern, Schnee schmelzen und Wasser kochen. Später kommen nochmals zwei Tourengänger an. Wir kochen Pasta in einer Tütensuppe mit Rahm und Käse, und füllen eine Thermosflasche mit heissem Wasser für das Frühstück am nächsten Tag. Kurz vor neun gehen wir ins Bett. Da ich trotz Daunenjacke etwas fröstle, schlafe ich allerdings nicht besonders gut.

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Gross Grünhorn und Grünegghorn vom unneren Mönchsjoch - hinten rechts das Fiescher Gabelhorn

27/05/16: Gross Grünhorn und Grünegghorn 

Um halb vier stehen wir auf, und nach dem Frühstück und aufräumen der Hütte gehen wir um halb fünf los. Es ist windig aber warm. Der nasse Schnee hat etwas angezogen, und das Spuren fällt relativ leicht, so sind wir um 20 nach fünf schon auf dem unneren Mönchsjoch. Wir ziehen die Felle ab und fahren übers Ewigschneefeld bis etwa auf 3160 m ab. Der Gletscher ist hart gefroren, so kommen wir schnell voran - allerdings werden wir ziemlich durchgeschüttelt. Deshalb bin ich froh, dass wir nun wieder anfellen und aufsteigen können. 

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Gipfelgrat des Gross Grünhorns

Beim Aufstieg folgen wir einer alten Spur, die einen guten Weg durch das Spaltenlabyrinth gelegt hat. Dass es noch direkter gegangen wäre, sehen wir später an einer geführten Seilschaft, die etwas hinter uns aufsteigt. Im Sattel zwischen Grünhorn und Grünegghorn machen wir kurz Pause um etwas zu essen und zu trinken. Dann steigen wir weiter in der Flanke auf, bis wir auf Höhe des Bergschrundes zum Grat traversieren und dort Skidepot machen. Nun kraxeln wir stets entweder direkt auf dem Grat oder in Gratnähe hinauf auf den Gipfel. Die Bedingungen sind super, es gibt nirgens Blankeis. Um zehn nach neun stehen wir auf dem Gipfel und geniessen die Sicht auf Finsteraarhorn, Schreckhorn, Lauteraarhhorn, Fiescherhörner, Eiger, Mönch, Jungfrau, Aletschhorn und Fiescher Gabelhorn. Was für ein super Tag!

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Im Abstieg vom Grünegghorn - Blick zurück zum Gross Grünhorn

Bei Abstieg folgen wir erst dem Grat, können dann aber weiter unten wegen guten Trittschnee direkt in der Flanke zum Skidepot absteigen. In gepresstem Schnee fahren wir eher unelegant zum Sattel ab. Hier binden wir die Ski auf und machen uns an den Aufstieg zum Grünegghorn. Weil das erste Stück des Grates blank ist, beschliessen wir, erst in der steilen Flanke zu bleiben. Das schein zuerst eine gute Entscheidung, da hier guter Trittschnee liegt. Später aber kommt stossen wir unter dem Schnee auf hartes Eis. Ich bereue es sehr, statt meinen scharfen BD Sarken Leverlock Steigeisen des Gewichtes zuliebe nur ein paar stumpfe Alusteigeisen mitgenommen zu haben - so bin ich froh, dass Matthias mich über die blanke Stelle sichert. Danach gehts leicht über den scharfen und verwechteten Grat aufs Grünegghorn und direkt weiter zum Punkt 3787 m, wo wir die Ski wieder anschnallen können. Zuerst gönnen wir uns aber eine ausgiebige Pause, hier ist es nämlich warm, und es ist erst zwanzig nach elf.

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Kurz vor der Grünhornlücke

Nun folgt eine lange Abfahrt, erst über die Südwestflanke, dann über die Südflanke des Grünegghorns. Ganz oben ist der Schnee noch etwas hart, zuunterst schon sehr tief, aber im langen Mittelteil liegt perfekter Sulz! Nach den Genuss müssen wir nun den Gegenanstieg zur Grünhornlücke in Angriff nehmen. Vorher ziehen wir aber so viel Kleiderschichten wie möglich aus, denn die Sonne brennt heiss. So nehmen wir es auch gemütlich und kommen kurz vor eins zur Lücke. Von hier fahren wir traversierend in sehr nassem und tiefen Schnee Richtung Finsteraarhornhütte. Nach erneutem Anfellen und kurzem Gegenanstieg sind wir kurz vor zwei bei der Hütte.

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Blick von der Terrasse der schönen Finsteraarhornhütte zum Gross Grünhorn

Wir legen die Sachen zum trocknen aus und geniessen Bier und Parmesanwürfel auf der Terrasse, wobei wir nochmals auf den Gipfel zurückschauen können - wie könnte es besser sein! Wir treffen auch alte Bekannte, so vergeht die Zeit bis zum feinen Nachtesssen mit Gemüsebouillon, Salat, Spaghetti Bolognese und Staldercrème mit Rahm und Smarties schnell. Die Nacht wird wie erwartet dank Geschnarche, warmen Temperaturen im Schlafraum und einem nächtliches Gewitter eher mässig.

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In der Bächilücke

28/05/16: Abfahrt Bächilücke

Am nächsten Morgen stehen wir um halb fünf auf, nehmen es aber gemütlich, beim Frühstück, da das Wetter keine lange Tour zulässt. Um 20 nach 5 fahren wir dann über das Ewigschneefeld zum Rotloch ab. Glücklicherweise können wir dabei den beiden vorausfahrenden Gruppen folgen, den neben der frischen Spur ist der vom nächtlichen Gewitter durchnässte Schnee wie Leim. Gemeinsam mit fünf weiteren Seilschaften, die dasselbe Ziel haben fellen wir an und steigen im Nebel auf. Ich übernehme das Spuren, wobei die Schwierigkeit darin liegt, die sehr schwach sichtbaren alten Spuren nicht zu verlieren. Irgendwann verliere ich die Spur aus den Augen und wir können uns zum Glück einer mit GPS und Kompass ausgerüsteten Gruppe anschliessen. Gemeinsam mit einer dritten Seilschaft suchen wir uns den Weg zur Lücke und sind alle froh, kurz vor acht Uhr dort anzukommen.

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Die Abfahrt von der Bächilücke ist bei gutem Schnee fantastisch

Auch die Abfahrt ist zu Beginn nicht besser - zum Glück sieht man hier die alten Spuren wieder gut, sonst wäre es wegen den Spalten recht gefährlich. Nach Abrutschen über einen steilen, harten und holprigen Hang ist der Schnee besser, und irgendwann ist auch die Sicht wieder da. Allerdings wird es je länger je nässer und leimiger. Kurz nach Ende des Gletschers ist auch der Schnee fertig, und wir wechseln auf die Laufschuhe und wandern gemütlich auf dem Strässchen in 75 Minuten hinunter nach Reckingen. Dieser Weg ist wohl nicht der direkteste, und der Abstieg über die langen Kehren zieht sich, aber dank der Kürze der Tour sind wir noch nicht besonders müde, so ist das gut auszuhalten. Um zehn vor elf sind wir am Bahnhof, wo wir Salami und Brot essen und danach über Brig und Zürich nach Baden reisen. Auch wenn die Bedingungen an diesem Tag nicht die besten waren, so war es doch die beste Variante, aus dem Gebiet zu kommen.

Gipfel:           Gross Grünhorn, Grünegghorn

Route:

 

Aufstieg über Südwestflanke, Überschreitung Grünegghorn, Abfahrt Südflanke
Ausgangspunkt: Berglihütte, Alternativ Mönchsjochhütte oder Konkordiahütte
Höhe: 4044 m, 3860 m
Schwierigkeit: ZS-, Zustieg zur Berglihütte S-

Karte/Führer:  

Skitourenkarte Jungfrau 264S/Skitouren Berner Alpen Ost