Schärhorn (3294 m)

27/05/17

Gross Schärhorn, Skitour, Klausenpass, Chammlialp, Griessgletscher, Chammlilücke, Nordflanke
Das Schärhorn im Abendlicht; im Blickfeld ist die Route über Chammlialp, Griessgletscher und Nordflanke, die ich für die Abfahrt wähle.

Will man auf dem Gipfel seine Ruhe geniessen, besucht man Clariden und Schärhorn am besten im Winter. Dann nämlich müssen  wegen dem geschlossenen Klausenpass deutlich mehr Höhenmeter überwunden werden (es sei denn, man startet von der Planurahütte aus), was viele Tourengänger abschreckt. Sobald der Pass offen ist, wird das Gebiet  zum Skitourenmekka - auch weil um diese Jahreszeit die möglichen Tourenziele wegen des sich in die Höhe zurückziehenden Schnees stark beschränkt sind. So kann es an Auffahrt oder Pfingsten schon morgens um 04:30 zu akutem Parkplatzmangel kommen.

Eine andere Möglichkeit, auf der Tour etwas Ruhe zu erleben, ist sehr früh zu starten. Dies ist mein Plan für das Schärhorn, und so fahre ich am Abend über den Klausenpass und übernachte im Auto auf der Urner Seite des Passes etwas unterhalb des Hotels, von wo ich einen guten Ausblick auf mein Ziel habe.

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Kurz nach dem Iiswändli dämmert es endlich und der Clariden wird erkennbar.

Weil mir keine aktuellen Infos über die Verhältnisse im (kürzeren) Aufstieg über die Chammlialp und den Griessgletscher vorliegen, entscheide ich mich, über die mir von der Clariden-überschreitung schon bekannte Route übers Iswändli und Chammlijoch aufzusteigen. So starte ich morgens um 02:00 mit der Tour - 03:00 hätte auch noch gereicht um allein auf dem Gipfel zu stehen. Gerade wenn man die Route nicht kennt, ist es empfehlenswert, das Timing so zu legen, dass es in den etwas heiklen Passagen kurz vor dem Iiswändli schon dämmert. Zudem gilt es zu bedenken, dass bei einem frühen Start etwas mehr Zeit berechnet werden muss, da der Aufstieg auf den tiefen, pickelhart gefrorenen Abfahrtspuren vom Vortag sehr kraft- und zeitraubend ist und man bei der  Wegfindung nicht auf eine Aufstiegspur zählen kann.

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Sonnenaufgang am Gipfelhang

Nach dem Iiswändli kann ich endlich die Stirnlampe ausschalten, brauche sie dann aber wieder, als ich auf der Sonnenaufgang-abgewandten Seite vom Chammlijoch um die Felszunge des Chammlihorens abfahre. Hier lohnt es sich übrigens, die Felle abzuziehen, denn die nur leicht abfallende Strecke ist lang und lässt sich ohne Felle sehr viel schneller zurücklegen. Nun folgt der schöne, unschwere Gipfelhang, wobei auch hier der frühe Start die Unanehmlichkeit einer ruppigen harten Aufstiegsspur mit sich bringt. Dies nehme ich allerdings gerne in Kauf, kann ich doch die wunderschöne Morgenstimmung in aller Ruhe geniessen. Erst als ich schon weit oben bin, sehe ich einen weiteren Tourengänger von der Planurahütte in Richtung Schärhorn  gleiten.

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Eine gut ausgetretene Spur führt zum unbevölkerten Gipfel.

Beim Skidepot wechsle ich auf Steigeisen und gehe auf guter Spur den Grat hinauf zum Gipfel - ein Pickel ist bei solchen Bedingungen nicht nötig. Oben lasse ich mir Zeit fürs Picknick und die grandiose Aussicht - was für ein Tag! Nun kann ich aus der Ferne Tourengänger ausmachen, die aus verschiedenen Richtungen zum selben Gipfel aufsteigen. Gemütlich mache ich mich dann auf den Abstieg, wechsle ein paar Worte mit den mir entgegenkommenden Tourengängern und pausiere nochmals beim Skidepot. Jetzt -kurz vor acht - ist der Schnee ist noch hart, somit habe ich keine Eile mit der Abfahrt. 

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Blick auf die Abfahrt über Ostgrat und Nordflanke zur Chammlilücke; im Hintergrund Chammliberg (links) und Clariden.

Da ich die Route über die Chammlilücke auch gerne kennenlernen will, fahre ich über den Ostgrad und die Nordflanke ab. Hier hat die Sonne den Schnee schon etwas erweicht und ich finde angenehme Bedingungen vor, auch wenn eine halbe Stunde später wohl ideal gewesen wäre. Die Flanke ist noch gut eingeschneit, so dass ich mit etwas Voraussicht ohne Felskontakt oder Skiabschnallen zur Chammlilücke abfahren kann. Ab hier im Schatten geht es dann auf harter Unterlage weiter - einmal ist auch seitliches Abrutschen durch ein Lawinencouloir angesagt. Abwärts geht dies aber immer noch bequemer als aufwärts, wie ich an den zum Teil recht angestrengten Gesichtsausdrücken einiger der zahlreichen mir entgegenkommenden Tourengänger ablese. 

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Blick zurück zum Gipfel

Der Übergang zum Nassschnee kommt dann - wie so oft im Frühling - unmittelbar, und nach einer kurzen Gegensteigung zu Chammlialp ist im faulen Schnee dann ordentlich Stockeinsatz nötig, um zu Passhöhe hinab zu kommen. Immerhin aber liegt durchgehend Schnee, so dass ich die Ski erst beim Parkplatz schultern muss. Nach dem Wechsel auf Shorts und Trägershirt gönne ich mir Cola und Chips in der Sonne. So gern ich heute alleine unterwegs gewesen war - diesen Moment hätte ich nun gerne mit einem Tourenpartner geteilt. Ich freue mich aber sehr auf ein kühlendes Bad im Walensee - jetzt um 9:00 habe ich ja noch den ganzen Tag zum Entspannen.

Zeit Aufstieg: Ca. 4h30 - 5h30
Höhenmeter: Ca. 1600 
Schwierigkeit:  S-

Anforderungen:

 

Die Passagen vor und mit Iiswändli können bei harten Verhältnissen heikel sein und erfordern absolut sicheres Gehen mit Harscheisen.

Ausrüstung:

 

 

Je nach Verhältnissen sind für den Gipfelgrat Steigeisen und/oder Pickel notwendig; erstere können auch den Aufstieg übers Iiswändli entschärfen.

Führer/Karte:

SAC Führer Zentralschweizer Alpen/246S Klausenpass
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