Lötschentaler Breithorn (3785 m) Blanchetgrat

Mit Philipp                                                                                                                                                                                                               05/07/2020

Hochtour, Lötschentaler Breithorn, Blanchetgrat, Baltschiederklause, Zustieg, Arete Blanchet, Wallis, Gratkletterei, Granit, Ausserberg
Ungefährer Routenverlauf, der Einstieg in den Blanchetgrat ist mit einem Kreis markiert.

Zustieg Baltschiederklause: Im vom Covid-19 Virus geprägten Sommer ist nicht so einfach, an einem Schönwetterwochenende einen Schlafplatz auf einer Hütte zu ergattern, aber in der Baltschiederklause werden wir schliesslich fündig. So nehmen wir den langen aber schönen Weg von Ausserberg Dorf durchs Baltschiedertal unter die Füsse und erreichen nach 5h gemütlichen Gehens inklusive Pausen die Hütte, wo wir wie gewohnt mit einem kleinen Willkommenstee begrüsst werden. Bis zum Abendessen bleibt noch Zeit, die Sonne zu geniessen, Topos zu studieren und einen ca. 15-minütigen Rekognoszierspaziergang zu unternehmen, um uns einen Überblick über den Zustieg zum Blanchetgrat zu verschaffen. Die Stimmung beim Abendessen ist trotz Plastikvorhängen und Trennwänden entspannt, alle anderen Gäste wollen entweder das Bietschhorn in Angriff nehmen oder wieder ins Tal absteigen. Zeitig legen wir uns in die geräumigen Betten.

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Abendstimmung in der Balschiederklause (Foto: P. Kohler)

Blanchetgrat: Kurz nach 3:00 gibts Frühstück, und um 3:45 marschieren wir bei Vollmond und warmen Temperaturen los. Das kleine Schneefeld unterhalb der Hütte ist hartgefroren, so dass wir für ein paar Meter den Pickel benötigen, dann geht es wieder reibungsfrei weiter. Dank der kleinen Rekognosziertour am Vortag finden wir den optimalen Weg zum Einstieg ohne zu suchen, auch wenn die steile und schuttige Steilstufe mühsam und nicht unheikel ist. Punkt 5:00 sind wir beim Einstieg - zeitgleich mit der Dämmerung und deutlich schneller als erwartet.

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Philipp steigt in die Rinne, die auf den Grat führt, ein.

Beim Bereitmachen zur Kletterei bleiben die Cams und Schlingen bis zuletzt auf dem Boden liegen. Es ist unsere erste Hochtour dieses Jahr - keiner von uns strotzt vor Selbstbewusstsein und reisst sich darum, den Anfang zu machen. Philipp "opfert" sich schliesslich und steigt in die Rinne, die zum Grat hinaufführt, ein. Der Fels ist hier noch nicht bombenstabil und etwas vegetativ durchzogen, aber die Kletterei im dritten Grad ist leicht und wir werden allmählich warm und geschmeidig.  Am auf ca. 20 m verkürzten Seil simultan kletternd kommen wir zügig voran und wechseln jeweils den Vorstieg, wenn wir kein Sicherungsmaterial mehr haben. Die teilweise recht steile Kletterei auf dem rötlichen, perfekt stabilen Granit macht Spass. Leider ist es mit dem Wind noch etwas zu frisch ist, um es total sorglos zu geniessen. Erstaunlich, wie spät die Sonne hier den Fels erreicht.

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Der Tag erwacht, im Hintergrund Weisshorn (rechts ) und Mischabelgruppe (Mitte).
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Das Bohrhakenwändchen (6a oder 4c/A0). Die Erstbegeher hatten diese Stelle 1922 in der Flanke umgangen. (Foto: P. Kohler)

Vor der ersten 4c Seillänge wechseln wir auf Standplatzsicherung. Um weiterhin so zügig voran zu kommen und um meine noch etwas angeschlagenen Ellbogen zu schonen, schlüpfen wir hier auch in Kletterfinken. So klettert sich die 4c Seillänge  sehr genussvoll. Wieder am laufenden Seil  gelangen wir bald zum "Bohrhakenwändchen" (6a oder 4c/A0). Ich bin froh, dass Philipp hier vorsteigt, denn selbst wenn man die Stelle technisch löst, ist sie nicht einfach, man muss die Haken nämlich erst mal erreichen (lange Arme von Vorteil...)! Die 5 Haken auf diesen 10 Metern sind übrigens das einzige fixe Material auf der ganzen Tour. Die Routenfindung ist aber trotzdem kein Problem, das Topo von Silbernagel stimmt sehr gut. Ausserdem lässt sich die Tour wirklich bestens mit Cams und insbesondere Zackenschlingen  absichern.

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Die schöne 4b Seillänge mit der steilen aber gutgriffigen Piazschuppe (Foto: P. Kohler)

Es folgt eine äusserst lässige 4b Seillänge, die mit einer Piazschuppe abschliesst und schliesslich das ominöse "kleine Wändchen", von dem ich schön mehrmals vernommen hatte, es sei die eigentliche Schlüsselstelle der Tour. So schlimm ist es dann doch nicht, allerdings klar schwerer als die angegebene 3a. Man hat hier die Wahl zwischen zwei Risssystemen (grosse Leute können evtl. beide gleichzeitig benutzen). Ich starte mit dem rechten, ziemlich runden Riss und balanciere dann hinüber zum linken, der sich super absichern lässt. 

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Nochmals die selbe Seillänge, diesmal von oben.
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Etwas leichter, aber weiterhin luftig und oft steil gehts weiter.

In interessanter Kletterei im unteren 4. Grad  geht es einige Seillängen weiter. Da Philipp und ich gleich stark sind, wechseln wir uns stets mit dem Vorstieg ab. Es ist klar, dass jeder seinen Beitrag leisten muss, damit wir die Tour gut durchziehen können. Genau so machts Spass! Wir wechseln wieder aufs laufende Seil, die Kletterei ist wieder einfacher, allerdings nie ganz trivial, es kann kaum einen Schritt aufrecht gegangen werden. Spätestens jetzt wird klar, weshalb im Führer rein für die Kletterei am Grat 5-8h veranschlagt werden. Klettert man alle Stellen unter dem 4. Grat simultan und eiert bei den schwereren Seillängen nicht allzu lange rum, kann man aber eine Zeit im unteren Bereich dieser Vorgabe gut einhalten.

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Nach dem Ausstieg aus dem Grat folgt der Weiterweg zum eigentlichen Gipfel des Breithorns. (Foto: P. Kohler)

Am Ende des eigentlichen Grates wählen wir die rechte Ausstiegsvariante, wo sogar ein Steinmännchen den Weg weist. Da noch viel nasser Neuschnee in der Flanke liegt, klettern wir allerdings im Fels bis zum Punkt 3659 m, dem "Gipfel" des Blanchetgrates. Kurz nach 12:00 machen wir uns dann auf dem Weg über den Beichgletscher zum eigentlichen Gipfel des Breithorns, wobei wir immer wiedermal knietief im nassen Schnee einsinken. Aufgrund dieser Schneeverhältnisse und den grossen Bergschründen verzichten wir dann auch auf den Schlussanstieg zum Gipfel - dies scheint uns bei diesen Bedingungen klar zu heikel.

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Abstieg zum Gredetschjoch (Foto: P. Kohler)
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Blick zurück zum Gredetschjoch - zum Glück wurden hier Abseilstangen installiert. (Foto: P. Kohler)

Der Abstieg zum Gredetschjoch ist unglaublich mühsam, da wir bei praktisch jedem Schritt knietief einsinken. Auch die Spaltengefahr ist hier nicht ausser acht zu lassen. So sind wir froh, endlich beim Joch anzukommen und nach viermaligem Abseilen auf dem Gredetschgletscher zu stehen. Hier ist der Schnee zum Glück schon etwas zusammengebacken und wir erreichen nach einem mit nun schon etwas müden Beinen anstrengenden aber problemlosen Gegenanstieg die Baltschiederlücke.

Wiederaufstieg zur Baltschiederlücke (Foto: P. Kohler)
Wiederaufstieg zur Baltschiederlücke (Foto: P. Kohler)
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Abstieg (orange) und Abseilen (rot) von der Baltschiederlücke (Foto: P. Kohler)

Von dieser müssen wir nun eine längere Strecke abklettern. Nie schwer, aber doch mühsam und an den Drahtseilen manchmal auch anstrengend - zudem befindet man sich durchwegs im Absturzgelände. Nach zweimaligem Abseilen ganz zum Schluss erreichen schliesslich das Schneefeld. Es bleibt noch die unangenehme, Kies- und Geröllsteilstufe, welche nochmals volle Konzentration fordert, dann endlich sind wir in unproblematischem Gelände und der Rest zur Hütte ist einfach noch Fleissarbeit. Müde und glücklich kommen wir schliesslich kurz vor 17:00 Uhr dort an, und geniessen ein wohlverdientes Bier. Da wir am nächsten  Tag von hier aus noch eine kleine Tour unternehmen wollen, kommen wir nochmals in den Genuss der äusserst freundlichen, zuvorkommenden und hoch kompetenten Bewirtung von Jolanda und Team. Abgerundet wird der Abend durch die unerwartete Anwesenheit meines Vaters Armin und "seines" Bergführers Rolf, die am nächsten Tag das Bietschhorn in Angriff nehmen wollen. Was für ein gelungener Saisonauftakt!

 

Weitere Bilder hier 


 

Gipfel:           Lötschentaler Breithorn
Route: Blanchetgrat
Ausgangspunkt:  Baltschiederklause
Höhe: 3785 m
Schwierigkeit: S, 6a oder 4c/A0

Material:

 

40 m Seil, Cams 0.3-1, viele Zackenschlingen, 6-8 Exen/ Schnapper, evtl. Keile
Karte/Führer: Hochtouren Topoführer Berner Alpen Silbernagel/Wullschleger