Mit Holmger 06/04/26

Nach einer Kaltfront mit viel Neuschnee steigen die Temperaturen an Ostern rapide an. Die damit einhergehende hohe Nassschneelawinengefahr bedingt, dass man Skitouren am besten noch vormittags beendet – bei den langen Touren, die uns vorschweben, ist dies eher schwierig. Eine genaue Recherche ergibt dann, dass im Wallis unterhalb der Nasschneelawinengefahr-Grenze nur wenig Schnee liegt. So entscheiden wir uns relativ kurzfristig, eine Tagestour aufs Bishorn zu unternehmen. Die war schon länger ein Wunsch von uns, denn Holmger war noch nie oben und ich hatte bei meinen bisherigen beiden Besteigungen eine Sichtweite von einigen Metern, bedingt durch ein Whiteout beziehungsweise durch die frühe Tageszeit vor der Besteigung des Weisshorn Nordgrats. Nach einem gemütlichen Städtebummel und Pizzaessen in Sierre fahren wir zum Parkplatz in Saas Fee, wo wir im Bus übernachten.

Die nächtlichen Temperaturen sind so hoch, dass es uns auch ohne Standheizung fast zu warm ist. Während des Frühstücks tröpfelt Regen einer nicht prognostizierten Front aufs Dach, doch als wir um 5:15 losgehen, hat sich dieser verzogen und Sterne blinken zwischen den Wolken hervor. Der Schnee auf der Winterroute über die über die Plats des la Lé ist zwar feucht aber kompakt, und durch den kühlenden Effekt des verdunsten des Regens entsteht eine schnelle Oberfläche. So kommen wir gut voran, und auch die erste Steigung bei Le Vichiesso ist abgesehen von ein paar wenigen Passagen angenehm zu gehen. Nach Überqueren der Brücke auf ca. 1900 m steigen wir den Abfahrtsspuren entlang durch den Wald auf. Der Schnee ist weiterhin sehr kompakt und die wenigen aperen Stellenlassen sich mit den auch mit Ski an den Füssen gut überwinden.

Ich fühle mich fit, weiss aber, dass ich das Tempo etwas drosseln muss, denn die Tour ist lang – insbesondere, wenn man wie wir heute sowohl im Aufstieg als auch in der Abfahrt die Winterroute nimmt. Noch ist es bewölkt, die Temperaturen jedoch sind sehr angenehm und auch mit Wolken ist die Sicht auf nahen Viertausender eindrücklich. Im etwas steileren Hang vor Punkt 2617 m wird die Oberfläche hart, wir kommen aber noch gut ohne Harscheisen aus. Es folgt eine kurze Abfahrt zur Sumpfebene bei 2561 m, und nach Wiederanfellen steigen wir auf guter Spur in Richtung Tracuithütte auf.


Kurz vor der Hütte überholen wir zwei Gruppen, die von der Arpitetta-Hütte her kommen und wechseln ein paar Worte; alle sind gut gelaunt ob dem schönen Wetter. Wir überwinden die kurzen Felsstufe mit aufgebundene Ski und erreichen die Tracuithütte, wo wir 40 min Pause machen. Die ersten Tourengänger, die von hier zum Bishorn gestartet sind, kommen zurück und berichten von guten Bedingungen aber starkem Wind, der nun am abklingen sei. Gestärkt machen wir uns schliesslich an die verbleibenden 900 Höhenmeter zum Gipfel.

Zügig kommen wir über das Flachstück – erst als das Gelände wieder ansteigt, macht sich eine leichte Ermüdung bemerkbar. Wir kommen aber nach wie vor gut voran, der Gletscher ist super gedeckt und wir können meist einer guten Spur folgen. Erst weit oben montieren wir Harscheisen, um kraftsparender gehen zu können. Auf den letzten Metern vor dem Skidepot eröffnet sich schon fast abrupt das Panorama auf das Weisshorn, Monte Rosa, Täschhorn, Dom und Nadelgrat. Ein wirklich grossartiger Moment, der mir sprichwörtlich etwas den Atem raubt. Diese Berge hatte ich vermisst!

Im kurzen Fussaufstieg liegt eine gute Spur, so dass wir auf Steigeisen verzichten können. Am windstillen Gipfel angekommen, geniessen wir das herrliche Panorama, das wir ganz für uns allein haben. Genau so hatte ich mir das vorgestellt mit dem Blick auf das Weisshorn: Wie auf dem Victorinox-Werbeplakat das mir vor vielen Jahren auf einem ins Auge gesprungen ist und meinen Wunsch verstärkt hat, diese Berge zu besuchen.

Die Abfahrt über den harten und windgepressten Bergrücken ist genussreicher als beim Aufstieg angenommen; dennoch ist auf Spalten und Blankeiststellen zu achten. Mit viel Schuss erreichen wir die Hütte, wo wir nochmals eine längere Pause einlegen und Getränke nachtanken. Schliesslich fahren wir über den steilen Hang westlich der Hütte ab. Hier ist der Schnee noch nicht ganz umgewandelt, deshalb besteht auch keine Nassschneelawinengefahr.

Über guten Sulz und erreichen wir schliesslich die Ebene bei 2561 m, wo wir für die Gegensteigung anfellen. Diese geht deutlich leichter von Hand als befürchtet und bald können wir uns an die weitere Abfahrt machen. Nun wird der Schnee wirklich tief und mehrere Passagen müssen wir zu Fuss zurück legen. Unterhalb von 2000 m ist die Schneeüberfläche dann aber wieder kompakt genug, sodass wir im spassigen Ski-Cross-Modus zum Fahrsträsschen kommen, über das wir schnell die Plats des la Lé erreichen. Locker über den schnellen Schnee der Langlaufloipe skatend gelangen wir wenig anstrengend zum Parkplatz. Hier kochen Pasta während die Sachen an der Sonne trocknen, bevor es dann auf die Rückreise geht. Was für ein toller Abschluss der Osterferien!
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