Mit Eva 25/04/26

Ursprünglich stand das Couturier-Couloir an der Aiguille Verte auf dem Plan, doch negative Verhältnisberichte (die sich dann als komplett falsch herausstellen würden) halten uns davon ab. Ein alternatives Ziel ist schnell gefunden: das Couloir des Italiens an der Grande Casse. Die nicht gerade kurze Reise nach Fontanette gestaltet sich dank flüssigem Verkehr und noch flüssigeren Gesprächen sehr kurzweilig. Beim Parkplatz an der Skipiste angekommen, stellen wir erfreut fest, dass auf der Piste noch Schnee liegt und wir direkt mit den Ski losgehen können.

Auf der kompakten Unterlage geht es sich trotz Hitze leicht. Die Müdigkeit von der Aletschorn-Tour sitzt mir aber noch etwas in den Beinen und der Rucksack drückt schwer auf die Schultern. Neben je zwei Eisgeräten und Steileissteigeisen haben wir zusammen ein 50 m Seil, acht Eisschrauben und einiges an Felssicherungsmaterial dabei.

Beim Refuge du Col de la Vanoise angekommen, trocknen wir unsere Sachen und gönnen uns ein feines IPA in der Sonne, später gibt es noch ein kleines Nickerchen in den schönen Zimmern mit separaten Kajütenbetten. Etwas Bedenken macht uns allerdings die Verhältnisinfo zum Couloir des Italiens von den Hüttenwirten, die von starker Ausaperung berichten. Nach einem guten Nachtessen machen wir uns bald in die Betten und ich schlafe so gut wie kaum je auf einer Hütte.

Am nächsten Morgen frühstücken wir um 5 Uhr, gemeinsam mit zwei Jungs, die dasselbe Ziel haben, jedoch ebenfalls von schlechten Bedingungen mit brüchigen Felsen und Steinschlag gehört haben. Sie wollen, wie wir auch, vor Ort entscheiden und gegebenenfalls auf die klassische Nordwand ausweichen.
Wir starten noch knapp bei knapp bei Dunkelheit, und nach etwas mühsamem Abrutschen mit den Fellen geht es steil die Moräne hoch. Der Schnee ist zum Glück so griffig, dass dennoch keine Harscheisen notwendig sind.

Allmählich wird es Tag – was für ein schönes Licht. Wir sind zügig unterwegs – im Nachhinein stellt sich heraus, dass wir beide gerne gemütlicher gegangen wären, aber jede annahm, die andere sei fitter... Gut, haben wir darüber geredet ;-)
Das letzte Stück zum Col de la Grande Casse legen wir zu Fuss zurück. Oben angekommen sieht das Couloir des Italiens wirklich sehr ausgapert aus, wobei man nicht alles einsehen kann. Brüchige Felsen in der Steilheit scheinen mir heikel, so entschliessen wir uns wie auch die beiden Jungs, über die Zentrale Nordwand aufzusteigen. Schade um eine spannende Route, insbesondere für Eva, die die Zentrale Nordwand bereits kennt.

Es liegt eine gute Trittspur, auch wenn die Tritte ab und zu etwas gross sind für meine kurzen Beine. Trotz schweren Rucksäcken kommen wir in einem steten Rhythmus gut voran. Während etwa zehn Metern ist nur wenig Schnee über dem Eis, es ist aber griffig, so dass wir auf das Seil verzichten können. Etwas unangenehm finde ich ein paar Passagen mit tiefem, griesigen Schnee, wo man aufpassen muss, nicht damit weg zu rutschen. Alles in allem finden wir aber eine sehr entspannte, wenn auch physisch anstrengende Stapferei vor. Da wir schon früh in der Sonne sind, ist es unglaublich warm – ich hätte eigentlich nur ein T-Shirt gebraucht. Oben angekommen zieht aber ein zügiger Wind, und aufgrund meiner nassgeschwitzten Handschuhe werden meine Hände sofort eiskalt.

Der Weiterweg auf den Gipfel ist aufgrund der Ausaperung nicht ganz einfach. Wir versuchen erst, etwas abzusteigen um anschliessend auf die Normalroute zu queren, aber es fehlt hier an Schnee, und das loses Geröll rutscht bei der Steilheit sofort unter den Füssen weg. Schliesslich finden wir weiter oben einen Weg, der zwar ebenfalls etwas mühsam, jedoch nicht heikel ist. Mit Steigeisen gehen wir bis zum Gipfel.

Auf dem Gipfel ist es frisch - zu frisch, um noch zwei Stunden auf das Aufsulzen des Schnees zu warten. Wir essen etwas, geniessen die Weitsicht zu Mont Blanc, Ecrins und Méije und rattern dann den steilen Hang hinunter bis zum Sattel, wo uns die ersten Leute über den Normalweg entgegenkommen. Das anschliessende Steilstück steigen wir zu Fuss ab – bei diesen harten, rumpligen Bedingungen, mit dem schweren Sack und den Leichtski ist uns das Fahren zu heikel. Auch die aufsteigenden Bergsteiger sind ausnahmslos mit Steigeisen unterwegs.

Schliesslich wird der Schnee sulziger und ist gut zu fahren. Diverse Spaltenzonen und das vom Gletscher geprägte Gelände bieten eine spannende Abfahrt, bei der sich der Weiterweg nur Stück für Stück erschliesst. Nach einer kleinen Gegensteigung erreichen wir die Hütte, wo wir uns eine längere Pause mit Bier und Essen gönnen. Schliesslich machen wir uns an die Abfahrt ins Tal, die zwar skitechnisch nicht besonders spannend ist, aber doch sehr angenehm, gerade wenn man bedenkt, dass man in wenigen Tagen hier zu Fuss runter gehen muss. So kommen wir noch relativ früh beim Auto an, was uns angesichts der langen Heimreise nur recht ist.
Alpinistisch ist die Tour zwar nicht das geworden, was wir uns gewünscht haben, dennoch war es eine
landschaftlich sehr schöne Unternehmung bei besten Wetter, und eine tolle Gelegenheit, uns wieder mal ausgiebig austzutauschen – unsere Art von Kaffichränzli eben ;-)
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