Les Droites (4000 m) – Normalweg (Variante)

Mit Dušan                                                                                                                                                                                                                07/06/26

Hochtouren, Mont Blanc, Chamonix, Les Droites, Normalweg, Ostpfeiler, Couvercle, Mer de Glace Montenvers, Südwestcouloir
Les Droites; der Pfeil markiert das Südwestcouloir, das bei guten Verhältnissen einen direkten Aufstieg erlaubt.

Wie so oft kommt mit dem Juni auch die Phase mit gewitterhaftem Wetter.  Glücklicherweise fallen die wenigen stabilen Tage diesmal genau auf das Wochenende und erlauben ein grösseres Unternehmen. Der Verhältnischeck ergibt eine gute Firnlage an den Droites, was für  diese Tour wichtig bis unabdingbar ist, mit Verhältnissen, die den Zustieg über das Südwestcouloir erlauben. Etwas unsicher ist, wieviel Schnee  in den letzten Tagen gefallen ist und wie gut er sich setzten würde. Der Hüttenwart will sich nicht auf eine Prognose einlassen, aber Dušan und ich schätzen die Chancen auf ein Gelingen als gut ein und wollen es versuchen. Glücklicherweise werden dann auch noch zwei Plätze auf dem Refuge du Couvercle frei, und motiviert packen wir die Säcke.

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Zustieg über den Blockgletscher

Die Autofahrt nach Chamonix und die Zugreise mit der Montenversbahn verlaufen reibungslos. Um 11 Uhr starten wir mit dem Hüttenzustieg. Wegspuren folgend gehen wir über das Mer de Glace (unterdessen leider eher Mer de Pierre ...) finden wir relativ direkt den Einstieg in die Leitern. Diese sind mit dem Rucksack ganz schön anstrengend, aber immerhin sind die Stufen klein und es ist nirgendwo überhängend. Nach etwa 300 Höhenmetern geht es abwechselnd auf schönen Pfad und kürzeren Leitern und mit Ketten versehenen Felsstufen zur Hütte. In sehr gemütlichem Tempo um die Beine für den nächsten Tag zu schonen,  erreichen nach dreieinhalb Stunden das schöne Refuge. Wir gönnen uns etwas zu trinken in der Sonne und legen uns anschliessend in die Betten, um etwas vorzuschlafen – die Nacht würde sehr kurz werden.

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Start in die Leiterpassage ...
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Noch mehr Leitern
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Dazwischen ein bequemer Wanderweg (Foto: D. Rentka)
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Das sehr komfortable Refuge du Couvercle

Um 19 Uhr gibt es sehr feines Nachtessen mit Suppe, Salat, Fleisch, Reis, Kartoffelstock und einem Früchtekuchen. Die Hütte ist sehr luxuriös mit fliessendem Wasser, gratis Trinkwasser, kleinen Zimmern und WC im Haus.  Auch die Stimmung unter den Bergsteigern ist sehr angenehm. Die meisten ollen am nächsten Tag das Whympercouloir auf die Aiguille Verte in Angriff nehmen.

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Start um 0:30 beim Refuge du Couvercle (Foto: D. Rentka)

Um 23:50 Uhr klingeln die Wecker – so früh bin ich wohl noch nie für eine Bergtour aufgestanden! Wir drücken etwas Frühstück runter und starten um 0:30 als erstes Team in die Nacht. Anfangs können wir noch den Spuren in Richtung Whympercouli folgen, schliesslich müssen wir aber in Richtung Südwestcouloir zur Droites abzweigen. Die Spurarbeit ist unglaublich mühsam: eine leicht gefrorene Schicht überdeckt teilweise oberschenkeltiefen Schnee. Eine einzige, eher warme Nacht hat nicht gereicht, um den Schnee durchzubacken. Ich beginne zu zweifeln, ob wir  bei diesen Bedingungen schnell genug sein würden, um den bei später Tageszeit heiklen Abstieg rechtzeitig hinter uns bringen zu können.  Glücklicherweise werden die Stellen mit tragender Schneeoberfläche immer häufiger  und dank aktuellem GPS-Track finden wir den Weg durch den Gletscher problemlos. So und erreichen wir trotz allem in zweieinhalb Stunden den Einstieg ins Couloir. In diesem sind die Bedingungen hervorragend, der Bergschrund ist überhaupt kein Problem und wir kommen zügig voran.

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Mühsamer Bruchharst (Foto: D. Rentka)
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Traverse nach dem Südwestcouloir

Die Traverse und den Einstieg in die Felspassage finden wir problemlos, dann wird die Wegfindung im Dunkeln, mit viel Schnee und ohne Spur allerdings schwieriger. Wir folgen dem vorerst leichtesten Weg über steile Firncouloirs und gelangen dadurch etwas zu weit nach rechts. Bald wird uns klar: die Kletterei ist zu schwierig für den Normalweg. Da immer wieder Schlingen auftauchen, wähnen wir uns auf Abseilpiste, und weil die Kletterei cool und gut absicherbar ist, beschliessen wir, es auf diesem Weg nach oben zu versuchen. Richtig schwer ist die Kletterei nie, aber das Unwissen darum, ob ein Aufstieg hier (für uns) möglich ist, macht etwas müde im Kopf.

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Einstieg in die (vorerst noch leichte) Mixedkletterei (Foto: D. Rentka)
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Hier wird's etwas schwerer (Foto: D. Rentka)
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Der Schnee ist perfekt, auch steile Passagen gehen sich sehr entspannt.
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Es dämmert - weit weg das Matterhorn.
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Grandes Jorasses im Morgenlicht (Foto: D. Rentka)
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Die tolle Kletterei veranlasst uns, diese Route weiter zu verfolgen.
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Teilweise ziemlich steil
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Hier können wir nach links auf die richtige Route traversieren.

Schliesslich können wir über eine Schneefläche wieder Richtung Grat traversieren, wo wir den Normalweg vermuten. Jetzt ist klar – wir sind bald auf dem Gipfel.

Im einfachen, gemischten Gelände entlang ein paar Fixseilen erreichen wir schliesslich den Gipfel, der im Prinzip bloss die höchste Erhebung eines langen Grates ist. Was für ein Gefühl, die ersten Spuren auf diesen Gipfel zu legen! Auch die Aussicht, insbesondere auf Aiguille Verte, Mont Blanc und Grande Jorasses,  ist gewaltig.

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Fast auf dem Gipfel (Foto: D. Rentka)
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Gegenperspektive
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Kurz vor dem Gipfel kommen wir erstmals an die Sonne, der Wind weht uns den hier noch pulvrigen Schnee ins Gesicht.
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Gipfel mit Blick zu Mont Blanc
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Grün: offzieller Routenverlauf Normalweg; rot: Abseilpiste; blau: die von uns gewählte Route (Foto: Camp2Camp; zeigt nicht die aktuellen Verhältnisse)
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Bereitmachen zum Abseilen

Lange bleiben wir hier nicht, denn es ist frisch und zudem haben durch die schwierigen Spurverhältnisse und unsere schwierige Variante länger gebraucht als geplant. Mit unserem 60 Meter Halbseil und einer Rapline seilen wir ab. Da wir aus dem C2C-Bericht der Vorwoche um den schlechten Zustand der Abseilpiste wissen, haben wir Schlaghaken, Maillons und viel Reepschnur und  Schlingen dabei, sodass wir die Stände ausbessern können, was zwar Zeit kostet, aber teilweise auch wirklich auch nötig ist. Schliesslich kommen wir auf den Firnhang, wo wir das Seil einpacken und erst rückwärts, dann vorwärts absteigen. Der Schnee ist hier (noch) perfekt, etwas weich, aber maximal knöcheltief.

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Im Schnee gestaltet sich das Abseilen leicht.
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Guter Trittschnee im steilen Bereich des Fussabstiegs; die Nassschneekugeln sind vom Vortag. Dies Passage ist bei weiche Schnee sehr heikel und der Grund dafür, dass diese Tour sehr früh gestartet werden muss.

Weiter unten, wo das Gelände weniger steil ist, wird es allerdings sehr mühsam, da wir  teilweise hüfttief einsinken. Am schnellsten ist es hier, auf dem Po runter zu rutschen. Dass wir klatschnass werden, stört den warmen Temperaturen nicht. Es folgt der  Rückweg zur Hütte, der wegen dem steten Einsinken ziemlich anstrengend ist. Kurz vor 14:00 erreichen wir schliesslich die Hütte, wo wir uns eine Pause gönnen und Cola und Wasser nachtanken. Dass wir die Bahn nicht mehr schaffen würden, war uns schon länger klar, deshalb müssen wir uns nicht mehr beeilen.

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Auf dem Füdli gehts am schnellsten - besonders dann, wenn man zu Fuss hüfttief einsinken würde.
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Weitsicht im Abstieg von der Hütte (Foto: D. Rentka)

Erholt steigen wir schliesslich ab. Die Leitern sind im Abstieg deutlich angenehmer und bewahren uns vermutlich auch vor allzu grossem Oberschenkelmuskelkater. 

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Der Weiterweg über das Mer de Glace zieht sich.

Anfangs finden wir einen dank vielen Steinmännchen und gelben Markierungen eine guten Weg über den Blockgletscher, diese verlieren sich aber später und beschliessen, dem blanken Gletscher zu folgen. Im Nachhinein hätte man hier besser auf die westliche Moräne gequert. So dauert es dann doch ein bisschen länger, bis wir über das teilweise ziemlich mühsame Blockgelände schliesslich den (geschlossenen) Lift erreichen.

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Das Überklettern des Gitters ist geschafft. (Foto: D. Rentka)

Nun folgt der mit müden Beinen schon etwas anstrengende Gegenanstieg zur Bergstation Montenvers und schliesslich ein langer Abstieg nach Chamonix. In Anbetracht der Tatsache, dass wir – nach dem Winter nicht mehr an diese Belastung gewohnt – 3700 Höhenmeter absteigen, fühlen sich meine Beine eigentlich noch recht gut an und auch die Fussschmerzen in den schweren Winterbergschuhen mit steifer Sohle halten sich in Grenzen. Kurz vor 21:00 Uhr erreichen wir Chamonix und der Zufall will es, dass beim Parkplatz  ein Pizzaservice steht. Nach Bier und Pizza Chèvre-Miel machen wir uns an die Rückfahrt. Vielen Dank Dušan für das Fahren nach diesem langen Tag und natürlich auch für die tolle Tour mit perfektem Teamwork!

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Klettersteig hinauf zur Bergstation Montenvers
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Cheers auf eine tolle Tour!

Gipfel:        

Les Droites
Route: Normalweg (Variante)/Ostsporn
Ausgangspunkt: Refuge du Couvercle
Höhe: 4000 m
Schwierigkeit: ZS+

Unser Material:

 

60 m Halbseil + 60 m Rapline, Cams 0,3-2, wenige Keile/Ballnuts, Schlingen, 8 Exen, Material zum Ausbessern der Abseilpiste

Karte/Führer:

Camp2Camp